Freitag, 9. Dezember 2022

Bremerhaven. (vgag / eb) Maschinen und Anlagen müssen ausgelastet werden. In diesem Sinn kommen die Dramen um Absatzmärkte manchmal so beiläufig daher, dass man Mühe hat sie zu registrieren. Jedenfalls scheinen die Zeiten vorerst vorbei zu sein, in denen sich die klassischen Weizenbrötchen aus Mettingen wohltuend von anderen Großbäckereien abhoben – indem sie nicht verramscht wurden. Legt man die 450-Gramm-Packung zugrunde (neun Brötchen), dann liegt die Schwankungsbreite aktuell bei 21,00 bis 24,33 Cent je Wassergebäck. Eine Lebensmittelkette setzt noch eins drauf, indem sie die «Goldstücke» gerade für 12,33 Cent im Angebot hat – die 450-Gramm-Packung vorausgesetzt.

Seitdem das Angebot in Bremerhaven-Mitte um einen Tiefkühl-Lebensmittelhändler erweitert ist, tun sich ganz neue Perspektiven auf. Der hat übrigens auch gerade klassische Weizenbrötchen aus Mettingen im Angebot, wenn auch «nur» 25 Stück für 3,33 Euro (13,32 Cent je Brötchen). Weitaus interessanter ist das Angebot des Tiefkühlhändlers mit Blick auf Produktentwicklungen und damit verbundenen «Rennern» wie «Pennern». Die Meldung, dass ein bundesdeutscher Pizzabäcker nicht mehr nur Pizza backen, sondern auch Speiseeis herstellen will, hat es nie in den WebBaecker oder ins backnetz:eu geschafft. Uninteressant – bis zu diesem Herbst, in dem der erwähnte TK-Lebensmittelhändler plötzlich das hochgelobte Speiseeis verramschte – 500 Milliliter für zuletzt 50 Cent je Becher. Doch auch anderes Markeneis etablierter Hersteller ist dort zu finden, von dem anzunehmen ist, dass es die Konsumenten kaum ansprach im arrivierten LEH – 900 Milliliter statt 3,49 Euro für schlappe 99 Cent. Manchmal kann man nur mit dem Kopf schütteln, denn beim angebotenen Sortiment handelt es sich weit überwiegend nicht um zu kurz gekommene Ersatzprodukte, sondern um qualitativ hochwertige Markenprodukte bekannter Hersteller.

Auch veganes Lifestyle-Food sollte gut schmecken

Pizza gibt es dort übrigens auch in allen Varianten. Ebenfalls keine zu kurz gekommenen Substitute, sondern Markenprodukte. Doch weil die Erzeugnisse nicht einzeln in Hochglanzkartons verpackt sind, sondern nur in Klarsichtfolie eingeschweißt, kostet die Pizza statt 2,49 Euro nur 1,49 Euro. Praktisch für Konsumenten, die nicht anhand eines Kartons raten wollen sondern gleich sehen, was sie kaufen oder nicht. Eine Ausnahme bildet die Pizza Tricolore und die Pizza Spinaci der Veganz Group AG. Der Abgabepreis für die beiden Sorten liegt im arrivierten Lebensmittelhandel bei 3,92 Euro bis 4,29 Euro je Stück. Beim erwähnten Tiefkühlhändler in Bremerhaven gehen beide Sorten für je 1,99 Euro über die Theke – und gehören dennoch zu den wenigen Artikeln, die sich im Abverkauf sehr schwer tun. Das liegt nicht daran, dass Bremerhaven-Mitte kein Lifestyle-Food mögen würde. Doch die Produkte schmecken gewöhnungsbedürftig. Bei einer Blindverkostung wäre das Lifestyle-Food der sichere Kandidat, der als zu kurz gekommenes Ersatzprodukt durchfallen würde. Schwer vorstellbar, dass es der Veganz AG 2020 gerade hiermit – nach eigenen Angaben – gelang, die Marktposition deutlich auszubauen: «Mit den Pizzas Tricolore und Spinaci hat Veganz inzwischen die Marktführerschaft im Bereich Tiefkühl-Pizzen unter den veganen Herstellermarken erreicht», ließ die Gruppe im November 2020 wissen. 2022 wäre möglicherweise hinzuzufügen, dass das Attribut «vegan» heute alleine nicht mehr reicht, sondern dass Konsumenten einen runden und harmonischen Geschmack voraussetzen dürfen.

