Montag, 22. Juli 2024
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Rewe: Konzern-Jahresüberschuss sinkt um 33 Prozent

Köln. (rg) Die Rewe-Gruppe hat das Geschäftsjahr 2022 erfolgreich abgeschlossen und entwickelt sich weiter stabil. Einmal mehr haben sich angesichts der vielfältigen Auswirkungen des Ukraine-Kriegs der konsequente Kurs und die breite und solide internationale Aufstellung (Handel, Touristik, Convenience) bewährt. Der Gesamtumsatz stieg – auch inflationsbedingt – auf ein hohes Niveau, während das Ergebnis (Ebita) knapp unter Vorjahresniveau sank. Die negativen Ergebniseffekte – bewusst kalkulierter Rückgang im Lebensmittelhandel Deutschland durch Investition in Kundenpreise, Kostensteigerungen u.a. aus Energie, Rohstoffen, Personal, Logistik sowie gezielte Risikovorsorge für einzelne Beteiligungen – konnten durch die positiven Beiträge anderer Konzern-Bereiche kompensiert werden. Vor allem die starke Rückkehr der Touristik nach der Corona-Pandemie, aber auch eine gute Entwicklung im internationalen Geschäft und bei Lekkerland haben dieses stabile Ergebnis ermöglicht. Die Investitionsoffensive der Rewe Group wurde 2022 nicht nur fortgesetzt, sondern auf sehr hohem Niveau verstärkt.

«Wir haben unsere Kunden 2022 nicht ohne Schirm im Inflationsregen stehen gelassen», löste Lionel Souque, Vorstandsvorsitzender der Rewe Group, sein Versprechen ein, «alleine in Deutschland haben wir wie angekündigt einen dreistelligen Millionen-Betrag investiert. Wir haben damit unsere Verkaufspreise wirksam und nachweisbar stabilisiert. Und bewusst einen Ergebnisrückgang im Lebensmittelhandel in Deutschland in Kauf genommen und aktiv auf Gewinn verzichtet.» Die Sortimentsinflation – also die Preissteigerungen in den Regalen von Rewe – konnte so auf das Gesamtjahr 2022 gerechnet mit 7,3 Prozent bei Rewe für die Kunden spürbar unter dem Verbraucherpreisindex – VPI – Nahrungsmittel 2022 von 13,4 Prozent gehalten werden, sagt Souque.

Genossenschafts-Prinzipien statt Maximierung Shareholder Value

«Wir haben mit der Entscheidung, im Lebensmittelhandel in unsere Kunden zu investieren, bewusst auf Ergebnis verzichtet. Was wir dank der starken Rückkehr der Touristik und der guten Performance weiterer Konzern-Bereiche kompensieren konnten. Das können wir tun, weil wir als Genossenschaft nicht dividendengetrieben sind, sondern auf nachhaltiges Wirtschaften und langfristiges Wachstum setzen – schließlich investieren wir bis zu 99 Prozent dessen was wir verdienen in die Weiterentwicklung unserer Geschäftsfelder», betonte Souque anlässlich der Veröffentlichung der noch nicht testierten Unternehmenszahlen in Köln. Zu dieser langfristigen Ausrichtung zähle beispielsweise auch die langjährige Portfolio-Management-Strategie der Rewe Group-Energiegroßhandelstochter EHA, die angesichts der durch die Decke gehenden Energiepreise 2022 in Deutschland die daraus resultierenden Kostensteigerungen um annährend 150 Millionen Euro abgemildert hatte. «Und wir haben unsere Investitionsoffensive in der Krise nicht wie andere runtergefahren oder eingestellt. Sondern ganz im Gegenteil in allen Geschäftsfeldern mit vollem Fokus auf die Kundenwünsche von morgen, Modernisierung, Digitalisierung, Innovation und Ökologisierung mit einem Gesamtvolumen von 2,8 Milliarden Euro sogar noch verstärkt.»

