Samstag, 1. Oktober 2022

VDG: Liefer- und Filialbäckereien fordern Soforthilfe

Düsseldorf. (vdg) Der Verband Deutscher Großbäckereien (VDG) fordert angesichts der explodierenden Energiepreise eine Soforthilfe, damit eine Versorgungskrise vermieden werden kann. «In Corona-Lockdown-Zeiten entschieden die Landesregierungen auch für Einzelbäckereien, Filial- und Lieferbäckereien, dass diese für die Infrastruktur systemrelevant sind. Auch im Lockdown bekam deshalb unverzichtbares Personal Hilfen, zum Beispiel Notfallbetreuung in Kitas und Schulen. Die Backstuben und die gesamte Versorgungskette blieben in Betrieb und die Bevölkerung wurde mit dem Grundnahrungsmittel Brot versorgt», betont VDG-Verbandspräsidentin Prof. Dr. Ulrike Detmers. Sie versteht überhaupt nicht, warum es wegen der aktuellen Krise durch die extreme Energiekostenbelastung nicht finanzielle Soforthilfe für Bäckereibetriebe gibt. Als existenzbedrohend sieht der Verband:

  • die drohende Verzehnfachung der Energiekosten, die nicht über Preiserhöhungen an die Verbraucher und Verbraucherinnen weitergegeben werden können,
  • sowie die drohenden Verluste, die wirtschaftlich gesunde Betriebe zur Schließung zwingen könnten.

Schlimmstenfalls würde dann eine Versorgungslücke bei Brot und Backwaren drohen.

Detmers: «Um eine Versorgungskrise zu vermeiden, senden wir SOS an die Politik. Für Einzel-, Filial- und Lieferbäckereien gibt es bereits die Bedrohungen durch Personalnot, vakante Leitungspositionen und Preiserhöhungen in 2022 gegenüber 2021. Während Preissteigerungen bei Zutaten, Verpackungen, Logistik und so weiter durch moderate Preishöhungen bei Brot und Gebäck weitergegeben werden konnten, sind explodierende Energiekosten nicht mehr über weitere Preiserhöhungen zu decken.»

Sie fordert deshalb folgende politische Sofortmaßnahmen:

  1. Unbürokratische Liquiditätshilfen aus dem Topf der EEG-Milliarden. 17,4 Milliarden Euro liegen aktuell auf dem Konto zur Förderung der erneuerbaren Energien. Ein Teil davon sollte verwendet werden, um bei existentiell bedrohten Grundversorgern wie Bäckereien die Zahlungsfähigkeit zu erhalten und Pleiten zu vermeiden.
  2. Ein einfaches Antragsverfahren bei KfW-Krediten mit günstigen Zinsen und mehrjähriger Tilgungsfreiheit.
  3. Das Energiekostendämpfungsprogramm mit Zuschüssen für Erdgas und Strom sollte verlängert werden. Die Beantragung und der Nachweis sollten möglichst einfach sein und auch von Klein- und Mittelstandsbetrieben bearbeitet werden können.

Den Klein- und Mittelstandsbetrieben müsse umgehend politisch die Angst vor der Insolvenz genommen werden. Fehlende Arbeitskräfte, Personallücken bei der Betriebsnachfolge, hybride Arbeitsformen und so weiter brächten das Leistungsvermögen bei kleinen und mittleren Betrieben schon heute an die Grenzen menschlicher Leistungsfähigkeit. Jetzt müsse Ruhe her, damit wieder Hoffnung aufkeimt, sagt Detmers.

Ergänzung (Anm.d.Red.): Zwar ist sich die Politik seit letzter Woche einig darüber, dass der Rettungsschirm des Energiekostendämpfungsprogramms (EKDP) erweitert werden soll, um besonders den Mittelstand stärker zu stützen. Ein belastbarer Zeitplan steht damit aber noch nicht fest (Foto: pixabay.com).

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