Donnerstag, 2. Februar 2023

Tegut Gruppe 2022: Die Inflation fordert ihrem Tribut

Fulda. (tgg / eb) Nach einer Schätzung des Statistischen Bundesamts erzielte der Einzelhandel in Deutschland im Kalenderjahr 2022 real (preisbereinigt) 0,3 Prozent weniger Umsatz und nominal (nicht preisbereinigt) 8,2 Prozent mehr Umsatz als im Rekordjahr 2021. Die Differenz spiegelt nach Angaben aus Wiesbaden die hohen Preissteigerungen im Einzelhandel wider. Zum Vergleich: 2021, in dem der bisher höchste Jahresumsatz seit Beginn der Zeitreihe erzielt wurde, stiegen die Umsätze real gegenüber dem Vorjahr 2020 um 0,8 Prozent und gegenüber 2019 um 5,6 Prozent. Soviel zur Einordnung.

Vor diesem Hintergrund legt die Fuldaer Tegut Gruppe, ein Unternehmen der Migros-Genossenschaft Zürich, ihre Zahlen für das Geschäftsjahr 2022 vor. Demnach hat die Gruppe das letzte Jahr mit einem Gesamtnettoumsatz von 1,25 Milliarden Euro abgeschlossen – und damit exakt das Ergebnis des Vorjahrs erreicht (+0,02 Prozent gegenüber 2021). Das teilte der Lebensmittel-Einzelhändler und Bio-Pionier jetzt in Fulda mit. Tegut Geschäftsführer Thomas Gutberlet freut sich über die insgesamt positive Entwicklung: «Die Umsatzzahlen zeigen, dass uns unsere Kundinnen und Kunden trotz allgemeiner Kaufzurückhaltung und steigenden Energiekosten das Vertrauen schenken.»

Der Rekord-Bioanteil von 30,5 Prozent aus dem letzten Jahr konnte 2022 nicht mehr erreicht werden und liegt stattdessen bei 28,4 Prozent (-2,1 Prozentpunkte). «Das entspricht der aktuellen Entwicklung, wonach die Kundinnen und Kunden zum Beispiel nicht beim Urlaub sparen, sondern im Alltag», erläutert Gutberlet das Ergebnis. Und ergänzt: «Keiner geht dabei drei Schritte zurück, schaut aber, wo er ein wenig sparen kann. Die günstigeren Tegut Marken werden häufiger gekauft als teurere Produkte. Das trifft so auch auf Bio zu: Der Kunde kauft weiter ökologisch, aber die günstigeren Varianten. Die Frische, Obst und Gemüse, ist rückläufig. Hier haben wir die höchsten Bio-Anteile aller Warengruppen, abgesehen von Brot. Wenn Obst und Gemüse weniger gekauft wird, geht auch der Bio-Umsatz zurück.»

75 Jahre Tegut: Expansion auch im Jubiläumsjahr

Ansonsten stand 2022 ganz im Zeichen des 75-jährigen Firmenjubiläums: Mit vielen Angeboten, Veranstaltungen in den Märkten und überraschenden Aktionen wurde der Unternehmensgeburtstag gemeinsam mit den Kundinnen und Kunden gefeiert. Höhepunkt des Jahres war eine große Jubiläumsfeier mit allen Mitarbeitenden, Lieferanten und langjährigen Partnern des Unternehmens, die im September in den Hessenhallen in Alsfeld stattfand.

Strategisch hat sich das Unternehmen im letzten Jahr unter anderem auf den Roll-Out des digitalen, unbedienten Kleinstflächenkonzepts «teo» konzentriert: 2020 in der Fuldaer Innenstadt aufgenommen, gibt es aktuell 26 Standorte in Hessen, Bayern und Baden-Württemberg. Für dieses Jahr plant Tegut 15 bis 20 weitere Standorte, der Schwerpunkt wird dabei auf dem Rhein-Main-Gebiet und Baden-Württemberg liegen. Geschäftsführer Thomas Gutberlet: «Wir werden dieses Vertriebskonzept weiterhin mit Tempo und Augenmaß vorantreiben und gewissenhaft prüfen, an welchen Standorten der teo seine Stärken voll ausspielen kann.»