Solide Finanzkraft sichert erfolgreiche Entwicklung aus eigener Kraft ab

Insgesamt sei die breit aufgestellte internationale Unternehmensgruppe auch nach den letzten drei Jahren, die von wirtschaftlichen und gesellschaftspolitischen Extremen geprägt waren, finanziell sehr solide aufgestellt, erläuterte der Rewe Group-Vorstandsvorsitzende: «Mit Blick auf die Entwicklung von Umsatz, Ergebnis, Verschuldung, Eigenkapital und Investitionen sind wir in der Lage, unseren eingeschlagenen Gesamtkurs konsequent und aus eigener Kraft stabil fortzusetzen. Spieltaktik, Aufstellung und Mannschaft stimmen.» Fakt sei aber, dass ein Abfedern inflationsbedingter Entwicklungen – Stichwort Investitionen in Verkaufspreise – auch für die Rewe Group nur vorübergehend zu leisten ist. «Wir haben hier mit – im Vergleich zu anderen Branchen – insgesamt niedriger Umsatzrendite die weiter steigenden Kosten und unsere Ertragskraft sehr genau im Auge zu behalten. Dies ist – nicht zuletzt aus Verantwortung gegenüber europaweit Millionen von Kunden, 384.000 Mitarbeitenden, 10.000nden Partnern und Lieferanten sowie gegenüber unseren Eigentümern – notwendig, um mittel- und langfristig die Investitionen zu stemmen und uns als Unternehmen nachhaltig wirtschaftlich weiter entwickeln zu können», erklärte Lionel Souque.

Kundenvertrauen resultiert in Umsatzplus von 6,4 Prozent

Die Rewe Kaufleute unter dem Dach der genossenschaftlichen Rewe Group steigerten die Umsätze um 6,4 Prozent auf 15,9 Milliarden Euro. «Die selbstständigen Rewe Kaufleute konnten auch in einem für unsere Kunden wirtschaftlich sehr schwierigen Jahr punkten, sie sind und bleiben der Motor des Erfolgs der Rewe», sagt der Rewe Group- Vorstandsvorsitzende.

Gruppenumsatz steigt im Geschäftsjahr 2022 um 10,4 Prozent

Der Umsatz der Rewe Group stieg im abgelaufenen Geschäftsjahr von 76,8 Milliarden Euro um + 10,4 Prozent auf 84,8 Milliarden Euro. In Deutschland legte die genossenschaftliche Gruppe um 8,2 Prozent auf 58,6 Milliarden Euro (2021: 54,1 Milliarden. Euro), im Ausland um + 15,7 Prozent (wechselkursbereinigt: + 15,5 Prozent) auf 26,2 Milliarden Euro zu. Die Anzahl der Mitarbeitenden stieg um 1,4 Prozent auf 384.239. In Deutschland stieg die Anzahl leicht (+0,2 Prozent) auf 280.839, im Ausland legte die Gruppe um 4,7 Prozent auf rund 104.000 zu.

Rewe-Konzern navigiert erfolgreich durch Krisenjahr 2022

Der Umsatz des Rewe-Konzerns – ohne selbstständigen Einzelhandel und At-Equity-Gesellschaften – aus fortzuführendem Geschäft stieg im vergangenen Jahr um 11,3 Prozent von 69,4 Milliarden Euro auf 77,2 Milliarden Euro. Der Umsatzzuwachs in Deutschland lag bei + 8,7 Prozent auf 51,3 Milliarden Euro und im Ausland bei + 16,8 Prozent (wechselkursbereinigt + 16,6 Prozent) auf 25,9 Milliarden Euro.

Das operative Ergebnis Ebita sinkt um 2,3 Prozent von 1,49 Milliarden Euro (2021) auf 1,45 Milliarden Euro, der Konzern-Jahresüberschuss sinkt um 33,4 Prozent von 755,6 Millionen Euro auf 503,5 Millionen Euro.

Das Konzern-Ergebnis der internationalen Gruppe ist von zwei gegenläufigen Entwicklungen geprägt. Der bewusst in Kauf genommene Rückgang im Ergebnis beim Lebensmittelhandel Deutschland (Rewe, Penny), Kostensteigerungen aus Energie, Rohstoffen, Logistik oder Personal sowie die gezielte Risikovorsorge bei einzelnen Beteiligungen werden durch andere Konzern-Bereiche kompensiert, insbesondere hat die positive Entwicklung bei der Touristik dazu beigetragen, ergänzt durch einen guten Verlauf im internationalen Geschäft sowie bei Lekkerland.

