Samstag, 15. Juni 2024

Weltweit: Lebensmittel-Sektor zunehmend «Bio»

Nürnberg. (nm) Rund um den Globus ist das Interesse an biologisch produzierten Lebensmitteln ungebrochen. Der Markt entwickelt sich in den meisten der westlichen Industriestaaten durchweg positiv. Ein immer größeres Angebot an Bio-Lebensmitteln, neue Vertriebskanäle sowie eine gute Kundenbindung führen zu nachhaltigen Umsatzzuwächsen. Für zahlreiche Länder, darunter Deutschland, Dänemark und die USA, zeichnet sich bereits im Herbst 2014 für das Gesamtjahr wieder ein Plus von fünf bis zehn Prozent ab.

Dr. Helga Willer vom Forschungsinstitut für biologischen Landbau (FibL), Frick (CH), stellt fest: «Die großen Märkte wachsen alle, manche sogar zweistellig». Besonders erfreulich sei, dass es in Großbritannien zum ersten Mal seit vier Jahren wieder ein Plus zu verbuchen gab. Die gesamte Branche trifft sich einmal jährlich zu ihrem Veranstaltungs-Highlight, der BioFach, Weltleitmesse für Bio-Lebensmittel, im Messezentrum Nürnberg. Vom 11. bis 14. Februar 2015 werden dort rund 2.200 Aussteller erwartet – 200 davon auf der Vivaness, Internationale Fachmesse für Naturkosmetik.

Europa ist auch 2013 der Kontinent mit dem größten Bio-Flächenwachstum. In der EU werden zehn Millionen Hektar Fläche ökologisch bewirtschaftet. Dort liegt damit der Bio-Anteil an der gesamten Landwirtschaftsfläche bei 5,6 Prozent. Estland, Italien, Lettland, Liechtenstein, Österreich, Schweden, die Schweiz und Tschechien verfügen über einen Bio-Anteil von mehr als zehn Prozent an ihrer jeweiligen Agrarfläche, EU-Spitzenreiter ist nach wie vor Österreich mit annähernd 20 Prozent.

Sehr gut entwickelt sich international nach wie vor der Fachhandel. Dieser ist schon lange nicht nur mit Naturkost-Geschäften, sondern auch mit großflächigen Bio-Supermärkten vor allem in Deutschland, Frankreich, Italien, aber auch den USA präsent und ein wichtiger Treiber der Gesamtentwicklung. Die Zahl der Bio-Fachmärkte (ab 200 Quadratmeter) sowie der Bio-Supermärkte (ab 400 Quadratmeter) wächst kontinuierlich und dürfte etwa in Deutschland dieses Jahr die Schwelle von 800 übersprungen haben. Zu Jahresende 2013 waren es rund 780.

Deutschland stellt größten Bio-Markt in Europa
Deutschlands Umsatz mit Bio-Lebensmitteln in allen Vertriebskanälen, von der Hof-Vermarktung über den Discounter bis hin zum Supermarkt, stieg 2013 von 7,04 auf rund 7,55 Milliarden Euro und verzeichnet ein Plus von 7,2 Prozent, sagt der Bund Ökologische Lebensmittelwirtschaft (BÖLW) in Berlin. Mit dem Marktwachstum konnte allerdings die Fläche nicht mithalten. Diese nahm lediglich von 1,03 auf 1,06 Millionen Hektar zu (plus 2,5 Prozent). Der Anteil an der landwirtschaftlichen Nutzfläche betrug 6,3 Prozent. Mit 215.000 Hektar Bio-Fläche liegt Bayern an der Spitze der Bundesländer. Jeder fünfte Bio-Hektar Deutschlands befindet sich demnach im südlichsten Bundesland, gefolgt von Brandenburg mit 136.000 Hektar und Mecklenburg-Vorpommern mit 125.000 Hektar.

