Freitag, 23. Februar 2024

Unternehmen initiieren neue Kampagne pro GVO-Kennzeichnung

Berlin. (vlog) Persönlichkeiten aus der deutschen Lebensmittelwirtschaft haben eine neue Unternehmens-Initiative für den Erhalt der Kennzeichnung und Wahlfreiheit bei Gentechnik-Lebensmitteln aufgenommen. Die Chefs und Chefinnen der Unternehmen Alb-Gold, Alnatura, Andechser, dm, Frosta und anderen appellieren in einem gemeinsamen offenen Brief an Manfred Weber, den Fraktionsvorsitzenden der EVP im Europaparlament und stellvertretenden Vorsitzenden der CSU, sich für den Erhalt von Kennzeichnung und Wahlfreiheit bei Gentechnik-Lebensmitteln einzusetzen. Bei der Vorstellung ihrer Initiative luden sie alle Unternehmen der Lebensmittelwirtschaft in Deutschland dazu ein, den offenen Brief mitzuzeichnen.

Schlüsselrolle im Europaparlament bei Gentechnik-Deregulierung

Anlass sind die bevorstehenden intensiven Verhandlungen und Abstimmungen im Europaparlament zu der Frage, ob mit neuer Gentechnik hergestellte Lebensmittel in der EU künftig erkennbar bleiben. Dabei kommt den Abgeordneten von CDU/CSU und ihrer EVP-Fraktion im Europaparlament eine Schlüsselrolle zu. Sie wollen Produkte neuer Gentechnik noch stärker deregulieren als die EU-Kommission.

Der Verband Lebensmittel ohne Gentechnik (VLOG), Deutschlands führender Ökoanbauverband Bioland, die Assoziation ökologischer Lebensmittelhersteller (AöL) und der Bundesverband Naturkost Naturwaren (BNN) unterstützen die Unternehmen bei ihrer Initiative für Wahlfreiheit bei Gentechnik im Essen.

Felix Ahlers, FRoSTA: «FRoSTA steht seit über 20 Jahren für maximale Transparenz. Jeder sollte nachvollziehen können, ob ein Lebensmittel mit oder ohne Gentechnik produziert wurde, um sich entsprechend entscheiden zu können. Nur dann können sich auch Lebensmittelhersteller und Landwirte differenzieren. Eine vom Gesetzgeber vorgegebene, transparente Deklaration wäre der richtige Weg.»

Kerstin Erbe, dm-Drogeriemarkt: «Bei dm ist es uns wichtig, dass uns Menschen weiterhin die freie Wahl überlassen bleibt, ob wir gentechnisch veränderte Nahrungsmittel produzieren und konsumieren wollen. Es geht um unsere Ernährung, um das, was wir unseren Körpern täglich zuführen. Auch wenn gentechnische Verfahren heute präziser sind als früher, verbleiben zu beachtende und zu bewältigende Risiken. Dafür brauchen wir eine klare Kennzeichnung als Entscheidungsgrundlage.»

Prof. Dr. Götz E. Rehn, Alnatura: «Eine weitgehende Deregulierung des Gentechnikrechts widerspricht den Grundsätzen einer ausbalancierten und verantwortungsvollen Politik für die Verbraucherschaft und die Natur. Über 90 Prozent der Kunden fordern eine umfassende Sicherheitsprüfung für gentechnisch veränderte Pflanzen und die verpflichtende Kennzeichnung gentechnisch veränderter Lebensmittel. Die Anwendung von Gentechnik bei Lebensmitteln muss zwingend deklariert werden. Nur so ist «Wahlfreiheit durch Transparenz» möglich. Die EVP will die neue Gentechnik sogar für Bio-Lebensmittel zulassen. Das ist zu Recht gemäß EU-Bio-Verordnung verboten und das lehnen wir konsequent ab.»

Jan Plagge, Bioland: «Die Vorschläge der EVP-Berichterstatterin Jessica Polfjärd verhindern Koexistenz und Wahlfreiheit. In der Praxis kann ein Nebeneinander von Landwirtschaft mit und ohne Gentechnik nur funktionieren, wenn es auch für alle so genannten neuen gentechnischen Verfahren eine Kennzeichnungspflicht gibt – und zwar bis zum Endprodukt, dem Lebensmittel. Die aktuelle Position des EU-Agrarausschusses sieht allerdings gar keine Kennzeichnungspflicht mehr vor, nicht einmal für Saatgut, und auch keinerlei Koexistenzregeln für Anbauformen mit und ohne Gentechnik. Hier muss vor allem die EVP, also die CDU/CSU, ihrer Verantwortung gerecht werden und im EU-Parlament dringend nachbessern.»

Erstunterzeichner/innen des offenen Briefs

  • Felix Ahlers, Vorstandsvorsitzender, FRoSTA AG
  • Kerstin Erbe, Geschäftsführerin Ressort Produktmanagement, dm-drogerie markt GmbH + Co. KG
  • Irmgard Freidler, Geschäftsführerin, ALB-GOLD Teigwaren GmbH
  • Prof. Dr. Götz E. Rehn, Gründer und Geschäftsführer, Alnatura Produktions- und Handels GmbH
  • Barbara Scheitz, Geschäftsführerin, Andechser Molkerei Scheitz GmbH
Die Erstunterzeichner/innen laden alle Unternehmen aus der Lebensmittelherstellung und dem Lebensmittelhandel in Deutschland dazu ein, den offenen Brief mitzuzeichnen (Foto: pixabay.com).
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