Mittwoch, 1. Februar 2023

TUB: Lebensmittelerzeugung und Biodiversität im Marketing

Berlin. (tub) Eine erstmals durchgeführte Befragung von Konsumenten (m/w/d) über den Zusammenhang zwischen Lebensmittelproduktion und Biodiversität zeigt Wissensdefizite auf und den Wunsch nach mehr Informationen beim Einkauf. Eine deutliche Mehrheit, nämlich 85 Prozent der Befragten (m/w/d), erachten es als wichtig, dass sich Unternehmen der Lebensmittelindustrie (des Lebensmittelgewerbes …) für den Erhalt der biologischen Vielfalt engagieren. 79 Prozent erwarten, dass Lebensmittelproduzenten (m/w/d) Kunden (m/w/d) darüber informieren, was sie zum Schutz der Biodiversität unternehmen. Die hohe Relevanz des Themas zeigt sich auch darin, dass einer deutlichen Mehrheit von 91 Prozent der Erhalt der biologischen Vielfalt wichtig ist. 55 Prozent rechnen sogar mit Konsequenzen für das persönliche Leben, dadurch, dass die biologische Vielfalt abnimmt. Doch obwohl der Biodiversität eine große Bedeutung beigemessen wird, wissen nur 17 Prozent, was exakt darunter zu verstehen ist, und es bestehen unter den Befragten vielfach Unsicherheiten darüber, wie sie selbst zum Erhalt beitragen können.

Das sind einige der wichtigsten Ergebnisse einer repräsentativen Online-Befragung, die im Rahmen des Forschungsvorhabens «BioVal» am Zentrum Technik und Gesellschaft der Technischen Universität Berlin (TU) im Juni 2022 durchgeführt wurde. Befragt wurden bundesweit 1028 Konsumenten zwischen 18 und 75 Jahren. Ziel des Verbundforschungsprojekts BioVal (Biodiversity Valuing + Valuation) ist es, negative Auswirkungen der Lebensmittelproduktion auf die Biodiversität zu identifizieren und gezielt zu verringern. Die in der Befragung ermittelten Einstellungen bilden eine wichtige Grundlage, Maßnahmen zu entwickeln.

Folgenabschätzung eher Neuland für Deutschland

«Wir wollten herausfinden, ob und wie es Konsumenten bewusst ist, dass die Lebensmittelproduktion die biologische Vielfalt beeinträchtigt, welche Einstellungen sie zum Erhalt der Biodiversität haben und wie weit das Thema ihr persönliches Verhalten beeinflusst. Dazu liegen bislang kaum Ergebnisse vor», berichtet Uta Böhm, die als wissenschaftliche Mitarbeiterin am ZTG die Umfrage konzipierte.

Im Bereich «Wissen» wurden Informationsdefizite festgestellt. So ist die korrekte Definition von Biodiversität nur 17 Prozent der Befragten bekannt. 40 Prozent ist nicht oder nur teils bewusst, dass Biodiversität für die Lebensmittelproduktion notwendig ist. Insgesamt gaben 84 Prozent an, nicht gut oder nur teilweise über das Thema Biodiversität informiert zu sein. 61 Prozent wünschten sich beim Lebensmittelkauf mehr Informationen über die Auswirkungen von Produkten auf die biologische Vielfalt, vorzugsweise auf der Produktverpackung (87 Prozent).

Bereitschaft vorhanden, selbst etwas zu tun

Vor allem, um die Auswirkungen des Klimawandels in den Griff zu bekommen, erachten 93 Prozent den Erhalt der biologischen Vielfalt für wichtig. Deshalb schreiben die Konsumenten nicht nur der Lebensmittelerzeugung eine hohe Verantwortung für den Schutz der Biodiversität zu, sondern auch der Politik und der Landwirtschaft.

Der hohe Stellenwert, den die Befragten der Biodiversität beimessen, spiegelt sich auch in einer hohen Bereitschaft wider, durch das eigene Verhalten zum Schutz beizutragen. Nur elf Prozent stimmten der Aussage zu: «Ich möchte mich nicht einschränken, um die biologische Vielfalt zu schützen.» 71 Prozent würden beim Einkaufen Lebensmittel bevorzugen, die der Biodiversität gerecht werden. 64 Prozent sind bereit, etwas mehr für Lebensmittel zu zahlen, die der Biodiversität gerecht werden. «Unsere Befragung legt nahe, dass eine hohe Handlungs- und Zahlungsbereitschaft besteht. Ob sich diese Bereitschaft möglicherweise auch im Kaufverhalten niederschlagen würde, werden wir anhand konkreter Produktideen in einer weiteren experimentellen Erhebung untersuchen», ergänzt Böhm.

Produktangebot, das der Biodiversität gerecht wird

Aus der hohen Relevanz des Themas für die Verbrauchenden ergibt sich für die Lebensmittelerzeugung und den Handel die Notwendigkeit, Produkte zur Verfügung zu stellen, die der Biodiversität gerecht werden. Außerdem müssen sie verständliche Kommunikationswege finden, um ihr Engagement zu belegen. Sie können etwa Lieferanten hervorheben, die in der Agrarwirtschaft auf Pestizide verzichten, Blühstreifen anlegen oder was auch immer. Nur wenn Konsumenten (m/w/d) im Handel quasi mit der Nase drauf stoßen ist es realistisch, dass sie in der konkreten Einkaufssituation danach greifen.

Unternehmen, die sich als Pioniere dieser Herausforderung stellen, sollten politisch und mit Fördermaßnahmen unterstützt werden. Parallel kann dem bestehenden Wissens- und Informationsdefizit über Umweltbildung für verschiedene Zielgruppen begegnet werden. «Denn eins hat die Befragung auch deutlich gemacht, der Erhalt der Biodiversität wird als Aufgabe empfunden, die nur in gemeinsamer Bürgerbeteiligung und in weltweiter Kooperation erfolgreich bewältigt werden kann. Neben der Politik wird der Lebensmittelproduktion, dem Lebensmittelhandel und der Landwirtschaft dabei eine wesentliche Rolle zugeschrieben», resümiert Böhm.

Das Projekt «BioVal» ist eine Kooperation der TU Berlin, der Universität Witten/Herdecke, der Hochschule Bochum, der Alfred Ritter GmbH + Co.KG, der Frosta AG und der Seeberger GmbH. BioVal wird im Rahmen der Forschungsinitiative zum Erhalt der Artenvielfalt (FEdA) von November 2021 bis Oktober 2024 vom Bundesministerium für Bildung und Forschung finanziert.

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