Freitag, 9. Dezember 2022

Lightyear Zero: das erste sich selbst versorgende Solarauto

Helmond / NL. (eb) «Lightyear 0» ist nicht nur eine Konzeptstudie, sondern das erste real existierende, sich selbst versorgende E-Auto mit Straßenzulassung. Serienmäßig kommen die ersten Kraftfahrzeuge mit E-Antrieb und Solarunterstützung seit diesem November auf die Straßen. So weit kann man es also bringen, wenn Ressourcen nicht (!) leichtfertig für die Entwicklung manipulativer Software vergeudet werden. Wenn Konzernchefs nicht (!) die Bodenhaftung verlieren, indem sie glauben, sie könnten die Zukunft anhalten.

Wie gefährlich die Fantasien der klassischen Autobarone für den Arbeitsmarkt noch werden können, deutet sich langsam aber sicher an. Ungestört haben andere Konzerne in anderen Regionen der Welt ihre Zeit genutzt, um einen Vorsprung herauszuarbeiten. So ist zum Beispiel die chinesische Automobilindustrie in der Lage, heute ein weit besseres Preis-Leistungs-Verhältnis anzubieten als die klassische Viertaktindustrie. Und während die Zeitung mit den großen Buchstaben «Kauft deutsche Autos!» postuliert, wird sich mancher Interessent still an den Kopf fassen und vornehmen, sich kein zweites Mal betrügen zu lassen.

E-Autos sind nur ein Schritt in die richtige Richtung

Doch egal wie hochwertig und langlebig Kraftfahrzeuge mit E-Antrieb heute schon sind: Sie treffen auf eine bundesdeutsche Infrastruktur, die seit drei oder vier Legislaturperioden «gerade erst im Entstehen» ist. Das Autoland Deutschland fremdelt mit «Ladepunkten» und der Vorstellung, selbst spontane Ausflüge nicht mehr in Kilometern messen zu können, sondern anhand von Batterie-Ladezyklen berechnen zu müssen. Natürlich werden Batterien und Ladevorgänge immer besser. Doch schränkt das E-Auto die gewohnte Autonomie so oder so deutlich ein. Der private Gebrauch wird Anwendungsfälle noch am ehesten variieren können. Doch was ist mit der Taxibranche? Oder Krankenfahrten? Kann ein Notarzt künftig nur noch im Rhythmus von Ladezyklen ausrücken? Können Notfälle, bei denen situative Entscheidungen an der Tagesordnung sind, künftig nicht mehr behandelt werden, weil das die Reichweite sprengt?

Welche Bedeutung autonome Entscheidungen bei der Wahl des individuell richtigen Kraftfahrzeugs spielen, hat das Unternehmen Atlas Technologies B.V. in der niederländischen Provinz Nordbrabant glücklicherweise erkannt. Besser bekannt unter der Marke Lightyear One, arbeitet in Helmond (NL) ein internationales Team von 90 Ingenieuren daran, ein Kraftfahrzeug der Zukunft zu entwickeln, das die Welt nicht nur notgedrungen nutzt, sondern mit dem sie gerne fahren will. Im Team ist viel Wissen und Erfahrung versammelt, darunter mehrfache Gewinner der World Solar Challenge, erfahrene Fachleute aus der Luft- und Raumfahrt, dem Rennsport und der Automobilindustrie (ASML, Tesla, Ferrari, Inalfa und andere) sowie Absolventen der Technischen Universität Eindhoven. Gegründet 2016, zählt das Unternehmen gegenwärtig um die 465 Mitarbeitende. Alle zusammen haben das erste kommerziell erhältliche elektrische Solarauto der Welt entwickelt, das sich selbst aufladen kann: das Lightyear One.