Geschäftstätigkeit der Veganz AG in den ersten neun Monaten 2022

Woher die vielen Pizzas kommen, die in Bremerhaven wie Beton in den Tiefkühltruhen liegen, lässt der Geschäftsbericht der Veganz Group AG für die ersten neun Monate dieses Jahrs (9M-2022) ahnen, in dem es einleitend heißt: «Der einzige Multikategorie-Anbieter für vegane Lebensmittel in Europa hatte auch im dritten Quartal 2022 mit der anhaltenden Konjunkturschwäche zu kämpfen. Nachdem in den ersten Monaten des Jahres der Fokus des Lebensmittel-Einzelhandels sowie des Discountbereichs auf der Sicherstellung der Grundversorgung der Bevölkerung lag, war zuletzt vor allem die junge Kernzielgruppe (die Generation Z und die Millennials+) angesichts ihres geringeren Einkommens stark von den Preisanstiegen belastet. Insgesamt erschwerte diese Entwicklung die Neulistung von Veganz-Produkten sowie die Umsetzung von Aktionsmaßnahmen im Discountbereich in den ersten neun Monaten 2022. Besonders aufgrund des ausbleibenden Aktionsgeschäfts sowie der zunehmenden Kaufzurückhaltung der Konsumenten lag der Umsatz der Veganz-Gruppe mit 18,7 Millionen Euro in den ersten neun Monaten 2022 unter dem Vorjahreswert (Vorjahr: 24,5 Millionen Euro). Entsprechend sank auch der Umsatz auf Einzelgesellschaftsebene der Veganz Group AG auf 17,1 Millionen Euro (Vorjahr: 22,6 Millionen Euro). Die Anzahl der Verkaufsstellen («Points of Sale», POS) zum 30. September 2022 ging auf 23.367 zurück (31. Dezember 2021: 25.199 POS), wobei der Rückgang im Discountbereich um 2.452 POS aufgrund des fehlenden Aktionsgeschäfts von der gestiegenen Anzahl der POS im Basisgeschäft teils kompensiert werden konnte. Im Vorjahresvergleich hat die wachsende Anzahl der Verkaufsstellen im Basisgeschäft den Rückgang im Discountbereich um 1.272 POS überkompensiert (Vorjahr: 23.139).»

Fehlendes Discountgeschäft, weiteres Wachstum im Food Service

«In den ersten neun Monaten 2022 machte der Lebensmittel-Einzelhandel mit 67 Prozent (Vorjahr: 62 Prozent) weiterhin den größten Anteil vom Umsatz aus, das Drogeriegeschäft lag mit 25 Prozent (Vorjahr: 24 Prozent) an zweiter Stelle. Mit einem Umsatzanteil von 7 Prozent (Vorjahr: – Prozent) zeigte der Vertriebskanal Food Service erfreuliches Wachstum – in einer Zeit, in der viele Sportveranstaltungen und Betriebsrestaurants aufgrund der andauernden Covid-19-Pandemie weiterhin oder erneut mit begrenzten Teilnehmerzahlen und Einschränkungen zu kämpfen hatten und haben. Neben der Kooperation mit der deutschen Fluglinie Eurowings seit Mai 2022, arbeitet Veganz seit Juni 2022 zudem mit der Foodvenience-Anbieterin Valora zusammen, die eine Auswahl von Veganz-Snacks in Deutschland und der Schweiz an Kiosken und Tankstellen bereitstellt. Zusätzlich zu dem bereits bestehenden Vertrag mit der Bakerman GmbH hat das Unternehmen mit dem neu abgeschlossenen Markenlizenzvertrag mit der Hack AG die Produktkategorie vegane Backwaren – wie pflanzenbasierte Kuchen, Torten, Muffins und Donuts, die sodann auch im Lebensmittel-Einzelhandel und im Food Service angeboten werden – weiter ausgebaut.»

Fokus auf Deutschland und Europa

«Mit einem Umsatzanteil von 91 Prozent war die Region D-A-CH auch in den ersten neun Monaten 2022 der wichtigste Absatzmarkt (Vorjahr: 92 Prozent). Dabei blieb Deutschland mit 82 Prozent der größte Einzelmarkt, auf dem nach wie vor der stärkste Fokus liegt (Vorjahr: 79 Prozent). Mit neun Prozent lag der Umsatzanteil im sonstigen Europa leicht über Vorjahresniveau (Vorjahr: sieben Prozent), ein Bereich in dem Veganz weiteres Potenzial sieht: Nach den Listungen unter anderem bei den Supermarktketten AB Basilopoulos, Market In, Sklavenitis und Krhtikos in Griechenland hat das Unternehmen zunächst Frankreich zu einem weiteren Zielmarkt erklärt. Hier hat das Unternehmen im dritten Quartal 2022 bereits die Testaktionen mit Aldi Frankreich durchgeführt und arbeitet am weiteren Ausbau des Vertriebs.»

Fazit

Gegründet 2011 in Berlin, hat die heutige Veganz AG eine einzigartige Entwicklung durchlaufen. So erfolgreich die Gruppe ist, bleibt zu wünschen, dass die Qualitätssicherung die sich wandelnden Ansprüche der Konsumenten im Blick behält. Dass das Attribut «vegan» allein nicht mehr reicht, sondern Konsumenten durchaus einen runden und harmonischen Geschmack erwarten dürfen, ist kein vereinzeltes Phänomen, sondern gilt heute als Grundvoraussetzung für langfristigen Erfolg (Foto: usp).

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