Dienstag, 27. Februar 2024
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VDM: Getreidetagung diskutierte aktuelle Herausforderungen

Berlin. (vdm) Klimawandel, Ernährungsdebatte, Gentechnik oder Glyphosat: Egal um welche Herausforderung es geht, erfolgreich agieren wird die Agrar- und Ernährungswirtschaft nur dann, wenn sie an einem Strang zieht und mit einer Stimme spricht, da waren sich Referenten und Teilnehmer der Getreidetagung des Verbands Deutscher Mühlen (VDM) Anfang Juli in Freising einig. Der Bayerische Staatsminister Helmut Brunner machte in seiner Rede deutlich, dass sich Herausforderungen nur durch gemeinsame Anstrengung gepaart mit einem hohen Maß an Eigenverantwortung lösen lassen. Der BVA-Präsident Konrad Weiterer betonte: «Ohne Landwirte funktioniert kein Konzept in Sachen Qualität». Das meint auch DBV-Vize und Landwirt Wolfgang Vogel. Sein Weg zu mehr Wertschätzung und Wertschöpfung liegt im Vertragsanbau mit engen Absprachen zwischen Landwirten, Müllern und Bäckern, gerade im Hinblick auf die erwarteten Folgen der Düngeverordnung.

Gut 60 Tagungsteilnehmer waren gespannt, wie Staatsminister Helmut Brunner die künftigen Herausforderungen im Getreideland Bayern sieht. Trotz bevorstehender Düngeverordnung, die noch für Ende dieses Jahres erwartet wird, gibt sich der Minister optimistisch: «Wir gehen davon aus, dass unter unseren Bedingungen der Qualitätsweizenanbau weiterhin möglich sein wird».

Er betonte aber auch, dass «man nicht länger in einzelnen Marktstufen – sozusagen jeder für sich – denken kann, wenn man wirklich erfolgreich sein möchte. Herausragende Leistungen sind nur dort möglich, wo die gesamte Produktionskette ausgehend von einer starken Basis aufeinander aufbaut und Bestes aus Gutem herstellt». Verschiedene Maßnahmen zu Qualität und Sicherheit, wie das Fusarien-Monitoring, oder das Siegel «Geprüfte Qualität Bayern» stärkten die Erzeugerpositionen im Markt. Um neuen Herausforderungen im Qualitätsweizenanbau adäquat begegnen zu können, setzt Bayern zum Beispiel auf die Sortenforschung der Bayerischen Landesanstalt für Landwirtschaft.

Konrad Weiterer, Landhändler aus Niedersachsen, teilte die Einschätzung von Minister Brunner nicht. Aus seiner Sicht wird die Novellierung der Düngeverordnung gravierende Auswirkungen auf die Qualitätsweizenproduktion in Deutschland haben. «Wir Händler sind auf einen funktionierenden Export angewiesen und hier wird weiter nur nach Protein gefragt. Sollte sich die Situation in den nächsten Wochen in Frankreich weiter verschlechtern, werden wir früh in den Export von Weizen einsteigen», sagte Weiterer. Dies könnte zur Marktentlastung beitragen. Sorgen bereiteten ihm die sich abzeichnende Fallzahlproblematik – sowohl beim Weizen als auch beim Roggen. Für eine Aussage zur Belastungen mit Mykotoxinen in der Ernte 2016 sei es noch zu früh. Dennoch gelte es in diesem Jahr, besonders wachsam zu sein. Abschließend betonte er die wichtige Rolle der Landwirte ohne die in Zukunft kein Konzept mehr in Sachen Qualität und Wertschöpfung funktionieren werde.

Wie Qualität trotz Düngeverordnung gehen kann, stellte der neu gewählte Vizepräsident des Bauernverbands und Ackerbauer Wolfgang Vogel vor. Er geht davon aus, dass die Landwirte in Deutschland weiter Qualitätsweizen anbauen können und werden. Möglichkeiten biete zum Beispiel die Aufnahme des Anbaus stickstoffbindender Leguminosen in die Fruchtfolge. Er sieht in der verstärkten Zusammenarbeit innerhalb der Getreidekette und in der Intensivierung des Vertragsanbaus einen guten Weg zu mehr Wertschöpfung. Dazu gehöre eine für «beide Seiten transparente Gestaltung der Bedingungen». Damit Vertragsbeziehungen dauerhaft funktionierten, sei eine gute Kommunikation zwischen Anbauern und Verarbeitern unerlässlich. Dabei sollte klar sein, dass beide Parteien an einem Strick ziehen, um das gemeinsame Ziel, nämlich gute Absatzmöglichkeiten zu erreichen. In Sachen Proteingehalt fordert er konkrete Gespräche zwischen Züchtern, Landwirten, Müllern und Bäckern über Sorteneigenschaften, Getreide- und Mehlqualitäten: Müller und Bäcker müssen ihre Anforderungen präzise benennen.

Stefan Blum, Vorsitzender des Verbands Bayerischer Handelsmühlen, eröffnete die Getreidetagung in Weihenstephan mit einer Forderung. Blum beschäftigt derzeit die Frage, wie man den Gesundheitsaposteln den Wind aus den Segeln nehmen kann: «Rund ein Prozent der Bevölkerung leidet an Zöliakie aber 90 Prozent der Bevölkerung sind verunsichert, ob sie Gluten noch essen sollen», sagte Blum in seinem Vortrag. Dabei ist es gerade der Weizen, der die Ernährung der wachsenden Weltbevölkerung mit hohen Erträgen und sehr guten Verarbeitungseigenschaften erst möglich gemacht hat. «Hier besteht dringender wissenschaftlicher Klärungsbedarf, damit die Getreidewirtschaft der Bevölkerung die Ängste nehmen kann», stellt der engagierte Müller und Bäcker fest (Foto: pixabay.com).

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