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Unser Heimatbäcker: stellt Weichen für die Zukunft

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Pasewalk. (uhh / eb) Die Signale aus dem Nordosten der Republik lassen sich unterschiedlicher kaum deuten. Im günstigsten Fall lautet die Nachricht: Um die Weichen für die Zukunft ordentlich stellen zu können, hat die Unternehmensgruppe Unser Heimatbäcker vor dem Amtsgericht Neubrandenburg Insolvenz in Eigenverwaltung angemeldet. Dem entsprechenden Antrag hat das Amtsgericht am 15. Januar 2019 zugestimmt. Mit dem Verfahren kann das Unternehmen unter dem seit Februar 2018 amtierenden Geschäftsführer Stefan Blaschak die momentane massive finanzielle Schieflage überwinden. «Durch das gesetzliche Verfahren erhalten wir sehr frühzeitig Unterstützung bei unserer Sanierung und bleiben – trotz des offiziellen Verfahrens – ein zuverlässiger und leistungsstarker Geschäftspartner», betont der erfahrene Sanierer.

Seine Meriten verdiente sich Blaschak von 2008 bis 2012 als Chief Executive des Getränkherstellers Berentzen und dessen erfolgreicher Restrukturierung. Bereits vor seinem Eintritt bei der Heimatbäcker Gruppe war er mit der Backbranche in Berührung gekommen: Wobei Blaschak der ehemaligen Kamps AG als Vorstand Retail 2005 nach nur einem Jahr wieder den Rücken gekehrt hatte. Welche dicken Brocken er in Pasewalk würde stemmen müssen, ahnte der Geschäftsleiter bei seinem Eintritt wohl selbst nicht.

Das bezieht sich nicht nur auf die übliche Gemengelage, die bei nahenden Insolvenzen für gewöhnlich nach außen dringt: «Wir können Ihnen bestätigen, dass die Darstellungen, insbesondere zu den staatsanwaltschaftlichen Ermittlungen gegen die frühere Geschäftsführung, korrekt sind», sagt eine Sprecherin der Unternehmensgruppe gegenüber dem WebBaecker und zielt damit auf die Ermittlungen der Staatsanwaltschaft Schwerin gegen das frühere Management wegen Untreue und dem Vorenthalten sowie dem Veruntreuen von Sozialversicherungsbeiträgen – hier nachzulesen unter der Überschrift «Stefan Blaschak räumt auf» vom 14. Dezember 2018. Zum Stand der Ermittlungen gibt es derzeit keinen neuen Kenntnisstand.

Strukturelle Defizite und unverantwortliches Handeln führten in die Krise

Der neue Geschäftsführer Blaschak nennt Defizite in der gesamten Wertschöpfungskette, vom Einkauf über die Produktion bis hin zur Warenauslieferung, die in der Summe zur jetzigen Situation führten. «Unser Heimatbäcker wurde durch Fehler und Handlungen in der Vergangenheit in eine schwierige Situation gebracht, die das Unternehmen erheblich geschädigt haben», begründet er die andauernde Schieflage.

Geschäftsführung weiter voll handlungsfähig

Die aktuelle Geschäftsführung bleibt jedoch voll handlungsfähig und ist wohl durch das Insolvenzgericht durch den Sanierungsexperten Dr. Jan Markus Plathner (Brinkmann + Partner) erweitert worden. Der sagt: «Unser Heimatbäcker wird sich nun darauf konzentrieren, die begonnene Sanierung fortzusetzen und das Unternehmen fit für die Zukunft zu machen. Dazu gehören die Weiterentwicklung des Filialkonzepts und des Produktsortiments sowie intensive Gespräche mit möglichen Investoren und strategischen Partnern.» Stefan Blaschak fügt hinzu: «Wir vertrauen darauf, dass uns unsere Lieferanten, Mitarbeiter und Kunden in dieser schwierigen Phase die Treue halten.»

Keine direkten Auswirkungen auf die Mitarbeitenden und Kunden

Das Unternehmen mit Sitz in Pasewalk (Mecklenburg-Vorpommern) ist eine der größten Filialbäckereien Deutschlands, zählt rund 2.700 Beschäftigte und betreibt rund 400 Filialen in Mecklenburg-Vorpommern, Berlin, Brandenburg und Schleswig-Holstein. Für die Kunden in den unter der Marke «Lila Bäcker» geführten Filialen und Verkaufsstellen geht der Verkauf regulär weiter. Auf die Beschäftigungsverhältnisse der Mitarbeitenden hat der Antrag auf ein gerichtliches Eigenverwaltungsverfahren zunächst keine Auswirkungen, da sämtliche Gehälter bis Ende Februar 2019 durch dieses Verfahren gesichert sind (Foto: pixabay.com).


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