Sonntag, 21. Juli 2024

Statistik: Lebensmittel weiterhin stärkste Preistreiber

Wiesbaden. (destatis) Die Inflationsrate – gemessen als Veränderung des Verbraucherpreisindex (VPI) zum Vorjahresmonat – lag im Juni 2023 bei +6,4 Prozent. Im Mai 2023 hatte die Inflationsrate bei +6,1 Prozent gelegen. «Die Inflationsrate hat sich damit wieder etwas verstärkt, nachdem sie sich zuvor drei Monate in Folge abgeschwächt hatte», sagt Ruth Brand, Präsidentin des Statistischen Bundesamts, und ergänzt: «Die Nahrungsmittel sind nach wie vor der stärkste Preistreiber. Zudem ergibt sich durch die Entlastungsmaßnahmen der Bundesregierung aus dem Jahr 2022 – Neun-Euro-Ticket und Tankrabatt – ein Basiseffekt, der die aktuelle Inflationsrate erhöht.» Wie das Statistische Bundesamt (Destatis) weiter mitteilt, stiegen die Verbraucherpreise im Juni 2023 gegenüber dem Vormonat Mai 2023 um 0,3 Prozent.

Verbraucherpreisindizes für Deutschland – 2023/07/11 – Grafik: Destatis
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Energieprodukte binnen Jahresfrist um 3,0 Prozent teurer

Die Preise für Energieprodukte lagen im Juni 2023 um 3,0 Prozent über dem Niveau des Vorjahresmonats, nach +2,6 Prozent im Mai 2023. Verantwortlich für den seit März 2023 unterdurchschnittlichen Preisauftrieb der Energie ist insbesondere ein Basiseffekt aus dem Vorjahr. Damals war es infolge des russischen Angriffs auf die Ukraine zu erheblichen Preisanstiegen gekommen. Gleichzeitig ist die derzeitige Preisentwicklung bei Energie durch weitere Faktoren geprägt, etwa durch die rückläufige Preisentwicklung auf den vorgelagerten Wirtschaftsstufen. Auch die Maßnahmen des dritten Entlastungspaket der Bundesregierung wie die Preisbremsen für Strom, Erdgas und Fernwärme trugen zur Energiepreisentwicklung bei.

Von Juni 2022 bis Juni 2023 verteuerten sich feste Brennstoffe mit +26,6 Prozent und Erdgas mit +20,8 Prozent besonders stark. Überdurchschnittlich erhöhten sich auch die Preise für Strom (+10,5 Prozent) und Fernwärme (+9,3 Prozent). Dagegen verbilligten sich Mineralölprodukte deutlich mit -12,8 Prozent, insbesondere leichtes Heizöl (-36,5 Prozent). Günstiger als vor einem Jahr waren trotz des Tankrabatts im Vorjahr auch die Kraftstoffe (-10,4 Prozent).

Preisindizes für Energieprodukte – 2023/07/11 – Grafik: Destatis
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Nahrungsmittel bleiben stärkster Preistreiber mit +13,7 Prozent

Die Preise für Nahrungsmittel erhöhten sich im Juni 2023 um 13,7 Prozent gegenüber dem Vorjahresmonat, nach +14,9 Prozent im Mai 2023. Die Nahrungsmittel bleiben damit der stärkste Preistreiber unter den Güterbereichen. Fast alle Nahrungsmittelgruppen waren weiterhin teurer als ein Jahr zuvor. Vor allem mussten die Verbraucherinnen und Verbraucher spürbar mehr für Molkereiprodukte (+22,3 Prozent) sowie für Zucker, Marmelade, Honig und andere Süßwaren (+19,4 Prozent) bezahlen. Merklich teurer binnen Jahresfrist wurden auch Gemüse (+18,8 Prozent), Fisch, Fischwaren und Meeresfrüchte (+18,5 Prozent) sowie Brot und Getreideerzeugnisse (+18,3 Prozent). Hingegen waren Speisefette und Speiseöle um 12,1 Prozent günstiger als ein Jahr zuvor.

Inflationsrate ohne Energie und Nahrungsmittel bei +5,8 Prozent

Im Juni 2023 lag die Inflationsrate ohne Energie bei +6,7 Prozent. Die Inflationsrate ohne Berücksichtigung von Energie und Nahrungsmitteln lag mit +5,8 Prozent niedriger und zeigt, wie stark die Nahrungsmittelpreise derzeit die Gesamtteuerung prägen. Diese häufig als Kerninflation bezeichnete Kenngröße verdeutlicht gleichzeitig, dass auch in anderen Güterbereichen die Teuerung weiterhin hoch ist. Im Mai 2023 hatte der Verbraucherpreisindex ohne Nahrungsmittel und Energie bei +5,4 Prozent gelegen, die Kerninflation hat sich damit im Juni 2023 wieder verstärkt. Im April und März 2023 hatte der Wert ebenfalls bei jeweils +5,8 Prozent gelegen.

Waren verteuerten sich gegenüber Juni 2022 um 7,3 Prozent

Die Preise für Waren insgesamt erhöhten sich im Juni 2023 gegenüber dem Vorjahresmonat um 7,3 Prozent. Verbrauchsgüter verteuerten sich mit +8,8 Prozent besonders stark, vor allem aufgrund des Preisanstiegs im Güterbereich Nahrungsmittel und alkoholfreie Getränke (+13,4 Prozent). Die Preise von Gebrauchsgütern lagen gegenüber Juni 2022 um 5,2 Prozent höher.

