11. August 2020
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Valora Gruppe: mit Blick auf das Gesamtjahr optimistisch

Muttenz / CH. (vh) Nach einem guten Jahresbeginn mit positiver Umsatzentwicklung und positiven Ergebnissen im Januar und Februar wurde die Geschäftsentwicklung der Valora Holding AG im ersten Halbjahr 2020 durch die beispiellose weltweite Coronakrise erheblich beeinträchtigt. Infolge der behördlichen Anordnungen zur Eindämmung des Virus und des dadurch ausgelösten Rückgangs der Kundenfrequenzen war Valora gezwungen, Öffnungszeiten deutlich einzuschränken oder einige Verkaufsstellen ganz zu schliessen. Zum Höhepunkt des Lockdowns im April 2020 wurden rund 40 Prozent der Valora Verkaufsstellen mit reduzierten Öffnungszeiten betrieben und etwa 20 Prozent waren geschlossen. Im Juni lagen diese Werte bei etwa 45 Prozent respektive 5 Prozent, berichtet der Mutterkonzern von Ditsch, Brezelkönig und BackWerk.

Insgesamt waren die Formate der Division Food Service stärker betroffen als die der Division Retail. Grund hierfür waren die strengeren Massnahmen der verschiedenen Regierungen, die hohe Abhängigkeit der Food-Service-Formate vom schwachen Ausser-Haus-Markt, die besonders niedrigen Kundenfrequenzen an Standorten des öffentlichen Verkehrs und in Stadtzentren sowie die geringere Konsumation. In ihrem B2B-Geschäft mit Laugenbackwaren war Valora mit einem vorübergehenden Auftragsrückgang infolge der niedrigen Nachfrage am Ausser-Haus-Markt konfrontiert. Nach dem Lockdown begannen sich die Kundenfrequenz und die B2B-Auftragslage in einem weiterhin sehr dynamischen Umfeld zu erholen.

Positive Vorkrisenmonate gefolgt von starkem Umsatzrückgang

Der Aussenumsatz belief sich auf CHF 1’085.2 Millionen gegenüber CHF 1’324.0 Millionen im Vorjahr, und der Nettoumsatzerlös betrug CHF 815.6 Millionen (Halbjahr 2019: CHF 1’004.8 Millionen). Das entspricht einem Rückgang um -18.0 Prozent respektive -18.8 Prozent. In den Vorkrisenmonaten Januar und Februar war der gesamte Aussenumsatz noch um +1.3 Prozent in Lokalwährung gestiegen. Die Foodvenience-Kategorien – das heißt der Gruppenumsatz ohne Presse, Bücher und Tabak – hatten in Lokalwährung sogar um +2.7 Prozent zugelegt.

Retail CH verbuchte im ersten Semester 2020 einen Umsatzrückgang um -9.8 Prozent. Das breite Produktportfolio der Geschäftseinheit und ihre hohe Kompetenz in den Kategorien Tabak und Presse, deren Durchschnittsumsatz pro Kunde gesteigert werden konnte, erwiesen sich als Stärke in der Krise. Retail DE/LU/AT verbuchte einen Rückgang des Nettoumsatzerlöses um -25.0 Prozent in Lokalwährung. Dieser übertraf den Rückgang des Aussenumsatzes von -10.7 Prozent bedingt durch die Umwandlung von Eigenstellen zu Franchisebetrieben. Der Anstieg des Tabakumsatzes auf gleicher Fläche machte den Rückgang in anderen Kategorien teilweise wett. Der Nettoumsatzerlös von Food Service war um -32.2 Prozent rückläufig mit dem absoluten Tiefpunkt im April (-73.0 Prozent). Die Umsätze von Food Service CH und Food Service DE fielen in Lokalwährung um -39.3 Prozent respektive -37.3 Prozent. Der Umsatz von Food Service B2B sank in Lokalwährung um -20.4 Prozent.

Umfassende Massnahmen zur Senkung der Kostenbasis und zur Begrenzung des Bruttogewinnrückgangs

Um die herausfordernde Situation zu bewältigen, traf Valora frühzeitig umfassende Massnahmen zur Senkung ihrer Kostenbasis und nahm mit der Kurzarbeit von über der Hälfte ihrer Mitarbeitenden seit April 2020 auch die finanzielle Unterstützung der Regierungen in Anspruch. Dadurch konnte die Gruppe im ersten Halbjahr 2020 die budgetierten Betriebsaufwände um fast -15 Prozent deutlich reduzieren; im Vorjahresvergleich belief sich die Kostensenkung auf -10.3 Prozent respektive CHF -42 Millionen , obwohl die Mietkonditionen bei Retail CH nach dem Gewinn der Ausschreibung der SBB-Standorte gestiegen waren. Insgesamt gelang es, mit den rasch eingeleiteten Kostensenkungen die vom krisenbedingten Umsatzrückgang getriebene Abnahme des Bruttogewinns um fast 50 Prozent zu kompensieren.

