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Valora Holding: »Ditsch« auf dem Weg zur Weltmarke

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Muttenz / CH. (eb) Als die eidgenössische Valora Holding im September 2012 die bundesdeutsche Ditsch Gruppe übernahm, war schnell klar, dass beide gut zusammenpassen und Erfolgsmeldungen produzieren würden. Valora war dabei, sich neu zu erfinden. Die Ditsch Gruppe hatte schon mehrfach davon gesprochen, expandieren zu wollen. Parallel lässt sich vielleicht noch vermuten, dass Peter Ditsch sein Erbe mit dem Verkauf in gute Hände abgeben wollte, die zudem den Markennamen und die «Wiege» (Mainz) pflegen. Stimmt die Vermutung, dann kann man nur bestätigen, dass dem Bäckereiunternehmer in dritter Generation die Zukunftssicherung perfekt gelungen ist.

Die Basis für stete Expansion mit geeignetem Hintergrund

Ein anderer Handlungsstrang zu jener Zeit: Ditsch beschränkte sich nicht mehr nur auf die Produktion am Hauptsitz Mainz, sondern war längst schon im Kreis Wittenberg aktiv. Von dort wissen wir seit Ende 2011, dass die bis dato sieben Produktionslinien in Oranienbaum, die im Drei-Schicht-System ohne Unterlass liefen und pro Woche rund sechs Millionen Laugengebäcke, Pizzas und Croissants erzeugten, nicht mehr ausreichten. Die achte Anlage, in die das Unternehmen zwischen acht und elf Millionen Euro investieren wollte, befand sich im Stadium der intensiven Vorplanung. Vielleicht wollte das bis dato familiengeführte Unternehmen die nötigen Investitionen für die Expansion allein stemmen. Vielleicht fügte es sich sowohl für die Brezelbäckerei Ditsch als auch die Valora Holding zum Besseren, als Peter Ditsch sein Unternehmen gegen ein Aktienpaket der Valora Holding AG im Wert von über 80 Millionen Euro verkaufte.

Parallel müssten wir eigentlich noch die Geschichte von Brezelkönig und BackWerk erzählen, beschränken uns aber auf den Hinweis, dass die Valora Holding im Januar 2017 auch den US-amerikanischen Pretzel Baron übernahm. Das ist insofern interessant, weil Valora damit das stark wachsende B2B-Geschäft mit einer eigenen Produktionsstätte in den USA ausbauen und die Marktstellung als einer der führenden Produzenten von Laugengebäck weiter stärken konnte. Bis dato war es nämlich so, dass die USA aus den bestehenden Produktionsbetrieben von Ditsch in Oranienbaum (DE) und Mainz (DE) beliefert wurden. Mit der Übernahme von Pretzel Baron konnte Valora nun direkt vor Ort in den USA produzieren und rückte mit seinen Produkten näher an seine Kunden und Vertriebspartner.

Fundament für internationales Wachstum

Wer nun denkt, dass es, wenigstens für einen Moment, Überkapazitäten gegeben haben könnte in der Erzeugung von Laugengebäcken, Pizzas und Croissants in Mainz und Oranienbaum, den belehrte die Valora Holding im März 2017 eines Besseren, als sie den Geschäftsbericht 2016 vorstellte und konstatierte: «Durch den Kauf des Unternehmens Pretzel Baron, einem jungen und aufstrebenden Laugengebäckproduzenten in Ohio, USA, hat Valora im Januar 2017 das Fundament gelegt für weiteres internationales Wachstum im Kerngeschäft und den Ausbau der Marktposition als einer der führenden Produzenten von Laugengebäck. Zusätzlich werden die Kapazitäten der Brezelbäckerei Ditsch in Deutschland durch den Austausch einer Produktionslinie erweitert.»

Dieser Absatz begegnete uns mehrfach. Im Bericht für das Geschäftsjahr 2017 von März 2018 änderte sich dann aber ganz beiläufig die Formulierung – gleichzeitig eine Ankündigung weiterer baulicher Aktivitäten: «Für die nächsten Jahre sind aufgrund der starken Nachfrage weitere Kapazitätserweiterungen in Deutschland und den USA initiiert.»

Für das erste Halbjahr 2018 berichtete die Valora Holding nicht nur über Fortschritte im Ausbau der Produktionskapazitäten, sondern auch über eine organisatorische Änderung, die aus der Brezelbäckerei Ditsch endgültig ein internationales Unternehmen machte. Zitat: «… Im ersten Halbjahr 2018 wurde bei Pretzel Baron, das neu als Ditsch USA firmiert, die Kapazitätsverdoppelung der bestehenden Linie umgesetzt und am Produktionsstandort von Ditsch im deutschen Oranienbaum hat das Projekt zur Erweiterung um zwei zusätzliche Produktionslinien in einer neuen, separaten Halle begonnen. Die Finalisierung ist in 2019 geplant.»

Zu seinem Investorentag Mitte dieses Jahrs muss Valora schon wieder um einige Erkenntnisse reicher gewesen sein und wandelte seine Formulierung wie folgt ab: «Schliesslich ist das Unternehmen auch innerhalb der integrierten Wertschöpfungskette in der Produktion von Laugenbackwaren für die eigenen Verkaufsformate und vor allem auch für Drittanbieter optimistisch bezüglich Wachstum über die kommenden Jahre. Nach der Kapazitätsverdoppelung der bestehenden Linie bei Ditsch USA in 2018 soll die Erweiterung der Produktion um eine Linie in den USA in diesem Jahr sowie um zwei Linien in Deutschland Anfang 2020 abgeschlossen werden. Mit dem Ausbau ist Valora künftig noch besser in der Lage, die hohe Nachfrage nach Laugenbackwaren zu decken und sich weiter als eine weltweit führende Produzentin zu behaupten. In Abhängigkeit der erwarteten Marktnachfrage plant sie darüber hinaus im Zeitraum von 2021 bis 2025 weitere Investitionen in Höhe von rund 80 Millionen Euro.»

Eine glückliche, kaum vorhersehbare Entwicklung

Kurzum: Mit der Valora Holding fand die Ditsch Gruppe ihr Glück und umgekehrt. Ein gewisses Restrisiko bleibt ja immer, doch Peter Ditsch wird es nachträglich kaum bereuen, seine Brezelbäckerei Ende 2012 gegen ein Aktienpaket der Valora Holding im Wert von über 80 Millionen Euro verkauft zu haben. Der Name Ditsch ist auf dem Weg zur Weltmarke und die Valora Holding erfreut sich an einer ungebrochenen Nachfrage.

Nachtrag: Wer als WebBaecker-Leser in diesen Tagen die Meldung der Deutschen Presse-Agentur zur Kenntnis nimmt, nach der die Brezelbäckerei Ditsch in Sachsen-Anhalt ihre Kapazitäten erhöht und eine neue Produktionslinie in Betrieb genommen hat, der weiß spätestens jetzt, dass dies nur ein kleiner Ausschnitt einer ziemlich dynamischen Entwicklung ist. Jedenfalls soll die Stundenleistung der neuen Linie 20’000 Laugengebäcke betragen. Insgesamt stellte Ditsch in Deutschland nach Agentur-Angaben 635 Millionen Stück im Jahr 2018 her. Nächstes Jahr sollen die Kapazitäten noch einmal erhöht werden – doch das wissen wir längst und sind gespannt, wie sich Ditsch in den kommenden Jahren weltweit entwickelt (Foto: pixabay.com).