Montag, 26. Februar 2024

Gut ein Viertel aller Obst- und Gemüseimporte kam 2022 aus Spanien

Wiesbaden. (destatis) Ob Orangen, Wassermelonen, Gurken, Paprika oder Kopfsalat: Was für viele fast wie selbstverständlich im Supermarktregal liegt, kommt zu einem Großteil aus Südeuropa. Doch der Gemüsegarten Europas, wie Spanien und besonders die dortigen Anbaugebiete in Andalusien auch genannt werden, ist immer häufiger von Extremwetter wie Dürre oder Starkregen betroffen. Gut ein Viertel (26 Prozent) seiner Obst- und Gemüseimporte im Jahr 2022 bezog Deutschland aus Spanien. Rund 1,6 Millionen Tonnen Obst und 1,3 Millionen Tonnen Gemüse wurden letztes Jahr von dort importiert, wie das Statistische Bundesamt (Destatis) mitteilt.

Der zweitwichtigste Lieferant hinter Spanien waren die Niederlande: 16 Prozent der deutschen Obst- und Gemüseimporte kamen 2022 von dort (0,3 Millionen Tonnen Obst, 1,5 Millionen Tonnen Gemüse), gefolgt von Italien mit gut 9 Prozent (0,7 Millionen Tonnen Obst, 0,3 Millionen Tonnen Gemüse). Insgesamt importierte Deutschland 2022 gut 6,2 Millionen Tonnen Obst und knapp 4,9 Millionen Tonnen Gemüse.

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Importüberschuss bei Obst deutlich höher als bei Gemüse

Bei einer Gemüseausfuhr von gut 2,8 Millionen Tonnen wurden somit im Jahr 2022 gut 2,0 Millionen Tonnen mehr Gemüse importiert als exportiert. Bestimmender Faktor ist neben regionalen Produktionsbedingungen in den Erzeugerländern und heimischen Erntemengen auch die preisbedingte Nachfrage. Beim Obst fällt der Importüberschuss deutlich höher aus als beim Gemüse, da viele Obstarten aufgrund des Klimas nicht in Deutschland erzeugt werden können. 2022 wurden 5,4 Millionen Tonnen mehr Obst importiert als exportiert (0,8 Millionen Tonnen).

Spanien bei vielen Obst- und Gemüsearten 2022 mit Abstand wichtigstes Herkunftsland

Bei einzelnen Obst- und Gemüsearten zeigt sich die Abhängigkeit von Importen aus Spanien besonders deutlich: Von dort kamen 2022 rund 350’700 Tonnen oder 79 Prozent aller importierten Orangen, bei Wassermelonen und Melonen waren es 52 Prozent (285’300 Tonnen). Auch bei Gurken (43 Prozent, 233’100 Tonnen), Paprika (50 Prozent, 200’000 Tonnen), Salaten (50 Prozent, 134’400 Tonnen) und Speisezwiebeln (46 Prozent, 95’100 Tonnen) war Spanien das wichtigste Herkunftsland.

Importe von Paprika aus Spanien um ein Vielfaches höher als heimische Erntemengen

Allerdings zeigen sich Unterschiede zwischen den einzelnen Obst- und Gemüsearten beim Verhältnis der Importmengen zu den Erntemengen hierzulande. Während Deutschland zum Beispiel bei Paprika stark auf Importe setzen muss, werden Speisezwiebeln in größerer Menge hierzulande geerntet als eingeführt. Zum Vergleich: Im Jahr 2022 wurden in Deutschland 578’200 Tonnen Speisezwiebeln geerntet und insgesamt 207’200 Tonnen importiert. Gleichzeitig wurden nur rund 16’900 Tonnen Paprika geerntet, die hierzulande praktisch nur in Gewächshäusern und anderen hohen begehbaren Schutzabdeckungen erzeugt werden. Insgesamt importiert wurden 403’600 Tonnen Paprika.

Der wichtigste Lieferant war Spanien für Deutschland 2022 etwa auch bei Pfirsichen und Nektarinen mit 67 Prozent aller Importe sowie bei Zitronen (72 Prozent), Zucchini (68 Prozent) und Auberginen (50 Prozent).

Aus Italien kamen 2022 rund 40 Prozent aller importierten Speiseäpfel

Neben Spanien sind auch Teile Italiens immer wieder von Wassermangel und Dürre betroffen. Auch wenn Italien 2022 für Deutschland der drittgrößte Lieferant von Obst und Gemüse war, fällt die Abhängigkeit hier deutlich geringer aus. Einerseits kamen etwa 177’500 Tonnen und damit 40 Prozent aller importierten Speiseäpfel im letzten Jahr aus Italien. Andererseits ist der Apfel in Deutschland das am meisten geerntete Obst: 2022 betrug die Erntemenge hierzulande knapp 1,1 Millionen Tonnen, wovon 72 Prozent auf Tafeläpfel entfielen.

Vergleichsweise groß ist der Anteil der deutschen Importe aus Italien auch bei frischen Tafel- und Weintrauben (33 Prozent aller Importe) sowie bei Aprikosen (41 Prozent), Kiwis (43 Prozent), frischem Gartenspinat (53 Prozent), Brokkoli (76 Prozent) und Fenchel (87 Prozent).

Äpfel, Karotten, Speisezwiebeln, Weißkohl kamen 2022 meistens aus heimischer Ernte

Obst und Gemüse wird nicht nur aus dem Ausland importiert, ein Teil stammt auch aus heimischer Produktion. Hierzulande haben Landwirtschaftsbetriebe im Jahr 2022 insgesamt 3,8 Millionen Tonnen Gemüse geerntet. Damit fiel die Gemüseernte 2022 rund 12 Prozent geringer aus als im Rekordjahr 2021. Die Gemüseart mit der größten Erntemenge in Deutschland waren wie in den Vorjahren Möhren und Karotten (780’500 Tonnen), gefolgt von Speisezwiebeln (578’200 Tonnen) und Weißkohl (384’700 Tonnen).

Neben Gemüse wurden 2022 hierzulande 1,4 Millionen Tonnen Obst inklusive Strauch- und Erdbeeren geerntet – 77 Prozent davon waren Äpfel (Ernte-Grafik: Destatis – Klima-Grafik: EU Umweltagentur 2018).

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