Dienstag, 23. Juli 2024

«The Dark Side of Grain»: Fundierte Recherche sieht anders aus

Bremerhaven. (eb) Ein schnittiger Titel allein macht noch keinen Skandal: «The Dark Side of Grain». Das weiß auch Foodwatch. Deshalb macht sich die Verbraucherschutzorganisation auch nicht die Mühe, die «Ausmaße» des von ihr vermuteten «Skandals» richtig einzuordnen. Nur in den hinteren Zeilen irgendwo erfährt der Leser, dass die Organisation Daten der Europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) analysiert hat. In 37 Prozent davon (837 von 2.234 Proben) sind demnach Pestizide nachweisbar.

Die «belasteten Proben» weisen laut Foodwatch 1.215 Rückstände von 65 verschiedenen chemischen Pflanzenschutzmitteln auf. Davon überschritten zwar nur 18 Rückstände in 14 Proben die Höchstmengen. Doch problematisch sei schließlich der Pestizid-Cocktail – in diesen 0,62 Prozent der EFSA-Proben (14:22,34=0,62). Oder meint der jüngste Foodwatch Report die 37 Prozent von 2.234 Proben, die nach geltender Rechtslage völlig korrekt mit Pflanzenschutzmitteln behandelt wurden?

Rewe, Aldi und andere Handelsketten kurzerhand als böse Buben hinzustellen, taugt ebenfalls wenig, zumal das Getreidemehl aus den gleichen Silos kommt wie für 99 Prozent aller backenden Betriebe gleich welcher Größenordnung: aus der Mehlmühle. Die kann und muss natürlich Mehltypen voneinander trennen können. Doch dass sie darüber hinaus in der Lage wäre, «gutes» Mehl für Kleinbetriebe abzupacken und «schlechtes» Mehl für Großbäckereien, ist in den weit, weit überwiegenden Fällen technisch nicht darstellbar. Kurzum: Alle backen mit dem gleichen Mehl. Was soll also das Großbäcker-Bashing? Irgendwo in den allerletzten Zeilen erfahren Leser noch, dass in der Schweiz alles besser ist.

Das problematische am «Skandal» scheint einzig der Umstand zu sein, dass Organisationen wie Foodwatch jedes mal ihre Kompetenzen verlieren, wenn sie einen Generationswechsel erleben – sich eine neue Generation von Verbraucherschützern etablieren will und kein Gedächtnis in Form eines Archivs vorhanden ist, das nötige Hintergründe fundiert vermitteln kann. Wissensmanagement ist zweifellos eine mühselige Arbeit. Doch es schützt ganz sicher vor Reputationsverlust infolge nachlässiger Recherchen.

Kein Hinweis daher von uns auf die Anstrengungen der Getreidewirtschaft, die ihre Methoden sukzessive verändert. Kein Hinweis, warum der Handel so große Anstrengungen unternimmt – und nicht allein auf die Agrarindustrie vertrauen muss wie so viele Kleinbetriebe. Kein Hinweis darauf, dass Foodwatch 2023 nicht mal mehr die richtigen Adressaten für seine Spekulationen kennt (Foto: pixabay.com).