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Wie geht es der Stadtbäckerei Münster?

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Münster / Westfalen. (eb) Manchmal muss man einen klaren Schnitt wagen, um einen traditionsreichen Namen am Markt erhalten zu können. Das exerziert gerade Cornelia Böckmann durch, seit 2016 Geschäftsführerin der Stadtbäckerei Münster Limberg GmbH aus dem Westfälischen.

Seit 2010 konnte man ahnen, dass die 1746 in Warendorf gegründete Bäckerei nicht mehr so recht wusste, wohin. Zwar lasen wir einerseits von Limbergs gastronomischer Seite, von qualitativ anspruchsvollen Produkten und Konzepten für die insgesamt 28 Filialen. Andererseits spürte die Stadtbäckerei, damals noch Bioland- Vertragsbäckerei und zertifizierter SlowBaking- Betrieb, längst die Konkurrenz im Nacken. Es dauerte nicht lange, und «Josef», Limbergs gastronomische Seite, war Geschichte.

Vielleicht spürten die achte und neunte Generation Limberg damals schon deutlich, dass ihre Ambitionen nicht mehr so recht mit dem übereinstimmte, was der Markt hergab und -gibt. es folgte eine interne unternehmerische Auseinandersetzung, die schließlich zum Verkauf führte.

Von der Öffentlichkeit fast unbemerkt übergaben Limbergs ihr Lebenswerk an Cornelia Böckmann und Michael Meyer aus Osnabrück. Die Übergabe erfolgte sukzessive, wobei die Lebenspartner Böckmann und Meyer zunächst rund 60 Prozent der Stadtbäckerei erwarben und Cornelia Böckmann am 08. Juni 2016 die Geschäftsführung übernahm. Anfang 2018 kauften die beiden Gesellschafter die restlichen Anteile am Traditionsbetrieb mit gut 20 Filialen und rund 250 Beschäftigten.

Sicher stünden hier und da Modernisierungen an, doch im Kern gebe es keine großen Umwälzungen, ließen die neuen Eigentümer verlauten. Insgesamt sei die Führung einer großen Bäckerei eine Herausforderung in einem anspruchsvollen Umfeld, erklärte Cornelia Böckmann der Tagespresse wiederholt. Die Produktionsstätte war/ist von den Alteigentümern nur gemietet. Glücklicherweise, könnte man sagen. Denn wie sich herausstellte und Zug um Zug an die Öffentlichkeit drang, ist die Backstube der Stadtbäckerei Münster Limberg GmbH schlicht veraltet. Um den Investitionsstau aufzulösen, müsste man mehrere Millionen Euro in die Hand nehmen. Auch mit 270 Jahren Tradition im Rücken ist das ein schwer beherrschbares Risiko.

Eine Aufgabe, die Cornelia Böckmann löst, in dem sie jetzt einen klaren Schnitt macht. Bis Ende Juni soll die Produktion der Stadtbäckerei Münster eingestellt werden. Die 27 Mitarbeitenden aus der Backstube werden angesichts des Fachkräftemangels andernorts sicher schnell wieder Anschluss finden. Mit der Herstellung von Backwaren – auch nach eigenen Rezepten – beauftragt das Unternehmen künftig Essmann’s Backstube GmbH in Altenberge. Ziel der partnerschaftlichen Zusammenarbeit ist, die Stadtbäckerei Limberg wirtschaftlich zu stabilisieren, den unternehmerischen Fokus zu 100 Prozent auf den Backwarenverkauf und die Filialen zu legen und so die Zukunft der Bäckerei langfristig zu sichern.

Die wäre dann freilich keine Bäckerei mehr im klassischen Sinn. Doch was tut man nicht alles, um ein gut eingeführtes Filialnetz – aktuell 20 Standorte – und die Arbeitsplätze von etwa 150 Mitarbeitenden im Verkauf zu sichern. «Mit Essmann’s Backstube haben wir einen Partner gefunden, der viel Wert auf Qualität und Handwerk legt, was uns im Sinne unserer Kunden ganz besonders wichtig ist», betont Böckmann auf ihrer Homepage. Essmann’s Backstube produziert Backwaren seit 1845 und ist mit 62 eigenen Filialen im Münsterland vertreten (Foto: pixabay.com).