Mittwoch, 14. April 2021

«Zukunft braucht Handwerk!» war großer Erfolg

Barsinghausen. (db) «Zukunft braucht Handwerk», so lautete das Motto der Tagung, zu der Die Freien Bäcker Anfang Februar nach Ebnisee im Schwäbischen Wald eingeladen hatte. Wo kommt unser Handwerk her? In welchem Zustand und Umfeld befindet es sich aktuell? Was davon wollen wir in eine Zukunft weiter tragen und was neu entwickeln? Dies waren nur einige der Fragen, die der Verein im Verlauf der Tagung gemeinsam mit seinen Teilnehmern diskutierte. An dem spannenden Zukunftsdiskurs nahmen 60 Teilnehmende und Diskussionspartner/innen aus Handwerk und Landwirtschaft teil.

Zum Auftakt der Tagung zeigte der Regisseur Valentin Thurn seinen Dokumentarfilm «10 Milliarden – wie werden wir alle satt?». In seinem Film geht der Regisseur der Frage nach, wer uns im Jahr 2050 ernähren wird. Den offiziellen Teil der Tagung eröffnete die Philosophin und Ökonomin Christine Ax mit der Frage, warum Handwerk strukturell nachhaltig ist. Aus ihrem Vortrag und der Film-Diskussion ergaben sich zwei Forderungen: Zum einen muss die Preisgestaltung, die ökologische und soziale Wahrheit widerspiegeln, zum anderen ist zukünftig eine sozialökologische Form der Besteuerung umzusetzen. «Eine solche Neugestaltung des Steuersystems, bei der menschliche Arbeit entlastet und Energie, Rohstoffe und Kapital stärker belastet werden, ist ein relevanter Schritt für den notwendigen Wandel des Ernährungssystems», sagt Ax. Das Ziel dabei ist, die bäuerlich-nachhaltige Landwirtschaft, das Lebensmittel-Handwerk sowie faire, regionale Handelsstrukturen zu stärken.

In der anschließenden Gesprächsrunde mit Ursula Hudson (Vorsitzende von Slow Food Deutschland), Valentin Thurn, Christine Ax, Anke Kähler (Vorsitzende Die Freien Bäcker) und den Tagungsteilnehmenden, stellte Hudson eine wichtige Frage. Wie können – bei direktem Rohwarenbezug von landwirtschaftlichen Betrieben oder kleineren, regionalen Mühlen – sensorische Schwankungen bei Brot und Gebäck, die sich nicht durch umfassendes Know-how ausgleichen lassen, als handwerkliches Qualitätsmerkmal kommuniziert werden? Ein weiteres Thema war, dass der Begriff und das Bild vom Handwerk nicht geschützt sind und nach wie vor für die Bewerbung von industriell hergestellten Produkten verwendet werden. Einen Ausblick auf eine der folgenden Arbeitsgruppen warf die Diskussion über die Ursachen der steigenden Zahl an bürokratischen Regulierungen und Markthemmnissen, die es handwerklichen Herstellern immer schwerer macht, sich am Markt zu behaupten. «Den Benachteiligungen des Handwerks entgegenzuwirken, aber auch herauszustellen, dass gerade die Handwerksbetriebe – mit ihrer Kreativität und ihrer Nähe zur Landwirtschaft sowie zu den VerbraucherInnen – wichtige Impulsgeber für Innovationen und Wege zu einer nachhaltigen Ökonomie sind, hat der Verein Die Freien Bäcker auf seine Agenda gesetzt», sagt Anke Kähler.

Im Anschluss an die Gesprächsrunden konnten die Teilnehmer in Arbeitsgruppen individuell auf die einzelnen Themen eingehen und diese gemeinsam ausarbeiten:

Das Bäckerhandwerk neu erfinden – neue Wege und Konzepte

Die Teilnehmer dieser Arbeitsgruppe resümierten, dass die neuen wie auch die zum Teil schon seit mehreren Generationen bestehenden Bäckereibetriebe durch einen handwerklichen Ehrenkodex verbunden sind. Zu diesem Kodex zählen: die Übereinstimmung von Schein und Sein (Authentizität), Wahrhaftigkeit, Zuverlässigkeit, die Hingabe zum Handwerk, sowie die Qualität der eigenen Arbeit immer wieder auf den Prüfstand zu stellen. Geleitet wurde die Arbeitsgruppe von Sebastian Däuwel (Die Brotpuristen aus Speyer) und Nico Scheller (BrotZeit aus Grünwald bei München), die unter anderem ihre Betriebskonzepte vorstellten.

Hemmnisse beim Auf- und Ausbau nachhaltiger Wertschöpfungsketten

Im Fokus dieser Gruppe mit Herbert Völkle (Geschäftsführer der Getreidezüchtung Peter Kunz aus der Schweiz), Mareike Artlich (Junge Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft – JAbL) und Christian Lecht (Bäckermeister und Mitglied des Die Freien Bäcker aus Hannover) stand, dass der fachliche Austausch zwischen Züchtern, Bauern, Müllern und Bäckern intensiviert werden muss. Dabei geht es vor allem um die gegenseitige Vermittlung der Qualitätsaspekte und Anforderungen der einzelnen Stufen. Des Weiteren soll zukünftig der Verbraucher als Dialogpartner stärker einbezogen werden.

Hürden + Bürden des Handwerks

Die dritte Arbeitsgruppe beschäftigte sich mit der strukturellen und ökonomischen Benachteiligung des Handwerks. Die Teilnehmenden waren sich einig, dass dem dringend ein Ende gesetzt werden muss. Die Anwesenden forderten von den Verantwortlichen im Bund sowie in der EU einen deutlichen Abbau der Regulierungen und Markthemmnissen für kleine und mittlere Handwerksbetriebe sowie die Stärkung des Prinzips Eigenverantwortung.

Das Handwerk stärken

In der «Fishbowl»-Diskussion am Ende der Tagung trugen die Tagungsteilnehmenden konkrete Vorschläge zusammen, wie sich eigeninitiativ ihr Handwerk und ihre Wertschöpfungsketten stärken lassen: «Die klar formulierten Aufträge werden in die Arbeit des Vereins Die Freien Bäcker einfließen. Wir werden uns weiterhin dafür einsetzen, dass der gesellschaftlichen Bedeutung des Handwerks für eine Ernährungswende Rechnung getragen wird», versichert Anke Kähler.

Last but not least: Information zur Vorstandswahl

Bei der Mitgliederversammlung des Vereins Die Freien Bäcker Anfang Februar 2017 wurde die Vorstandsspitze im Amt bestätigt. Wiederwahl als erste Vorsitzende Anke Kähler (1. Vorstand), André Heuck (2. Vorstand), Cord Buck (Hannover), Jürgen Fink (Steinau an der Straße), Jörg Meffert (Lemgo). Als neues Vorstandsmitglied wurde Bäckermeister Johannes Dackweiler (Düsseldorf) in den Vorstand gewählt.