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Auf dem Weg dorthin haben die Holländer in diesem Juni den «Lightyear 0» vorgestellt mit seinem endgültigen Design, einzigartigen Spezifikationen und voll mit revolutionären Fähigkeiten. Die «Serie 0» ist längst ausverkauft, auch wenn sie jetzt erst vom Band läuft. Limitiert auf eine geringe Stückzahl, richtet sich die «Serie 0» mit einem Preis von um die 260’000 Euro an «Early Adopter» und andere Enthusiasten, die rund um die Welt zeigen wollen, was heute möglich ist und wohin die Reise geht. Spätere Serien, wie etwa die schon geplante Version «Lightyear Two», sollen sozusagen als Volksauto für einen Preis von um die 30’000 Euro in die Massenproduktion gehen. Saubere und unabhängige Mobilität für alle, überall.

Warum «Lightyear 0»?

Die Automobilindustrie muss ihren Kurs ändern. Jedes Jahr legen alle Autos 9.460.000.000.000 fossil befeuerte Kilometer zurück. Das ist eine ganze Menge. Genau genommen ein Lichtjahr. Das Ziel von Lightyear ist, dass die Welt bis 2035 ein Lichtjahr mit Solarenergie fährt. Lex Hoefsloot, Mitbegründer und CEO, erklärt: «Elektroautos sind ein Schritt in die richtige Richtung, aber sie haben ein Skalierungsproblem. Bis 2030 können wir allein in Europa mit 84 Millionen Elektrofahrzeugen auf den Straßen rechnen.

«Es ist klar, dass der Zugang zu Ladestationen nicht mit der Nachfrage nach Elektroautos Schritt halten wird. Um das Laden an der Steckdose zu minimieren und die Reichweite zu maximieren, bestand die Strategie der Industrie bisher darin, Batterien hinzuzufügen. Das vergrößert den Kohlenstoff-Fußabdruck der Produktion und erhöht wiederum das Gewicht und den Bedarf an leistungsstarken Ladestationen.

«Unsere Strategie kehrt diesen Ansatz um. Das Lightyear 0 bietet mehr Reichweite mit weniger Batterien, was das Gewicht und die CO2-Emissionen je Fahrzeug reduziert.»

Lightyear 0 in Zahlen – Kernspezifikationen

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Das Aufladen neu erfunden

Das optimierte Solardach und das ganzheitliche Design bedeuten, dass das Auto wochen- oder sogar monatelang fahren kann, ohne aufgeladen zu werden. Bei bewölktem Himmel können Autofahrer bei einem durchschnittlichen Arbeitsweg von etwa 35 Kilometern pro Tag bis zu zwei Monate lang fahren, bevor Sie ans Aufladen denken müssen. In sonnigeren Ländern können es bis zu sieben Monate sein. Mit der Lightyear-Technologie wird jede Steckdose auf der Welt zu einer Ladestation. An einer normalen Haushaltssteckdose angeschlossen, kann das Lightyear 0 immer noch 32 Kilometer Reichweite pro Stunde aufladen. Für Lightyear 0 beginnt und endet die Reichweite nicht an Steckern und Steckdosen. Die bedeutendste Energiequelle für das Solarauto ist die Sonne unterwegs.

Nachhaltige Bauweise selbstverständlich

Nachhaltiges Design ist in jede Naht des hochwertigen Innenraums des Lightyear 0 eingearbeitet. Es ist vegan und umweltfreundlich, mit Leder auf Pflanzenbasis, Stoffen aus recycelten PET-Flaschen und hölzernen Dekoelementen aus nachhaltig angebautem Rattan. Die äußeren Karosserieteile des Lightyear 0 sind ebenfalls aus wiederverwertetem Kohlenstoff hergestellt, das heißt aus Kohlenstofffaserresten, die mangels Ideen zum Upcycling sonst im Abfall landen würden.

Wann wird Lightyear 0 ausgeliefert?

Im Juni wurden die allerersten Testfahrten angeboten. Im Herbst begann die Produktion der Kleinserie, im November werden die ersten Autos ausgeliefert (Fotos: Lightyear – Video: Nextmove über Youtube).

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