Freitag, 3. Dezember 2021

WHO: 30 Gramm Ballaststoffe pro Kopf und Tag sind das Ziel

Bonn. (bzfe) Ballaststoffe stehen aktuell im Fokus und auf dem Arbeitsplan der WHO Weltgesundheitsorganisation, weiß das Bundeszentrum für Ernährung (BZfE) aus Bonn. Das berichtete auch Ernährungsmediziner Francesco Branca, Director of the Department of Nutrition and Food Safety in der WHO, als globale Perspektive beim virtuellen Vollkorn-Gipfel der Internationalen Gesellschaft für Getreidewissenschaft (ICC) Ende Oktober 2021. Er informierte über aktuelle Forschungsergebnisse zur Rolle von Ballaststoffen («Dietary Fiber») in einer alltäglich gesunden Ernährung, die als Grundlage für ein Update der WHO-Empfehlungen dienen sollen. Denn nach Brancas Worten sei es ein Anliegen der WHO, in Lebensmittel-bezogenen Leitlinien nicht nur Obergrenzen für gesundheitlich negativ zu bewertende Zutaten wie Zucker oder Salz festzulegen, sondern zukünftig auch weltweite Konsumempfehlungen für gesundheitsförderliche Lebensmittel-Inhaltsstoffe auszusprechen – wie zum Beispiel für Ballaststoffe.

Das weltweite Defizit beim Verzehr ballaststoffreicher Lebensmittel führt zu gesundheitlichen Risiken für die Bevölkerung. Neben Herzkreislauferkrankungen und Typ-2-Diabetes ist eine zu geringe Ballaststoffzufuhr insbesondere für Dickdarmkrebs ein entscheidender Risikofaktor mit starker Evidenz. Bedarfsgerecht wäre demzufolge für Erwachsene eine Ballaststoffzufuhr von täglich mindestens 25 bis 29 Gramm, wobei Dosis-bezogene Untersuchungsdaten darauf hinweisen, dass 30 Gramm und mehr gesundheitlich noch zusätzliche Nutzeffekte bringen. Da es für jüngere Bevölkerungsgruppen keine entgegenstehenden Befunde gibt, können diese Empfehlungen auch für Jugendliche und Kinder ab neun Jahren gelten. Je nach nationaler respektive individueller Ausgangslage erscheint daher aus WHO-Sicht eine Erhöhung der Ballaststoffzufuhr um fünf bis zehn Gramm pro Tag vorteilhaft. «Vollkorngetreide kann gemeinsam mit Früchten und Gemüsen eine maßgebliche Rolle zur Erhöhung des Ballaststoffverzehrs spielen», sagte Branca.

Was die Produktveredelung von Vollkornerzeugnissen betreffe, gebe es zwar bislang nur spärliche Daten, deren Evidenz aber dennoch recht überzeugend sei, meinte Branca in seinem Vortrag, den Dr. Heiko Zentgraf für das BZfE mit verfolgt hat: Beim Verzehr von Getreideprodukten könne ein hoher Verarbeitungsgrad zur Minderung verschiedener Biomarker führen, die im Stoffwechsel kardiovaskulärer Erkrankungen wichtig sind. Und bis belastbare wissenschaftliche Erkenntnisse vorliegen sei es bei Ernährungsratschlägen angemessen, die Vorteile der natürlich vorkommenden Ballaststoffe von minimal verarbeitetem Vollkorngetreide, Gemüse und Obst herauszustellen.

Das von der WHO international angestrebte Ballaststoffziel von 30 Gramm je Tag deckt sich mit den für Deutschland herausgegebenen Empfehlungen des Bundeszentrums für Ernährung (BZfE) und der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE) (Foto: pixabay.com).