Gleichzeitig hat der Konzern seine Investitionstätigkeit trotz Krise weiter verstärkt: Die Investitionen in Sachanlagen und immaterielle Vermögenswerte steigt um rund 520 Millionen Euro von 2,3 Milliarden Euro auf 2,8 Milliarden Euro.

Für das laufende Jahr plant die Rewe Group Investitionen in Höhe von 2,7 Milliarden Euro. Das Eigenkapital stieg um 8,5 Prozent von 8,6 Milliarden Euro auf 9,4 Milliarden Euro.

Umsatzentwicklung in einzelnen Divisionen des Konzerns

Der Umsatz des Geschäftsfelds Handel Deutschland (Rewe-Filialen und Penny) wuchs um 6,8 Prozent auf 37,4 Milliarden Euro. Das Geschäftsfeld Handel International, bestehend aus dem Vollsortiment Österreich (BILLA, BIPA, ADEG), dem Vollsortiment CEE (BILLA, IKI) und Penny International, legte (wechselkursbereinigt + 10,2 Prozent) um 10,5 Prozent auf 17,3 Milliarden Euro zu.

Das Vollsortiment National erzielte ein Umsatzplus von 6,1 Prozent auf 28,4 Milliarden Euro. Darin enthalten sind der Einzelhandelsumsatz der Rewe-Filialen und der Großhandelsumsatz mit den Kaufleuten sowie sonstigen Partnern.

Im Vollsortiment International (Vollsortiment Österreich und Vollsortiment CEE) stieg der Umsatz um rund elf Prozent auf mehr als elf Milliarden Euro. Dabei erreichte der Umsatz im Vollsortiment Österreich mit BILLA, BIPA und ADEG ein Plus von 4,2 Prozent auf 7,3 Milliarden Euro. Vollsortiment CEE (BILLA, IKI) steigerte den Umsatz um 13,4 Prozent (wechselkursbereinigt: 11,5 Prozent) auf 3,5 Milliarden Euro.

Penny Deutschland erreichte 2022 ein Umsatzplus von 8,9 Prozent auf 8,8 Milliarden Euro. Bei einem nahezu konstanten Filialnetz von 2.135 Märkten stieg die Anzahl der Kunden deutlich um knapp elf Prozent auf mehr als eine halbe Milliarde.

Penny International, in Italien, Österreich, Ungarn, Rumänien und Tschechien tätig, steigerte den Umsatz um 16,7 Prozent (wechselkursbereinigt: 16,9 Prozent) auf 6,6 Milliarden Euro. Unter Berücksichtigung der Wechselkurse wuchs Penny mit einem Plus von mehr als 27 Prozent in Rumänien am stärksten, gefolgt von Ungarn und Tschechien.

Das Geschäftsfeld Convenience mit dem nationalen und internationalen Geschäft der Lekkerland Gruppe wuchs um 4,2 Prozent auf 14,2 Milliarden Euro. In Deutschland stiegen die Umsätze der Rewe to go Märkte stark um mehr als elf Prozent.

Die Umsätze im Geschäftsfeld Baumarkt wuchsen um 8,7 Prozent gegenüber dem Vorjahr auf 2,6 Milliarden Euro.

Die fakturierten Umsätze der Touristik haben sich im Vorjahresvergleich deutlich mehr als verdoppelt auf 5,7 Milliarden Euro. «Im Sommer 2022 kehrt die Reiselust der Europäer zurück und näherte sich bei den Veranstaltern der DER Touristik wieder dem Vorkrisenniveau. Über alle Quellmärkte hinweg verzeichnete die DER Touristik Group einen sehr starken Reisesommer mit Umsätzen, die in Teilen sogar über dem Niveau von 2019 lagen», fasst Lionel Souque die erfreuliche Entwicklung zusammen (Foto: Rewe-Gruppe).