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Vapiano SE: Restaurantkette sucht frischen Schwung

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Köln. (vao) Die finanziell angeschlagene Casual-Dining-Kette Vapiano SE tut sich schwer, wieder Tritt zu fassen. Das geht aus dem Geschäftsbericht für das erste Halbjahr 2019 hervor. Aufgeregte Schlagzeilen wie «Vapiano schreibt tiefrote Zahlen» oder «Restaurantkette hat fast kein Eigenkapital mehr» können sich versierte Leser (m/w/d) schenken. Der finanzielle Hintergrund ist zunächst einmal egal. Wichtig ist das Konzept, mit dem die Kette aus der Krise kommen will – die Dynamik, mit der Vapiano das Desaster einzudämmen und zu beherrschen versucht. Allerdings macht die Kette im erwähnten Bericht eher den Eindruck, als sei ihr der Faden abhanden gekommen – der Zeitgeist über sie hinweg gezogen.

Vapiano steht vor der schwierigen Aufgabe, den schicken Namen mit neuem Leben zu erfüllen. Oder wie es die neue Chief Executive Vanessa Hall formuliert: «Unsere Halbjahreszahlen bestätigen uns darin, zügig unsere Gästeloyalität zu verbessern und unsere Like-for-Like Umsätze zu steigern. Die Zeit, die in die Umstrukturierung des Unternehmens investiert wurde, sowie die damit verbundenen Kosten haben die Gesellschaft von ihren wesentlichen Aufgaben abgelenkt». Richtig. Und nachdem sich Vorgänger Cornelius Everke kurzfristig entschlossen hatte, die Kette «aus persönlichen Gründen» mitten in der Krise zu verlassen, ist es nun an Vanessa Hall, die Kohlen aus dem Feuer zu holen und eine neue Dynamik zu entfachen.

So lange die noch nicht gefunden ist, werden sich die Finanzberichte lesen lassen wie das lustlose Herunterbeten diverser Kennzahlen – aktuell für das erste Halbjahr 2019 mit Ausblick auf das gesamte Jahr 2019 wie folgt:

Der Konzernumsatz (Corporate und konsolidierte Joint Venture Restaurants) im ersten Halbjahr 2019 stieg um 12,3 Prozent auf 196,6 Millionen Euro im Vergleich zum Vorjahreszeitraum (H1/2018: 175,1 Millionen Euro). Das Umsatzplus resultiert vor allem aus den in der zweiten Jahreshälfte 2018 und der ersten Jahreshälfte 2019 neu eröffneten Restaurants sowie den Mehrheitsübernahmen im Jahr 2018 (Australien und Darmstadt). Besonders die Segmente Rest of Europe (plus 15,2 Prozent) und Rest of World (plus 53,4 Prozent) entwickelten sich positiv. Das Segment Germany zeigte ein leichtes Plus von 1,1 Prozent. Auf vergleichbarer Fläche verringerte sich der Umsatz jedoch um 3,2 Prozent, bedingt durch rückläufige Gästezahlen. Der flächenbereinigte Umsatzrückgang in den Segmenten Germany (minus 3,4 Prozent) und Rest of Europe (minus 3,6 Prozent) konnten durch die Steigerung im Segment Rest of World (plus 0,5 Prozent) nur teilweise kompensiert werden.

Das bereinigte Ebitda[1] lag im Berichtszeitraum unter Berücksichtigung der nach IFRS 16 geänderten Bilanzierungsvorschriften bei 28,5 Millionen Euro, die bereinigte Ebitda-Marge bei 14,5 Prozent. Vor IFRS 16 verringerten sich das bereinigte Ebitda im ersten Halbjahr 2019 von 14,0 Millionen Euro auf 7,6 Millionen Euro und die bereinigte Ebitda-Marge von 8,0 Prozent auf 3,9 Prozent. Im zweiten Quartal 2019 wurde ein bereinigtes Ebitda vor IFRS 16 von 4,4 Millionen Euro erzielt. Damit konnte annährend das Ergebnis des Vorjahres (Q2/2018: 4,7 Millionen Euro) erreicht werden. Somit ergab sich der Rückgang für das erste Halbjahr 2019 gegenüber dem Vorjahr besonders aus den Ergebnissen im ersten Quartal 2019. Das berichtete Ebitda und die berichtete Ebitda-Marge lagen im ersten Halbjahr 2019 nach IFRS 16 bei 22,8 Millionen Euro respektive 11,6 Prozent. Vor IFRS 16 verringerten sich das berichtete Ebitda von 8,4 Millionen Euro auf 1,9 Millionen Euro und die berichtete Ebitda-Marge von 4,8 Prozent auf 1,0 Prozent.

