Mittwoch, 18. Mai 2022

Umfrage: Nachhaltige Logistik ist eine Frage des Geldes

Bonn. (skp) Nachhaltigkeit steht bei vielen Unternehmen ganz oben auf der Agenda, doch konkrete Umsetzungsmaßnahmen fehlen bisher oft – genauso wie nachhaltige Logistik-Angebote. Eine B2B-Umfrage unter 100 Unternehmen in Europa, die Logistikdienstleister nutzen, zeigt: Kunden wünschen sich eine «grüne» Logistik als zukünftigen Standard, berichtet Simon-Kucher + Partners aus Bonn.

Die aktuelle Studie «Green Logistics» der globalen Strategie- und Marketingberatung zeigt, dass 55 Prozent der Befragten das Thema Nachhaltigkeit für sehr wichtig halten – mit einem Gefälle der Prioritäten von Mitteleuropa (64 Prozent) über Südeuropa (55 Prozent) bis Westeuropa (44 Prozent). Bei dem Großteil der Befragten liegt der Fokus dabei noch eher auf den eigenen, direkt oder indirekt verursachten Emissionen. Bei der Auswahl von Logistikdienstleistern sehen nur noch 31 Prozent der Unternehmen (Mitteleuropa: 34 Prozent, Südeuropa: 36 Prozent, Westeuropa: 25 Prozent) das Thema als sehr wichtig an. Eine Ursache dafür könnte der Mangel an konkreten Angeboten seitens der Logistikbranche sein: «Auch wenn sich nahezu alle großen Logistikunternehmen weltweit konkrete Emissionsziele entsprechend des Pariser Klimaabkommens gesetzt haben, beobachten wir kaum konkrete monetäre Verpflichtungen in der Branche, die mit diesen Zielsetzungen einhergehen. Wer es am Ende bezahlen soll, ist weitgehend unklar», sagt Kornelia Reifenberg, Partnerin im Bereich Logistik bei Simon-Kucher.

Entwicklung nachhaltiger Logistikprodukte stellt Herausforderung dar

Bei der Entwicklung eines nachhaltigen Logistikprodukts sind einige Komponenten zu berücksichtigen, unter anderem: Emissionsziele, Instrumente, Produktauswahl, Kommunikationsstrategie und Pricing. Aktuell reichen direkte Maßnahmen zur Emissionsvermeidung in der Logistik nicht aus, um CO2-Neutralität zu erreichen, daher sind Kompensationslösungen für Emissionen noch an der Tagesordnung. Die Studie zeigt, dass die Befragten bei der Maßnahmenergreifung bisher noch keine klare Präferenz haben: 28 Prozent der Befragten bewerten die Vermeidung von Emissionen zwar als wichtigste Maßnahme, jedoch sind Kompensationen (20 Prozent) oder «Greenwashing» durch Zertifikat-Handel (20 Prozent) nahezu gleichauf bei der Bewertung. Ob der Markt reif ist für kostenintensive, dafür klimaneutrale Logistik (wie etwa den Einsatz von Sustainable Aviation Fuel in der Luftfracht), ist vor diesem Hintergrund fraglich.

Monetarisierung von CO2-neutraler Logistik als Schlüssel zum Erfolg

Kunden wünschen sich einfache Lösungen, wie zum Beispiel ein einheitliches grünes Standardprodukt für alle Kunden (40 Prozent). Eine Wahlmöglichkeit, etwa durch freiwillige CO2-Zuschläge oder ein Sortiment mit gestaffeltem CO2-Fußabdruck, wird eher abgelehnt. Diese Entscheidung wird bevorzugt dem Anbieter überlassen. Laut Studie weichen die Zahlungsbereitschaften für nachhaltige Logistik je nach Segment, vom «Klimaaktivisten» bis zum «Ignoranten», stark voneinander ab. Sven Wengler, Senior Director im Bereich Logistik bei Simon-Kucher: «Nur ein einziges grünes Produkt anzubieten ist nicht die optimale Lösung. Die Herausforderung besteht darin, dem Kundenwunsch nach einfachen Lösungen zu entsprechen und zugleich ein möglichst für jedes Segment angepasstes Angebot zu entwickeln.»

Nachholbedarf beim Thema Nachhaltigkeit in der Logistik

Die Studienergebnisse zeigen, dass sowohl bei der Zielsetzung wie im proaktiven Verkauf nachhaltiger Logistiklösungen Nachholbedarf besteht. Kornelia Reifenberg: «Die Kosten für mehr Nachhaltigkeit müssen wegen der geringen Margen in der Logistikbranche an die Kunden und/oder Endkunden weitergegeben werden. Vielen Kunden hat sich der Mehrwert echter Emissions-Vermeidung bis heute nicht erschlossen. Die entscheidende Frage ist, ob Kunden von Logistikdienstleistungen bereit sind in Zukunft höhere Preise für grünere Logistik zu bezahlen – ansonsten sind die Regierungen gefordert, ihre Regulierungen zu verschärfen. ‘Einpreisen’ wird jedenfalls in der Logistik kaum möglich sein».