Sonntag, 19. Mai 2024

LIV Bayern: Ist KI eine Lösung fürs Handwerk?

München. (liv) «Egal, ob man in der Künstlichen Intelligenz (KI) eine Chance oder Gefahren sieht – sie wird künftig unser Leben entscheidend begleiten und verändern.» Das machten Landesinnungsmeister Heinrich Traublinger jun. und Staatsminister Dr. Fabian Mehring in ihren Reden beim Verbandstag 2024 des Landesinnungsverbands für das bayerische Bäckerhandwerk (LIV) in Lichtenfels deutlich.

Im Rahmen des Delegiertentags standen vor allem zwei Themen im Mittelpunkt der Diskussionen. Einerseits die Nutzung der Künstlichen Intelligenz (KI) in Bäckereien und andererseits die bürokratischen Belastungen und dadurch entstehende Herausforderungen für das Bäckerhandwerk.

20240429-LIV-BAYERN-01(Foto: LIV Bayern)

Bayerns Digitalminister Dr. Fabian Mehring zeigte in seiner Festrede auf, dass sich dem Handwerk durch die Neuerungen der Digitalisierung und KI neue Chancen eröffnen und diesen offen begegnen sollte. Das betonte auch Heinrich Traublinger jun., Landesinnungsmeister des Bayerischen Bäckerverbands: «Es liegt an uns, wie stark wir die Veränderungen zulassen, aber wir werden sie auf keinen Fall verhindern können.» Dabei war/ist der Datenschutz beiden Rednern sehr wichtig. KI brauche klare Regeln, die von der Politik gesetzt werden müssten. Hier sei Fingerspitzengefühl nötig, um diese «Errungenschaft einerseits zu fördern und auszubauen, gleichzeitig aber auch für die Sicherheit zu sorgen», betonte Traublinger.

Beide Redner wiesen vor allem auf die Möglichkeiten der neuen Technik hin. Gerade in Zeiten des Personal- und Fachkräftemangels würden sich hiermit neue Wege bieten. Der Landesinnungsmeister berichtete von einem digitalen Laden, der komplett ohne Mitarbeiter auskommen könnte. «Über Kamera- und Wiegesysteme werde genau erfasst, was der Kunde mitnimmt. Es gibt keine Kassen mehr und der Kunde kann den Laden einfach mit der Ware verlassen», erläutert Traublinger. Kurze Zeit nach dem Verlassen des Ladens habe man dann seine Abrechnung über Paypal auf dem Handy und «es stimmt alles». Auch bei den Zulieferern der Handwerksbäcker wie den Mühlen werde zum Beispiel das Bestellsystem auf KI umgestellt.

Das Thema KI war auch Kernpunkt eines Diskussionsforums im Rahmen der Mitgliederversammlung an dem neben Staatsminister und Landesinnungsmeister auch Justus Lauten, Geschäftsführer von Foodforecast Technologies und Bäckermeister Peter Otten, «Der Brotmacher», teilnahmen. Moderiert wurde die Diskussion von Irina Hanft aus dem BR-Studio Mainfranken.

20240429-LIV-BAYERN-02(Foto: LIV Bayern)

Kritisch äußerte sich der Landesinnungsmeister in seiner Festrede zum Thema Bürokratie. Man könne die Tagung locker mit Themen füllen, die den Betrieben unter den Nägeln brennen, wie Energie, Rückführung der Mehrwertsteuer auf 19 Prozent für Genuss im Haus, die Verpackungsverordnung, unzähligen Vorschriften der TSE, der Bonpflicht oder der desolaten wirtschaftlichen Entwicklung im Land.

Die Bürokratie nahm sich der Landesinnungsmeister heraus und erklärte: «Jetzt kommt hier ein bisschen Fahrt auf, denn Ministerpräsident Söder hat den Bürokratieabbau zur Chefsache erklärt und diesen Punkt sogar im Koalitionsvertrag verankert.» Gleichzeitig sei aber zu beachten, dass über 80 Prozent der «belastenden Bürokratie» nicht aus Bayern, sondern vom Bund oder aus Brüssel komme.

In unzähligen Terminen habe man die Thematik angesprochen und konnte als Handwerk einige Punkte platzieren, wie die Statistikpflicht, bei der man nun überlege, die Betriebe abwechselnd zu befragen und nicht immer die gleichen anzuschreiben. Auch von einer besseren Vernetzung der Behörden verspricht sich Traublinger einiges. «Vielleicht müsste man einfach mal ganz pragmatisch ein paar Gesetze aussetzen und sehen was passiert», sagte er unter dem Applaus der Delegierten.

Neben den Diskussionen und Regularien standen auch heuer Ehrungen auf dem Programm. So wurde Bäckermeister Peter Mück ausgezeichnet für 14 Jahre Vorstandsarbeit. Eine Auszeichnung erhielten auch die Bäckermeisterinnen Lea Wagner und Johanna Lenhardt. Die Unterfränkinnen hatten sich beim Finale der 5. Deutschen Meisterschaft der Bäckermeister als Beste durchgesetzt. Weiterhin war eine Nachwahl in den Vorstand nötig. Bäckermeister Georg Schneider aus Augsburg wurde von den Delegierten einstimmig als Nachfolger von Peter Mück gewählt. Der Verbandstag 2025 findet in der Domstadt Freising statt.