Samstag, 5. Dezember 2020

Schweiz: Zuckerwarenhersteller 2019 unter hohem Importdruck

Bern / CH. (bs) 2019 verkauften die Schweizer Hersteller bei stagnierendem Umsatz insgesamt leicht mehr Zuckerwaren als im Vorjahr. Der positive Verlauf des Exportgeschäfts kompensierte die negative Entwicklung im Inlandgeschäft. Dieses stand unter hohem Importdruck, berichtet der eidgenössische Branchenverband Biscosuisse. Der Anteil zuckerfreier Produkte und von Swissmedic-registrierten Artikeln nahm zu. Bei den regulatorischen Rahmenbedingungen gibt es Entlastungspotenzial. Neue Freihandelsabkommen sind wichtig.

Die industriellen Hersteller von Schweizer Zuckerwaren verkauften 2019 insgesamt 1,4 Prozent mehr Waren als im Vorjahr. Trotzdem ist der Branchenumsatz leicht gesunken (-0,1 Prozent). Positive Wachstumsraten waren unter anderem bei den Hartbonbons (+2,9 Prozent) zu verzeichnen, die mit einem Anteil an der Gesamtproduktion von 69,2 Prozent die wichtigste Produktkategorie darstellen. Der Anteil der zuckerfreien Artikel an der Gesamtproduktion erhöhte sich um 4,9 Prozent auf 57,7 Prozent.

Sinkender Marktanteil der Schweizer Hersteller

Insgesamt ging 2019 der Inlandverkauf von in der Schweiz hergestellten Zuckerwaren um 0,2 Prozent zurück. Der damit generierte Umsatz sank um 1,7 Prozent auf 80,6 Millionen CHF. Damit hält der langjährige Negativ-Trend an: Seit 2013 ist der Inlandumsatz der Schweizer Hersteller um über 20 Prozent gesunken. Demgegenüber ist der Marktanteil der Importwaren auf 76,7 Prozent gestiegen. Der grösste Teil der deutlich billigeren Importwaren wurde aus Deutschland eingeführt. Mit dem Anstieg der Importwaren (+4,4 Prozent) stieg der Gesamt-Inlandabsatz um 3,3 Prozent. Der Marktanteil der einheimischen Hersteller schrumpfte auf 23,3 Prozent (-3,4 Prozent).

Leicht positive Entwicklung im Exportgeschäft

Während im Vergleich zum Vorjahr 1,7 Prozent mehr Zuckerwaren exportiert wurden, konnte der Export-Umsatz lediglich um 0,4 Prozent auf 285,6 Millionen CHF gesteigert werden. Der Exportanteil an der Gesamtproduktion erhöhte sich auf 83,0 Prozent (2018: 82,7 Prozent). Im Jahr 2019 wurden 89 Länder mit Schweizer Zuckerwaren beliefert. Dabei führten die USA mit einem Exportanteil von 23,9 Prozent weiterhin die Rangliste an, gefolgt von Deutschland, Frankreich und Spanien.

Wachstum bei Hartbonbons sowie Swissmedic-registrierten und zuckerfreien Produkten

Wachstumstreiber waren 2019 vor allem Hartbonbons (+4,4 Prozent im Inland; +2,8 Prozent im Export), während bei anderen Produktgruppen wie Dragées, Gelée- und Gummibonbons der Absatz deutlich zurückging. Positiv entwickelten sich der Anteil Swissmedic-registrierter Produkte im Inlandmarkt (+8,5 Prozent) und der Anteil zuckerfreier Produkte (+6,9 Prozent im Inland; +6,3 Prozent im Export).

Herausforderungen und Chancen bei den Rahmenbedingungen

Seit Anfang 2019 hat sich der Franken gegenüber dem Euro markant aufgewertet. Der Aufwertungsdruck dürfte als Folge der Corona-Krise 2020 anhalten. Die Einführung des Mindestgrenzschutzes für Zucker hat zu einem neuen agrarpolitischen Rohstoffpreis-Handicap für Schweizer Hersteller gegenüber der ausländischen Konkurrenz geführt. Deklarationsvorschriften mit «Swiss Finish» sorgen ebenfalls für unnötige Mehrkosten. Bei diesen regulatorischen Rahmenbedingungen gibt es Verbesserungspotenzial. Zudem gilt es, aussenhandelspolitische Chancen zu nutzen, so zum Beispiel mit Blick auf Freihandelsabkommen mit den Mercosur-Staaten oder gegebenenfalls mit den USA. Weitere Belastungen wie zum Beispiel eine Zuckersteuer würden hingegen die Rahmenbedingungen des Produktionsstandorts Schweiz weiter verschlechtern. Der starke Anstieg bei den zuckerfreien Produkten zeigt, dass die Anbieter auf die veränderten Bedürfnisse rasch reagieren und für ausreichend Alternativen sorgen.

Hinweis: Die Jahresmeldungen des eidgenössischen Branchenverbands Biscosuisse erscheinen in normalen Jahren stets Anfang März. Seit Ende Februar hat die Redaktion sporadisch auf dem Biscosuisse-Server nachgesehen – den Bericht mit Datum vom 08. April 2020 aber erst jetzt dort entdeckt. Entweder haben wir ihn die gesamte Zeit über mitten auf der Eingangsseite übersehen, oder die Umstände erlaubten es dem Branchenverband erst jetzt, den Bericht unter originalem Datum zu veröffentlichen. Wie auch immer: Wir freuen uns über die aktuellen Kennzahlen.