Positiver Ebitda und positiver Free Cashflow

Aufgrund dieser Entwicklungen ergab sich für die Gruppe im ersten Halbjahr 2020 ein Ebit von CHF -10.9 Millionen (Halbjahr 2019: CHF 42.8 Millionen), wozu die Retail-Division CHF 1.4 Millionen beitrug. Das Konzernergebnis lag bei CHF -15.9 Millionen (Halbjahr 2019: CHF 27.4 Millionen). Sowohl der Ebit als auch das Konzernergebnis zeigten nach dem Tiefpunkt im April einen Aufwärtstrend. Der Ebitda von Valora betrug CHF 21.7 Millionen (Halbjahr 2019: CHF 74.5 Millionen) und war mit Ausnahme des Monats April in allen Monaten positiv.

In diesem schwierigen Umfeld erwirtschaftete die Gruppe in der ersten Jahreshälfte 2020 einen positiven Free Cashflow von CHF 11.5 Millionen (Halbjahr 2019: CHF 15.7 Millionen). Der Rückgang des Ebitda wurde weitgehend wettgemacht durch ein krisenbedingt aussergewöhnlich strenges Management des Net Working Capital – zum Beispiel dank Mietstundungen – und durch eine gezielte Verschiebung und selektive Priorisierung bestimmter Investitionen. Barmittel und Äquivalente stiegen dadurch im Vergleich zu CHF 122.7 Millionen zum Jahresende 2019 leicht auf CHF 127.5 Millionen Die Leverage Ratio betrug 2.9x Ebitda (31.12.2019: 2.0x). Die Eigenkapitalquote vor Mietverbindlichkeiten lag am 30. Juni 2020 bei 45.0 Prozent (31.12.2019: 46.0 Prozent); inklusive Mietverbindlichkeiten betrug sie 25.8 Prozent (31.12.2019: 26.2 Prozent).

Attraktivität von Ausser-Haus-Verzehr und Aussichten für den Foodvenience-Markt hoch – kontinuierliche Investitionen

«Auch während des Covid-19-Lockdown konnte Valora die Kontinuität des Geschäfts sicherstellen, einen aktiven Beitrag zur Grundversorgung der Bevölkerung leisten und auf die Bedürfnisse der Kunden eingehen», sagt Michael Mueller, CEO der Valora Gruppe. «Mit Blick in die Zukunft sind wir überzeugt, dass die Attraktivität des Ausser-Haus-Konsums und die Aussichten für den Foodvenience-Markt hoch bleiben.» Valora ist eine starke Foodvenience-Anbieterin in ihren Märkten und verfügt über eine solide Finanzierungsbasis. Diese wurde durch den im Frühjahr 2020 neu ausgehandelten und von CHF 50 Millionen auf CHF 150 Millionen aufgestockten Syndikatskredit weiter gestärkt.

Auf dieser Basis investiert Valora weiterhin entlang ihrer strategischen Prioritäten. In den ersten sechs Monaten des laufenden Jahres betrug der Investitionsaufwand ungeachtet der Priorisierung und Verschiebung grosser Investitionen aufgrund der Coronakrise CHF 24.1 Millionen Dies entspricht gut 70 Prozent der Investitionen in der Vorjahresperiode.

Die B2B-Kapazitätserweiterung für die Laugenbackwaren-Produktion in Deutschland und den USA wurde im ersten Quartal 2020 vollständig abgeschlossen. Mit den neuen Kapazitäten entwickelt die Geschäftseinheit ihre Produktpalette weiter und etabliert neue Absatzwege über E-Commerce sowie eine stärkere Präsenz im Einzelhandel der DACH-Region.

Die Umwandlung der 262 durch die SBB-Ausschreibung gesicherten Verkaufsstellen in avec Convenience Stores und modernisierte k kiosk Verkaufsstellen mit mehr Food verlief zu Jahresbeginn planmässig. Nachdem diese Umwandlungsarbeiten wegen des Ausbruchs des Coronavirus unterbrochen worden waren, wurden sie Anfang Juli wieder aufgenommen. Es wird erwartet, dass diese Modernisierungen im vierten Quartal 2020 wieder voll im Gange und Ende 2021 weitgehend abgeschlossen sein werden.

Als Reaktion auf das sich weiter verändernde Konsumentenverhalten treibt Valora die Entwicklung neuer digitaler Convenience-Lösungen weiter konsequent voran. Ende Februar wurde die kassenlose avec box in Wetzikon eröffnet und aufgrund des grossen Kundenzuspruchs wurde die Vertragslaufzeit für die avec box an der ETH Zürich Hönggerberg um ein weiteres Mal bis Herbst 2020 verlängert. Mitten im Lockdown führte Valora die Pilotversion ihres Online-Stores avecnow.ch mit taggleicher Lieferung ein. Ausserdem wurde eine optimierte Version der Caffè Spettacolo Loyalty App zusammen mit einer neuen Web-Lösung unter pickup.spettacolo.ch zur Vorbestellung von Kaffee lanciert.

