Mittwoch, 28. Februar 2024

EU-Parlament für Abschaffung der Nährwertprofile

Meschede. (pl) Das Europäische Parlament hat sich vergangene Woche mit großer Mehrheit dafür ausgesprochen, die viel diskutierten Nährwertprofile abzuschaffen und damit auch in Zukunft eine Regulierung, zum Beispiel des Salzgehaltes im Brot, auf europäischer Ebene zu verhindern.

Bereits seit 2006 existiert eine Verordnung über nährwertbezogene Angaben (vgl. Verordnung (EG) Nr. 1924/2006). Auf dieser Basis hat die Europäische Kommission geplant, den Salz-, Zucker- und Fettgehalt von bestimmten Lebensmitteln zu regulieren. Dies hätte dann Konsequenzen für die Werbung dieser Produkte. Insbesondere in Deutschland war dieses Konzept kritisiert worden, da man die Auffassung vertrat, dass diese Fragen die Europäische Kommission nichts angehen. Seitdem schlummert das Konzept in den Schubladen der Europäischen Kommission.

Die Abgeordneten fordern nun, es endgültig zu begraben. «Lebensmittel nach dubiosen Kriterien pauschal in ‘gut’ oder ‘schlecht’ zu unterteilen funktioniert nicht. Betrachtet werden muss die Gesamternährung. Schließlich ernährt sich niemand ausschließlich von einem Produkt», sagt der Europaabgeordnete Dr. Peter Liese in einer Presseaussendung. Das spreche jedoch keineswegs gegen eine ausführliche Information über ein Lebensmittel, sagt der Arzt und gesundheitspolitische Sprecher der EVP-Christdemokraten im Europäischen Parlament und Träger der Ehrennadel des Deutschen Bäckerhandwerks.

«Eine gute Information für den Verbraucher ist wichtig, so dass dieser eine bewusste und objektive Entscheidung über seine Ernährung treffen kann. Daher haben wir vor wenigen Jahren die Lebensmittel- Informations- Verordnung beschlossen, die jetzt schrittweise in Kraft tritt. Ab Dezember diesen Jahres wird zum Beispiel die Nährwertkennzeichnung auf Lebensmitteln endgültig verpflichtend. Ob ein Lebensmittel einen hohen Salz, Fett, oder Zuckergehalt hat, kann der Verbraucher künftig auf einen Blick erkennen und somit eine bewusste Kaufentscheidung treffen», sagt Liese abschließend.

Nachtrag zum Stichwort Salz: Hypertonie ist eine volkswirtschaftlich bedeutende Krankheit, die Jahr für Jahr Kosten von vielen Milliarden Euro verursacht. Herz-Kreislauf- Erkrankungen nehmen mit Blick auf direkte und indirekte Krankheitskosten seit Jahren eine Spitzenstellung ein, schreiben das Robert Koch Institut und das Statistische Bundesamt in der «Gesundheitsberichterstattung des Bundes – Heft 43 – Hypertonie» (PDF). Wie Lebensmittel- Produzenten ihren Beitrag zur Bluthochdruck-Vorsorge leisten können, beschreibt die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) in einer Stellungnahme unter dem Titel «Speisesalzzufuhr in Deutschland, gesundheitliche Folgen und resultierende Handlungsempfehlung». Brot kann demnach den größten Beitrag zur Salzreduktion leisten.

Nachtrag zur Verordnung (EG) Nr. 1924/2006: Eine «Beerdigung dritter Klasse» sei das gewesen, als die Abgeordneten des Europäischen Parlaments gegen eine Verordnung gestimmt haben, die einst angelegt war, die Menschen zu schützen. Ohne Debatte, ohne Aussprache, mit 402 zu 285 Stimmen, schreibt die Süddeutsche Zeitung. Im Kern geht es in dieser Verordnung darum, wie ungesund ein Lebensmittel sein darf, wenn es von der Ernährungsindustrie als gesund deklariert wird. Auf die Betonung kommt es an: Die Organisationen des Verbraucherschutzes hatten immer eher komplexe Lebensmittel der Industrie im Blick, als dass sie sich mit den gewünschten Nährwertprofilen gegen Bäckerbrot hätten wenden wollen.

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