Der Bundesverband Naturkost Naturwaren (BNN), Berlin (D), hat die Umsatzzahlen der am BNN Monitor teilnehmenden Naturkost-Großhändler für das erste Halbjahr 2014 ausgewertet. Mit einer Gesamtsteigerung von 8,9 Prozent wächst der Umsatz weiterhin deutlich. Grundlage der Berechnungen sind 18 Unternehmen, die für rund 75 Prozent des Marktvolumens im Naturkost- Fachhandel stehen und eine aussagefähige Basis für die Abschätzung des Gesamtmarkts für Naturkost und Naturwaren bilden. Den Trend zu einem beinahe zweistelligen Ergebnis bestätigt das Umsatzbarometer für den Naturkost-Einzelhandel der Unternehmensberatung von Klaus Braun, Speyer (D). Diese kommt in ihrer Analyse der Daten von rund 300 Fachgeschäften im ersten Halbjahr 2014 auf 8,2 Prozent Umsatzsteigerung. 2013 lag dieser Wert im Naturkost- Einzelhandel bei 5,8 Prozent.

Niederlande springen über die Ein-Milliarden-Schwelle
Beste Aussichten für Bio auch im Land des Jahres der BioFach 2015: Dort ist der Umsatz mit Bio-Lebensmitteln nach Schätzungen des Dachverbands Bionext, Zeist (NL), im Jahr 2013 auf 1,07 Milliarden EUR gestiegen. Der Zuwachs dürfte bei sechs bis acht Prozent im Bio-Sektor allgemein sowie bei neun Prozent im Naturkost- Fachhandel gelegen haben, laut Bavo van den Idsert, Direktor, Bionext. Über die konventionellen Supermarktketten wurden im Jahr zuvor bereits 55 Prozent des Umsatzes erzielt, 30 Prozent über den Fachhandel, acht Prozent über die Außer-Haus-Verpflegung und sieben Prozent in den sonstigen Verkaufskanälen wie Wochenmärkten, Hofverkäufen oder Internetverkauf.

Frankreich sagt Bienvenue zu Bio
Frankreich durfte sich 2013 über einen satten Zuwachs von neun Prozent bei der ökologisch bewirtschafteten Fläche freuen. Diese stieg einschließlich der 130.000 Hektar Umstellungsfläche auf 1,06 Millionen Hektar und lag damit auf exakt gleicher Höhe wie in Deutschland. Die Zahl der Landwirte wuchs auf 25.500, die der Hersteller und Händler auf 12.400. Bis Mai 2014 hatte die Zahl der Bio-Landwirte bereits um weitere 1.000 zugenommen, die Fläche war auf über 1,1 Millionen Hektar gestiegen.

Aber nicht nur die bio-bewirtschafteten Felder, Gemüseäcker und Wiesen sind um neun Prozent gewachsen, sondern auch der Umsatz. Dieser stieg auf 4,56 Milliarden EUR. Diese Zahl schließt die 172 Millionen EUR Umsatz in der Außer-Haus-Verpflegung mit ein. In den fünf Jahren zwischen 2007 und 2012 hat sich das Marktvolumen somit verdoppelt. Der Marktanteil von Bio am gesamten Lebensmittelmarkt liegt indes erst bei 2,5 Prozent. Die Ursache hierfür dürfte darin zu finden sein, dass die Zuwachsraten in den Jahren nach der Jahrtausendwende eher gering waren. Im Vergleich dazu liegt der Marktanteil in den USA und Deutschland bei rund vier Prozent. Zu den Produktgruppen, bei denen die Franzosen Bio besonders schätzen, zählen Eier und Milch, wo bereits 15 Prozent beziehungsweise elf Prozent des Umsatzes in Öko-Qualität erzielt werden.