Weitere Kostensenkung mit Schwerpunkt auf Mietanpassungen unter Berücksichtigung der neuen wirtschaftlichen Gegebenheiten

Neben der Verfolgung ihrer strategischen Prioritäten ist Valora bestrebt, so viele Kosten wie möglich variabel zu gestalten. Die Gruppe wird weiterhin gezielt Projekte priorisieren, ihr Verkaufsstellen-Netzwerk optimieren und Kurzarbeit für ihre Mitarbeitenden nutzen, wobei sie gleichzeitig temporär ihre Geschäftspartner unterstützt, sowie verstärkt Kosten senken.

Einen wichtigen Schwerpunkt bilden dabei Mietanpassungen, mit denen die neuen wirtschaftlichen Gegebenheiten der Ladenstandorte im Blick auf die Kundenfrequenz nach dem Lockdown berücksichtigt werden sollen. Vor allem stark frequentierte Standorte an Verkehrsknotenpunkten und Flughäfen erlebten von März bis Juni 2020 einen hohen Umsatzrückgang von -34 Prozent. Dort müssen gleichzeitig höhere Mieten bezahlt werden als zum Beispiel an Standorten in Einkaufszentren und an Innenstadtlagen, wo der Umsatz nur um -13 Prozent sank.

Angesichts der zunehmenden Verlagerung der Arbeit ins Home Office könnte sich diese Entwicklung langfristig fortsetzen. Valora ist daher bestrebt, ihre Mieten mit Kundenfrequenzen und Umsatzentwicklungen abzugleichen, indem die Mindestmieten reduziert werden und so der variable, umsatzabhängige Anteil mehr Gewicht erhält. Michael Mueller sagt: «Die Basis der Mietberechnung hat sich erheblich verändert, und die Mieten müssen entsprechend angepasst werden. Davon hängt ab, inwieweit wir unser Gesamtangebot für die mobile Gesellschaft garantieren können. Angesichts der sich abzeichnenden dauerhaften Veränderungen im Mobilitäts- und Arbeitsverhalten sind wir interessiert an einer umfassenderen Neuorganisation unserer Partnerschaften mit unseren Vermietern. Wir stehen daher in einem engen Dialog mit ihnen.»

Beginn einer Umsatz- und Gewinnerholung nach dem Lockdown in weiterhin sehr dynamischem Umfeld – positiver Ebit für das Gesamtjahr 2020 erwartet

Dynamik und Volatilität der Coronakrise halten weiter an. Dennoch haben sich Umsatz und Ebit nach dem Covid-19-Lockdown stetig verbessert. Ausgehend vom aktuellen Stand der Krise dürfte die Bruttogewinnmarge im zweiten Halbjahr 2020 dank eines günstigen Geschäftsmix sowie aufgrund der Nutzung der neuen B2B-Kapazitäten besser ausfallen als im ersten Halbjahr. Dadurch und als Resultat verstärkter Kostensenkungen ist im Gesamtjahr mit einem positiven Ebit zu rechnen. Ein Trading Update wird Ende Oktober 2020 folgen, sobald weitere Klarheit über die Entwicklung der Coronakrise besteht.

Michael Mueller schliesst: «Wir setzen unsere strategischen Prioritäten, die unser Foodvenience-Geschäft vorantreiben, weiter konsequent um, während wir gleichzeitig unsere Kostenbasis umsichtig senken. Wir werden alle unsere Massnahmen weiterhin langfristig planen, unsere Mitarbeitenden schützen und in unser Vertriebsnetz, unsere Partnerschaften sowie in zweckmässige Angebote für unsere Kunden investieren. Wir sind überzeugt, dass wir gemeinsam wieder zu alter Stärke zurückfinden werden» (Foto: BackWerk).

Valora Gruppe H1-2020 H1-2019 Veränderung
(in Millionen CHF) Prozent Prozent in lokaler Währung
.
Aussenumsatz 1’085.2 133.1% 1’324.0 131.8% -18.0% -15.6%
Nettoumsatzerlöse 815.6 100.0% 1’004.8 100.0% -18.8% -17.0%
Bruttogewinn 355.3 43.6% 451.0 44.9% -21.2% -19.4%
– Betriebskosten, netto -366.2 -44.9% -408.2 -40.6% -10.3% -8.3%
Betriebsergebnis (Ebit) -10.9 -1.3% 42.8 4.3% n.a. n.a.
Ebitda 21.7 2.7% 74.5 7.4% -70.9% -70.0%
Konzernergebnis -15.9 -1.9% 27.4 2.7% n.a. n.a.