Mittwoch, 28. Februar 2024

BDSI: blickt auf ein schwieriges Jahr 2023 zurück

Bonn. (bdsi) Der Bundesverband der Deutschen Süßwarenindustrie (BDSI) blickt auf ein schwieriges Jahr 2023 zurück. Ein inflationsbedingtes Umsatzplus verdeckt den Blick auf den abstiegsbedrohten Wirtschaftsstandort Deutschland und Kostenexplosionen für die heimischen Unternehmen. Im Jahr 2023 erlebten die mehr als 200 Unternehmen der deutschen Süßwarenindustrie ein weiteres herausforderndes Jahr mit drastischen Kostensteigerungen bei Rohstoffen, Personal, Logistik und Verpackung und einer Flut an neuen bürokratischen Anforderungen, die den Unternehmen zunehmend die Luft abschnüren.

«Die Wettbewerbsfähigkeit des Standortes Deutschland muss wieder in den Vordergrund rücken. Im europäischen Vergleich haben wir die höchsten Steuern und Abgaben, die höchsten Löhne und leider auch eine marode Infrastruktur. Wir haben vieles, was uns als Wirtschaftsstandort nicht nur schlecht dastehen lässt, sondern mittlerweile auch auf die Füße fällt. Wir als mittelständische Branche fordern deshalb, dass sich die Bundesregierung und auch die Europäische Union den großen und existenziellen Herausforderungen annimmt, statt den Unternehmen immer noch mehr Bürokratie aufzuhalsen. Wir benötigen dringend Lösungen für eine wettbewerbsfähige Energieversorgung, politische Lösungen zur Bekämpfung des fortschreitenden Arbeitskräftemangels und eine funktionierende Infrastruktur im Bereich Verkehr und Digitalisierung. Falls die Bundesregierung nicht zügig das Ruder herumreißt, droht eine Marktbereinigung zulasten kleinerer und mittelständischer Unternehmen und ein deutlicher Anstieg der Verlagerung von Produktionsschritten ins EU-Ausland», erläutert der BDSI-Vorsitzende Bastian Fassin. Auch 2024 erwartet die deutsche Süßwarenindustrie kein ruhiges Jahr, denn besonders bei den Kakao- und Zuckerpreisen ist keine Entspannung zu erkennen. Auch der Klimawandel bereitet der Branche Sorge, weil es weltweit immer mehr Extremwetterlagen gibt. So wird man sich in Zukunft zum Beispiel mehr mit der Verfügbarkeit von Kakao oder anderen Zutaten beschäftigen müssen.

Massiv gestiegene Kosten machen schwer zu schaffen

Die enorme Kostenbelastung wird für die Unternehmen der deutschen Süßwarenindustrie immer mehr zu einer Standortentscheidung oder gar einer Existenzfrage. Dabei wirken sich besonders, aber nicht nur, die in 2023 stark gestiegenen Energie-, Logistik- und Rohstoffkosten aus, sondern auch Standort-bedingte Belastungen, die in Deutschland schon langfristig überdurchschnittlich hoch sind. Hierzu zählen etwa die Arbeitskosten, Steuern und Abgaben, die Dauer von Genehmigungsverfahren, der schleppende Breitbandausbau und Bürokratiebelastungen. Auch die Kosten für Verpackung und die CO2-Bepreisung steigen 2024 erheblich. Hinzu kommen die Unsicherheiten bei der Rohstoffbeschaffung, verbunden mit weiteren massiven Kostensteigerungen 2023 auf den Rohstoffmärkten, etwa für EU-Zucker (+72 Prozent), Kakaobutter (+52 Prozent), Kakao (+43 Prozent) und Stärke (+42 Prozent).

Konjunkturentwicklung der deutschen Süßwarenindustrie 2023

Inlandsangebot leicht rückläufig: Das wichtige Inlandsangebot (= Produktion + Einfuhr – Ausfuhr) entwickelte sich 2023 rückläufig und lag mengenmäßig bei knapp 2,6 Millionen Tonnen (-0,3 Prozent), der Inlandsumsatz stieg auf geschätzt 9,9 Milliarden Euro (+11,9 Prozent). Nach Schätzungen des BDSI stieg die Produktion insgesamt der in Deutschland hergestellten Süßwaren und Knabberartikel 2023 auf 4,3 Millionen Tonnen (+2,2 Prozent). Wertmäßig entwickelte sich die Produktion mit rund 16,1 Milliarden Euro ebenfalls positiv (+13,3 Prozent). Den Schätzungen des BDSI liegen die amtlichen Zahlen des Statistischen Bundesamts und die Marktdaten der einschlägigen Marktforschungsinstitute zugrunde.

Exportgeschäft mit Süßwaren erstmals seit Jahren leicht gesunken: Es bleibt aber dennoch ein wichtiges Standbein der Branche. Auch das für die deutsche Süßwarenindustrie so wichtige Exportgeschäft mit Süßwaren und Knabberartikeln sank 2023 leicht. Insgesamt wurden etwa 2,5 Millionen Tonnen Süßwaren und Knabberartikel exportiert. Dies bedeutet gegenüber dem Vorjahr einen leichten Rückgang von -1 Prozent. Der Exportumsatz stieg 2023 um +14,2 Prozent auf rund 12,2 Milliarden Euro. Angesichts des rückläufigen Inlandsmarktes und der hohen Konzentration im deutschen Lebensmitteleinzelhandel kommt gerade dem Export von Süßwaren eine wachsende Bedeutung für das wirtschaftliche Überleben der Unternehmen und den Erhalt der einzigartigen mittelständischen Struktur zu. Mit einem wertmäßigen Anteil von über 60 Prozent trägt besonders der Export zur Wertschöpfung in den Unternehmen bei.