Das bereinigte Periodenergebnis[2] im ersten Halbjahr 2019 beträgt minus 18,0 Millionen Euro (H1/2019 vor IFRS 16: minus 13,7 Millionen Euro, H1/2018: minus 8,1 Millionen Euro). Im bereinigten Periodenergebnis wurden Einmaleffekte unter anderem für die Restrukturierung in Höhe von 5,8 Millionen Euro sowie außerordentliche Abschreibungen in Höhe von 8,4 Millionen Euro bereinigt. Das berichtete Periodenergebnis betrug minus 34,3 Millionen Euro (H1/2019 vor IFRS 16: minus 29,1 Millionen Euro, H1/2018: minus 17,9 Millionen Euro).

Das Eigenkapital verminderte sich im ersten Halbjahr im Wesentlichen durch das negative Periodenergebnis von 46,9 Millionen Euro auf 11,9 Millionen Euro (darin enthalten ein einmaliger IFRS 16 Effekt von 5,2 Millionen Euro). Die Konzerneigenkapitalquote hat sich von 13,3 Prozent zum 31. Dezember 2018 auf 5,0 Prozent (vor Berücksichtigung der Effekte aus IFRS 16) respektive 2,0 Prozent (inklusive der Effekte aus IFRS 16) verringert. Die Nettofinanzverschuldung zum 30. Juni 2019 erhöhte sich auf 470,0 Millionen Euro. Ohne Berücksichtigung von nach IFRS 16 angesetzten Leasingverbindlichkeiten belief sich die Nettofinanzverschuldung auf 199,8 Millionen Euro, was im Vergleich zum 31. Dezember 2018 einem Anstieg um 15,0 Prozent entspricht (31. Dezember 2018: 173,7 Millionen Euro).

Der Cashflow aus der operativen Geschäftstätigkeit vor Steuern und Zinsen erreichte im ersten Halbjahr 24,2 Millionen Euro (vor IFRS 16: 3,2 Millionen Euro, H1/2018: 7,4 Millionen Euro). Der Mittelabfluss aus Investitionstätigkeit reduzierte sich deutlich auf minus 21,7 Millionen Euro (H1/2018: minus 33,9 Millionen Euro) und reflektiert das weitere, aber verlangsamte Wachstum von Vapiano. Den Eröffnungen von fünf Corporate respektive Joint Venture Restaurants sowie zwei durch Franchisenehmer betriebener Restaurants stand die Schließung von insgesamt drei Restaurantstandorten gegenüber (zwei Corporate respektive Joint Venture Restaurants und ein Franchise Restaurant). Vapiano ist derzeit mit 235 Restaurants in 33 Ländern vertreten.

Für das Geschäftsjahr 2019 rechnet der Vorstand unverändert mit einem Konzernumsatz zwischen 390 bis 420 Millionen Euro sowie einer weiterhin rückläufigen Entwicklung des flächenbereinigten Umsatzes (minus 2 Prozent bis minus 4 Prozent). Das bereinigte Ebitda (vor IFRS 16) wird in Höhe von 20 Millionen bis 25 Millionen Euro erwartet.

Vapiano SE will Break-Even bis 2021 erreichen

Vanessa Hall, CEO der Vapiano SE: «Unsere Halbjahreszahlen bestätigen uns darin, zügig unsere Gästeloyalität zu verbessern und unsere Like-for-Like Umsätze zu steigern. Die Zeit, die in die Umstrukturierung des Unternehmens investiert wurde, sowie die damit verbundenen Kosten haben die Gesellschaft von ihren wesentlichen Aufgaben abgelenkt. In meiner neuen Funktion als Vorstandsvorsitzende liegt mein Fokus auf dem Wiederaufbau der Vapiano Erfolgskultur, die dazu beiträgt, unsere Zukunftsstrategie umzusetzen; langfristige Profitabilität, Konzentration auf europäische Kernmärkte und unsere Franchising-Strategie. So erwarten wir, einen positiven Free Cashflow ab 2020 und den Break-Even bis 2021 zu erreichen.»

[1] Bereinigt um Vorlaufkosten für Restauranteröffnungen sowie sonstige Einmaleffekte, z.B. aus Aufwendungen für Vorperioden und Restrukturierung. Das bereinigte Ebitda ist die für Vapiano als Wachstumsunternehmen wichtigste Kennzahl der operativen Ergebnisleistung, da die Bereinigungen die Transparenz erhöhen und zudem die Vergleichbarkeit der Zahlen im Zeitverlauf erhöhen.

[2] Bereinigt um die in der Überleitung auf das bereinigte Ebitda beschriebenen Effekte, Abschreibungen auf zurückerworbene Franchiserechte und damit verbundene latente Steuererträge, Sonderabschreibungen sowie im Finanzergebnis erfasste Effekte aus der Neubewertung von zum beizulegenden Zeitwert bewerteten Abfindungsverbindlichkeiten gegenüber nicht beherrschenden Anteilseignern (Foto: pixabay.com).