Montag, 15. August 2022

Statistik: Importierte Agrargüter gehen weiter ordentlich aufs Budget

Wiesbaden. (destatis) Die Importpreise waren im April 2022 um 31,7 Prozent höher als im April 2021. Eine höhere Vorjahresveränderung hatte es zuletzt im September 1974 im Rahmen der ersten Ölkrise gegeben (+32,6 Prozent gegenüber September 1973). Wie das Statistische Bundesamt (Destatis) weiter mitteilt, hatte die Veränderungsrate gegenüber dem Vorjahr im März 2022 bei +31,2 Prozent gelegen, im Februar 2022 bei +26,3 Prozent. Gegenüber dem Vormonat März 2022 stiegen die Importpreise im April 2022 um 1,8 Prozent. Die aktuellen Daten spiegeln auch die Auswirkungen des Kriegs in der Ukraine wider.

Starker Preisanstieg nach wie vor auf Energiepreisentwicklung zurückzuführen

Energieeinfuhren waren im April 2022 um 157,4 Prozent teurer als im April 2021 (-0,4 Prozent gegenüber März 2022). Der hohe Anstieg im Vorjahresvergleich ist weiterhin vor allem durch die stark gestiegenen Preise für Erdgas begründet. Diese lagen im April 2022 viermal so hoch wie im April 2021 (+301,2 Prozent). Im Vergleich zum Vormonat März 2022 stiegen die Importpreise für Erdgas um 2,1 Prozent.

Die Preise für importierte Steinkohle lagen 322,0 Prozent über denen von April 2021 und stiegen auch gegenüber März 2022 mit einem Plus von 7,9 Prozent weiter an.

Erheblich teurer als vor einem Jahr waren außerdem Mineralölerzeugnisse mit +106,6 Prozent und Erdöl mit +77,5 Prozent. Hier sanken die Preise aber gegenüber dem Vormonat März 2022, bei Mineralölerzeugnissen um 0,7 Prozent und bei Erdöl um 3,5 Prozent.

Ohne Berücksichtigung der Energiepreise waren die Importpreise im April 2022 um 17,1 Prozent höher als im April 2021 und 2,3 Prozent höher als im Vormonat März 2022. Lässt man nur Erdöl und Mineralölerzeugnisse außer Betracht, lag der Importpreisindex um 27,6 Prozent über dem Stand des Vorjahres (+2,3 Prozent gegenüber März 2022).

Höhere Preise für Vorleistungsgüter im Vorjahresvergleich vor allem bei Düngemitteln und Stickstoffverbindungen, Metallen und Kunststoffen

Importierte Vorleistungsgüter waren im April 2022 um 26,8 Prozent teurer als im Vorjahresmonat (+3,6 Prozent gegenüber März 2022).

Gegenüber April 2021 wurden Düngemittel und Stickstoffverbindungen zu fast dreifach höheren Preisen importiert (+185,6 Prozent). Erheblich teurer als im April 2021 waren außerdem vor allem Rohaluminium (+78,4 Prozent), Roheisen, Stahl und Ferrolegierungen (+58,0 Prozent) sowie Kunststoffe in Primärformen (+27,7 Prozent).

Die Preise für importierte Investitionsgüter lagen im April 2022 um 7,4 Prozent über denen von April 2021 (+0,9 Prozent gegenüber März 2022). Teurer waren besonders Maschinen (+7,9 Prozent) sowie Kraftwagen und Kraftwagenteile (+5,7 Prozent).

Importierte Verbrauchs- und Gebrauchsgüter spiegeln Hausse am Nahrungsmittelmarkt

Importierte Verbrauchsgüter wurden binnen Jahresfrist 11,9 Prozent teurer (+1,5 Prozent gegenüber März 2022), vor allem bedingt durch den Preisanstieg im Vorjahresvergleich für Nahrungsmittel (+20,7 Prozent gegenüber April 2021). Unter anderem lagen die Preise für pflanzliche und tierische Öle und Fette mit +38,8 Prozent sowie für Fleisch und Fleischerzeugnisse mit +22,5 Prozent deutlich über denen von April 2021. Auch pharmazeutische und ähnliche Erzeugnisse waren mit +9,5 Prozent teurer als vor einem Jahr.

Importierte Gebrauchsgüter kosteten im Durchschnitt 8,0 Prozent mehr als im April 2021 (+1,2 Prozent gegenüber März 2022).

Die Preise für importierte landwirtschaftliche Güter lagen 26,9 Prozent über denen von April 2021 (+3,2 Prozent gegenüber März 2022). Besonders Rohkaffee (+68,6 Prozent) und Getreide (+55,8 Prozent) waren gegenüber dem Vorjahresmonat weiterhin erheblich teurer, wie auch lebende Schweine, die im Vorjahresvergleich zu 28,9 Prozent höheren Preisen importiert wurden.

Veränderungen der Exportpreise im April 2022

Der Index der Exportpreise lag im April 2022 um 16,0 Prozent über dem Stand von April 2021. Eine größere Vorjahresveränderung hatte es auch hier zuletzt im Rahmen der ersten Ölkrise gegeben (+16,8 Prozent im November 1974 gegenüber November 1973). Im März 2022 und im Februar 2022 hatte die Jahresveränderungsrate bei +15,9 Prozent beziehungsweise bei +12,4 Prozent gelegen. Gegenüber dem Vormonat März 2022 stiegen die Exportpreise im Durchschnitt um 0,8 Prozent.

Den größten Einfluss auf die Entwicklung der Ausfuhrpreise im Vorjahresvergleich hatte im April 2022 die Preisentwicklung der Vorleistungsgüter, die einen Anteil von etwa einem Drittel an den Gesamtausfuhren haben, mit einem Plus von 21,6 Prozent (+3,2 Prozent gegenüber März 2022). Hier lagen besonders die Preise für Düngemittel und Stickstoffverbindungen (+135,7 Prozent) sowie für Metalle (+38,6 Prozent) über denen des Vorjahresmonats. Die hohen Preissteigerungen bei ausgeführten Energieträgern (+147,8 Prozent gegenüber April 2021) hatten wegen des geringen Anteils an der Ausfuhr insgesamt einen vergleichsweise schwächeren Einfluss auf den Gesamtindex als die Vorleistungsgüter.