Arbeitskräftemangel wird zur Gefahr für den Standort

Der dramatische Mangel an Arbeitskräften und Auszubildenden verschärft sich auch in der mittelständisch geprägten deutschen Süßwarenindustrie mit über 200 Unternehmen und rund 60.000 Beschäftigten immer weiter. Die Branche begrüßt deshalb, dass die Bundesregierung neue Regelungen für die Einwanderung von Arbeitskräften auf den Weg bringen will. Doch dieses muss den von den Unternehmen benötigten Bedarf an Arbeitskräften berücksichtigen, zügig kommen und unbürokratisch ausgestaltet werden. Die deutsche Süßwarenindustrie benötigt nicht nur Fachkräfte aus dem Ausland, sondern dringend besonders Arbeitskräfte für einfache Produktionstätigkeiten.

Leckere Produkte für die kleinen Freuden im Alltag

Die in Deutschland produzierten Süßwaren und Knabberartikel sind weltweit beliebt – für die kleinen Freuden im Alltag. Die Süßwarenindustrie gehört zu den besonders innovativen Branchen und wird auch in diesem Jahr eine große Vielzahl von Produktneuheiten auf der Internationalen Süßwarenmesse ISM in Köln vorstellen – wie Produkte mit Pflanzenproteinen (vegan), mit natürlichen Zutaten wie Nüssen, Hafer, Urgetreide, Sonnenblumen- oder Kürbiskernen oder auch mit getrockneten Beeren. Im Trend liegen auch Süßwaren und Knabberartikel als Snack unterwegs, häufig angeboten in wiederverschließbaren oder einzeln portionierten Verpackungen. Nachhaltigkeit und Gesundheit gehören zu den gesellschaftlichen Megatrends. Dabei möchten Verbraucherinnen und Verbraucher aber nicht verzichten, sondern bewusst genießen. Passgenaue Produkte für individuelle Geschmäcker und Bedürfnisse bleiben im Süßwarenmarkt wichtig. Hierzu gehören auch zuckerfreie/zuckerreduzierte respektive fettfreie oder fett-/salzreduzierte Süßwaren und Knabberartikel, sowie Produkte in Bioqualität oder mit nachhaltig angebauten Rohstoffen. Den Verbraucher steht eine große Vielzahl an Süßwaren und Knabberartikeln zur Auswahl, so dass sie für ihren individuellen Wünschen ein sehr breites Angebot an unterschiedlichen Produkten vorfinden.

Entwicklung bei den einzelnen Produktgruppen

Schokoladewaren: Die mengenmäßige Produktion von Schokoladewaren entwickelte sich nach Schätzungen des BDSI im Jahr 2023 positiv. Insgesamt wurden in Deutschland zirka 1,2 Millionen Tonnen Schokoladewaren produziert (+2,3 Prozent). Der Produktionswert stieg um etwa +11,3 Prozent auf rund 6,9 Milliarden Euro. Der Export von Schokoladewaren entwickelte sich 2023 in der Menge (+2,5 Prozent), wie auch im Wert positiv (+13,7 Prozent).

Feine Backwaren: Die Hersteller von Feinen Backwaren verzeichneten 2023 einen leichten Zuwachs. In der Menge stieg die Produktion von Feinen Backwaren auf Basis der Schätzungen des BDSI um +0,6 Prozent. Insgesamt wurden etwa 760.000 Tonnen Feine Backwaren produziert. Wertmäßig stieg die Produktion um +17,9 Prozent auf rund 2,8 Milliarden Euro. Auch die Exporte verzeichneten 2023 bei den Feinen Backwaren einen Anstieg von +2,1 Prozent in der Menge. Der Exportwert stieg um +20,7 Prozent.

Bonbons und Zuckerwaren: Die Hersteller von Zuckerwaren sahen 2023 eine positive Entwicklung. Die mengenmäßige Produktion stieg um schätzungsweise 3,7 Prozent auf 674.000 t, im Wert um +15,8 Prozent auf zirka 2,2 Milliarden Euro. Die Entwicklung der Exporte war 2023 bei den Bonbons und Zuckerwaren mit -2,0 Prozent in der Menge rückläufig. Der Exportwert hingegen stieg 2023 um +15,5 Prozent.

Knabberartikel: Die Hersteller von Knabberartikeln verzeichneten 2023 leichte Rückgänge. Die Produktionsmenge sank nach Schätzungen des BDSI um -1,5 Prozent auf rund 360.000 Tonnen. Im Wert stieg die Produktion um +11,8 Prozent auf etwa 2,0 Milliarden Euro. Die Exporte entwickelten sich 2023 bei den Knabberartikeln negativ, sie sanken gegenüber dem Vorjahr um -13,5 Prozent in der Menge. Der Exportwert stieg hingegen um +2,4 Prozent (Foto: pixabay.com).

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