Dienstleistungen verteuerten sich binnen Jahresfrist um 5,3 Prozent

Die Preise für Dienstleistungen insgesamt lagen im Juni 2023 um 5,3 Prozent über dem Niveau des Vorjahresmonats. Weiterhin bedeutsam für die unterdurchschnittliche Preissteigerung bei Dienstleistungen sind die Nettokaltmieten, die mit +2,0 Prozent preisdämpfend wirken. Auch die Einführung des Deutschlandtickets wirkt seit Mai 2023 auf die Preisentwicklung leicht dämpfend. Demgegenüber steht jedoch ab Juni 2023 ein erhöhender Basiseffekt infolge des von Juni bis August 2022 gültigen Neun-Euro-Tickets. Binnen Jahresfrist wurden somit im Juni 2023 Bahntickets im Nahverkehr trotz der Einführung des Deutschlandtickets mit +65,2 Prozent deutlich teurer (Mai 2023: +0,6 Prozent). Ebenso verteuerten sich daher die kombinierten Tickets für Bahn, Bus und Ähnliches merklich gegenüber Juni 2022, und zwar um mehr als das Doppelte mit +112,8 Prozent (Mai 2023: -22,9 Prozent). Zudem erhöhten sich einige andere Preise für Dienstleistungen deutlich, unter anderem die Preise für die Instandhaltung und Reparatur von Wohnungen (+15,7 Prozent), für Dienstleistungen sozialer Einrichtungen (+11,0 Prozent) sowie für Dienstleistungen in Gaststätten (+8,4 Prozent).

Preisindizes des öffentlichen Personenverkehrs – 2023/07/11 – Grafik: Destatis
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Preise gegenüber Vormonat um 0,3 Prozent gestiegen

Im Vergleich zum Mai 2023 stieg der Verbraucherpreisindex im Juni 2023 um 0,3 Prozent. Teurer wurden insbesondere Pauschalreisen (+6,1 Prozent) und Übernachtungen (+1,7 Prozent). Die Preise für Nahrungsmittel gaben im Vergleich zum Vormonat etwas nach (-0,2 Prozent), insbesondere gingen die Preise für frisches Gemüse (-3,7 Prozent) und für Molkereiprodukte (-1,8 Prozent) zurück. Gleichermaßen sanken die Preise für Energie insgesamt (-0,2 Prozent). Etwas günstiger als einen Monat zuvor waren hier zum Beispiel Strom (-1,1 Prozent) und Erdgas (-1,0 Prozent).

Methodische Hinweise

Seit Anfang Mai 2023 wird das «Deutschlandticket» im Verbraucherpreisindex berücksichtigt und führte im Mai 2023 zu Preissenkungen im öffentlichen Regional- und Personennahverkehr. Im Vergleich zur Einführung des auf die Monate Juni bis August 2022 befristeten «Neun-Euro-Tickets» waren die Auswirkungen weitaus geringer, dennoch wirkte es sich leicht preisdämpfend insbesondere auf den Güterbereich der Dienstleistungen aus. Trotz des weiterhin gültigen Deutschlandtickets zeigt sich nun im Juni 2023 ein Preisanstieg bei den Dienstleistungen und insbesondere beim öffentlichen Regional- und Personennahverkehr im Vorjahresvergleich. Ein wesentlicher Grund für diesen Anstieg ist die Einführung des Neun-Euro-Tickets vor einem Jahr (Basiseffekt), die sich nun erhöhend auf die Preisentwicklung auswirkt. Auswirkungen auf die aktuellen Ergebnisse haben auch noch andere Maßnahmen aus dem dritten Entlastungspaket der Bundesregierung, die insbesondere den Energiepreisanstieg begrenzen sollen. So traten im Jahr 2023 die Preisbremsen für Strom, Erdgas und Fernwärme rückwirkend ab Januar 2023 in Kraft. Eine Übersicht mit Erläuterungen zu den unterschiedlichen Entlastungsmaßnahmen und der Wirksamkeit auf den Verbraucherpreisindex ist im Internetangebot des Statistischen Bundesamtes verfügbar.

Der Verbraucherpreisindex (VPI) und der Harmonisierte Verbraucherpreisindex (HVPI) unterscheiden sich hinsichtlich Erfassungsbereich und Methodik. Bei der Berechnung des VPI werden anders als beim HVPI zusätzlich die Ausgaben der privaten Haushalte für selbstgenutztes Wohneigentum, für Glücksspiel und für den Rundfunkbeitrag berücksichtigt. Zudem werden die Gütergewichte des HVPI jährlich aktualisiert. Aufgrund des deutlich geringeren Gewichts für den Bereich Wohnen im HVPI haben die Preissteigerungen anderer Güterbereiche einen größeren Einfluss auf die Entwicklung des HVPI im Vergleich zum VPI. Diese Unterschiede (Erfassungsbereich, Methodik und Gewichtung) erklären die Abweichungen zwischen VPI und HVPI für Deutschland. Hierzu sind Erläuterungen im Internetangebot des Statistischen Bundesamts und ein Methodenpapier verfügbar.

Inflationsrechner gibt Auskunft über persönliche Inflationsrate

Mit dem persönlichen Inflationsrechner des Statistischen Bundesamtes können Verbraucherinnen und Verbraucher ihre monatlichen Konsumausgaben für einzelne Güterbereiche entsprechend des eigenen Verbrauchsverhaltens anpassen und eine persönliche Inflationsrate berechnen. Darüber hinaus bietet das Preis-Kaleidoskop einen Überblick über die Preisentwicklung und die Gewichte verschiedener Güter (Foto: pixabay.com).