Freitag, 19. Juli 2024

Kreislaufwirtschaft: Bioethanol aus der Bäckerei

Stuttgart. (uh) Rund 600.000 Tonnen Altbackwaren fallen jedes Jahr in Deutschland an, die nicht mehr als Lebensmittel genutzt werden können. Ein Pilotprojekt mit Beteiligung der Universität Hohenheim in Stuttgart zeigt: Dieses Potenzial lässt sich nutzen. Angegliedert an die Bäckerei Webers Backstube + Caféhaus GmbH in Friedrichshafen wurde eine Brotbrennerei errichtet, in der Altbackwaren zu Alkohol destilliert werden. Die Brotbrennerei kommt nicht von ungefähr, denn Hannes Weber setzt schon seit Längerem nicht mehr nur auf eine Handvoll Bäckereifilialen, Caféhäuser und den Online-Shop, sondern auch auf den Eichenmühle-Shop mit Edelbränden und Likören aus eigener Herstellung.

(Foto: Universität Hohenheim – Stuttgart – Kreislaufwirtschaft mit Brotbrennerei in Webers Backstube – Friedrichshafen)20240220-UNI-HOHENHEIM-WEBERS-BACK

Das ist der Weg, über den sich das Friedrichshafener Unternehmen einem Energie-Konzept näherte, in dem die Kreislaufwirtschaft eine tragende Rolle spielt. Hilfe bei der Umsetzung erhielt Hannes Weber bei Dr. Daniel Einfalt von der Forschungs- und Lehrbrennerei der Uni Hohenheim, bei Antje Christians vom ttz Bremerhaven sowie Sebastian Müller von Müller Brennereianlagen bei Freiburg. Die Brennerei im Rahmen des Konzepts nimmt/nahm in dieser Woche offiziell den Betrieb auf. Dort werden Altbackwaren, die für den menschlichen Verzehr nicht mehr geeignet sind, vergoren und zu Bioethanol gebrannt – direkt vor Ort in der Bäckerei. Als erneuerbare Kraftstoffquelle ersetzt das Bioethanol aus Erdöl gewonnene fossile Brennstoffe und vermeidet zugleich die Konkurrenz zur Lebensmittelproduktion. Denn oft werden für die Herstellung von Bioethanol landwirtschaftliche Nutzpflanzen wie Mais, Weizen und Zuckerrohr verwendet. Das ausgefeilte Energie-Konzept sorgt dafür, dass innerhalb des Prozesses möglichst viel Wärme zurückgewonnen wird. Rückstände aus der Destillation dienen als Tierfutter oder sorgen in Biogasanlagen für weitere Energie. Deren Rückstand wiederum landet als Dünger auf den Feldern.