Aber nicht nur bei den teo-Standorten wurde im letzten Jahr expandiert: Unter anderem sind im baden-württembergischen Aalen, in der Frankfurter Innenstadt direkt an der Konstabler Wache und dem mittelhessischen Braunfels neue Supermärkte an den Start gegangen, in Dipperz im Landkreis Fulda wurde ein neuer Getränkemarkt eröffnet. Ein strategisch wichtiges Ausrufezeichen setzte Tegut im letzten Jahr erneut in München: Hier konnte im sogenannten Perlach Plaza der zweite Supermarkt für «gute Lebensmittel» in der Landeshauptstadt eröffnen. Am Frankfurter Flughafen und im Geschäftstower Frankfurt «Winx» wurden außerdem zwei Märkte des Vertriebskonzeptes «Quartier» eröffnet. Damit betreibt Tegut aktuell 315 Märkte unterschiedlichster Vertriebskonzepte. Auch 2023 sind neue Märkte geplant, von denen sich viele bereits in Bau befinden, unter anderem in Niederdorfelden und Bischofsheim.

Weiterer Ausbau des E-Commerce-Geschäfts

Auch das Online-Geschäft in Kooperation mit Amazon hat Tegut im letzten Jahr weiter ausgebaut. Mittlerweile können Kundinnen und Kunden im Großraum Darmstadt, großen Teilen Frankfurts, in Würzburg, in Kassel, in Marburg, in Gießen, im Großraum Nürnberg, Fürth und Erlangen, in Bamberg, in Mainz, in Wiesbaden und im Großraum Fulda «gute Lebensmittel» online bestellen und sich noch am selben Tag ins Haus liefern lassen. Schon in Kürze werden auch hier weitere Regionen hinzukommen. Besonders spannend: Am Standort Ingolstadt wird Mitte des Jahres ein neuer Supermarkt eröffnen, der den Lieferdienst vom ersten Tag an als zusätzlichen Service für die Kundinnen und Kunden anbietet.

«Es gibt nicht nur den einen Kunden, der ausschließlich in den Supermarkt geht oder den einen Kunden, der seine Lebensmittel nur online bestellt», erklärt Geschäftsführer Thomas Gutberlet und ergänzt: «Der Trend entwickelt sich eher dahin, dass jede Kundin und jeder Kunde abhängig von seinen aktuellen Lebens- und Arbeitsgewohnheiten unterschiedliche Möglichkeiten zum Einkauf nutzen möchte. Und diesem Trend tragen wir mit unserer Omnichannel-Strategie Sorge.» Neben Amazon setzt Tegut dabei auch auf andere Partner, wie zum Beispiel Wolt oder Lieferando.

Das neue Logistikzentrum in Michelsrombach geht bald in Betrieb

Um die logistischen Herausforderungen, die der anhaltende Expansionskurs langfristig an das Unternehmen stellen wird, dauerhaft bewältigen zu können, wird Tegut 2023 nach rund dreijähriger Bauzeit sein neues Logistikzentrum in Michelsrombach vor den Toren Fuldas in Betrieb nehmen. «Es ist das größte Bauprojekt in der 75-jährigen Geschichte des Unternehmens», fasst Tegut Geschäftsführer Gutberlet das Projekt zusammen. «Mit einer reinen Gebäudefläche von 90.000 Quadratmetern, einem automatischen Hochregallager mit ca. 38.000 Palettenstellplätzen und einer Gesamtinvestition im unteren dreistelligen Millionenbereich ist es nicht nur für Tegut derzeit ein Megaprojekt. Es gilt für die gesamte Region als Flaggschiff in Sachen Planung, Bau und Investitionsvolumen.» Rund 800 Mitarbeitende sollen nach Fertigstellung in Michelsrombach arbeiten. Das Unternehmen ist aktuell dabei, zahlreiche neue Stellen zu besetzen. Der Geschäftsführer verweist in diesem Zusammenhang auf die Website tegut.com, auf der alle vakanten Positionen einsehbar sind.

«Zu Beginn eines neuen Jahres haben viele Menschen den Impuls, sich beruflich zu verändern. Eine berufliche Weiterentwicklung bei Tegut ist da mit Sicherheit eine sehr gute Option, die man hierfür in Betracht ziehen sollte. Übrigens brauchen wir nicht nur am neuen Logistikstandort Unterstützung, auch an vielen Standorten suchen wir für unsere Märkte neue Mitarbeitende. Da geht es uns wie vielen anderen Unternehmen in Deutschland auch: Die zahlreichen offenen Stellen zu besetzen, bleibt für uns aktuell eine der größten Herausforderungen», fasst Gutberlet zusammen.

Rückenwind erhofft sich das Unternehmen dabei von einer ganz besonderen Auszeichnung: Tegut ist im letzten Jahr erneut im Bundeswettbewerb «Deutschlands beste Arbeitgeber 2022» des «Great Place to Work»-Instituts als einer der besten Arbeitgeber Deutschlands prämiert worden und konnte sich damit eine begehrte Auszeichnung sichern (Foto: Tegut).

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