Italien legt bei Fläche und Umsatz zu
Die Zahl aller landwirtschaftlichen Bio-Betriebe sowie der Verarbeiter und Händler in der Bio-Branche stieg 2013 um 5,4 Prozent auf 52.383 (SINAB, Bio-Agrardaten des italienischen Landwirtschaftsministeriums, Rom, IT). Die Zahl der Bio-Höfe nahm um 3,4 Prozent zu, die der Verarbeiter und Händler im Bio-Sektor wuchs um zehn Prozent. Die landwirtschaftliche Bio-Fläche stieg um gut 12,8 Prozent und erreichte 1,3 Millionen Hektar. Dies entspricht einem Bio-Anteil an der gesamten landwirtschaftlichen Nutzfläche von über zehn Prozent. In den Regionen Süditaliens (Sizilien, Kalabrien, Apulien) wächst der Bio-Anbau dank neuer Regionalförderprogramme besonders schnell. Diese stehen für 50 Prozent der Bio-Betriebe. Der Norden Italiens ist dafür traditionell stärker in Herstellung und Handel. In der Lombardei, Emilia-Romagna sowie der Region um Venedig sind 2.023 Weiterverarbeiter von Bio-Lebensmitteln und damit 33 Prozent aller derartigen Unternehmen Italiens, angesiedelt. Auch die deutlich steigende Nachfrage beflügelt den Markt. Nach Angaben des Verbraucherpanels Ismea GFK-Eurisko, Roma (IT), sind die Umsätze in den ersten fünf Monaten 2014 um 17 Prozent gestiegen.

Schweden: Bio boomt
Mit 30 Prozent Zuwachs im ersten Halbjahr 2014 dürfte Schweden in diesem Jahr besonders punkten. Einige Supermarktketten wie ICA (plus 52 Prozent), Coop (plus 37 Prozent) und Axfood (plus 44 Prozent) lagen sogar über diesen Werten. Im vergangenen Jahr erreichte der Zuwachs nach Ermittlungen von Ekoweb 13 Prozent. In absoluten Zahlen betrug der Umsatz 2013 umgerechnet rund 1,3 Milliarden Euro.

Großbritannien: Leichtes Wachstum im Bio-Sektor
Erstmalig seit dem Ausbruch der Finanzkrise im Jahr 2008 konnte die Bio-Branche Großbritanniens 2013 wieder ein leichtes Wachstum verzeichnen. Der Markt legte um 2,8 Prozent zu. Dies gab die Soil Association, Bristol (GB), in ihrem aktuellen Marktbericht, dem Organic Market Report 2014, bekannt. Die Bio-Branche in Großbritannien setzte im vergangenen Jahr 2,16 Milliarden Euro um. Diese positive Entwicklung ist unter anderem auf den unabhängigen Einzelhandel zurückzuführen, zu dem Lieferkisten im Abo-Service, unabhängige Onlineplattformen, Ab-Hof-Verkäufe, Naturkostläden und Wochenmärkte zählen.

USA: Erfreulicher Umsatzsprung um 11,5 Prozent
Beste Aussichten für Bio auch in Übersee: Von 31,5 Milliarden auf 35,1 Milliarden US-Dollar stieg 2013 der Branchenumsatz in den USA, das entspricht 11,5 Prozent. Fünf Jahre konnte eine solch hohe Zuwachsrate nicht mehr erzielt werden, sagt die Organic Trade Association (OTA), Brattleboro VT (USA). 92 Prozent der Verkaufserlöse (32,3 Milliarden US-Dollar) wurden mit Bio-Lebensmitteln, der Rest mit Non-Food-Artikeln erzielt. Die Daten basieren auf Angaben von über 200 im Bio-Sektor führenden Unternehmen, die vom Nutrition Business Journal, Boulder CO (USA), evaluiert wurden. 760 Milliarden US-Dollar gaben die US-Bürger 2013 für Lebensmittel aus, vier Prozent davon entfallen auf Bio-Produkte. Bei einzelnen Warengruppen wie Obst und Gemüse, ist bereits jeder zehnte hierfür ausgegebene Dollar ein «Bio-Dollar».