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Retourenquote: WWF fordert verbindliche Reduktionsziele

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Berlin. (eb) Ein Thema, das den backenden Branchen seit Jahren auf den Nägeln brennt, ist die Retourenquote. Die liegt im Schnitt bei zwölf bis 15 Prozent und es ist nicht einfach, sie in den Griff zu bekommen – sonst müssten wir nicht immer wieder darüber schreiben. Es gibt diverse Methoden und Werkzeuge, die allfällige Verschwendung von Lebensmitteln einzudämmen. Ernstzunehmende wissenschaftliche Untersuchungen und daraus abgeleitete Handlungsempfehlungen für die Praxis nützen allerdings wenig, wenn zum Beispiel Bäckereien auf unbelehrbare Verbraucher treffen. Oder wenn Großbetriebe im Rahmen ihres Distributionsmodells die Retouren schlicht einkalkulieren, weil alles andere zu kompliziert und fehleranfällig wäre in der Lieferkette. Wie man es dreht und wendet: Nach aktuellen Schätzungen ergeben sich bei Brot und Gebäck in Deutschland insgesamt Verluste von etwa 1,7 Millionen Tonnen pro Jahr. Die ökologischen Auswirkungen: Die Ernte von rund 398.000 Hektar Ackerland wird verschwendet. Das entspricht einem Acker der größer ist als Mallorca. Zudem werden unnötige 2,46 Millionen Tonnen Treibhausgase ausgestoßen.

WWF-Studie: «Unser täglich Brot»

Jetzt hat sich der WWF Deutschland des Themas angenommen und in dieser Woche seine Studie «Unser täglich Brot» vorgestellt. Die wurde von Mai 2017 bis März 2018 auf Grundlage einer umfassenden Recherche sowie Interviews und Fallanalysen durchgeführt. Die Recherche sei von zahlreichen Schwierigkeiten begleitet gewesen, unter anderem durch die mangelnde Kooperation- und Auskunftsbereitschaft verschiedener Akteure entlang der Retourenkette vom Backbetrieb bis zur Futtermittelindustrie. Bei seiner Recherche ist der WWF nicht schlauer geworden, als wir schon sind. Er gibt Handlungsempfehlungen an Produzenten und Verbraucher, die jeder Bäckereiunternehmer sofort unterschreiben könnte – wäre das Thema nicht so vielschichtig und manchmal auch unberechenbar. Zudem stellt der WWF konkrete Forderungen an die Politik. Die Studie «Unser täglich Brot» gibt es sowohl in einer Langfassung als auch Kurzfassung zum Download.

Wer denkt bei Backwaren gleich an Mikroplastik?

Wer an die Verwertung von Brot und Gebäck als Tierfutter denkt, der wähnt sich weit entfernt vom Thema Mikroplastik – ist aber viel näher dran als gedacht, weil Altbrot nicht unbedingt von seiner Verpackung befreit wird, bevor es im Schredder landet. Hierzu schreibt WWF Deutschland:

«Nach WWF-Schätzung werden mindestens 400.000 Tonnen überschüssige Backwaren pro Jahr zu Tierfutter – vor allem für die Schweinmast. Wie die WWF-Recherche offenbart, wird das Brot mitsamt den Verpackungen maschinell zerkleinert, um es danach von diesen Rückständen zu befreien. Es ist davon auszugehen, dass Plastikteilchen – insbesondere Mikroplastik – nicht zuverlässig entfernt werden. Das Problem ist aus der Kompostierung und Vergärung bekannt: Laut Studien enthalten die fünf Millionen Tonnen Kompost, die in Deutschland pro Jahr erzeugt werden, mehrere Milliarden Plastikpartikel. Im September 2018 beschloss der Bundesrat, die Verwertung über Kompostierung oder Vergärung auf nicht in Kunststoffe verpackte oder vollständig entpackte und fremdstofffreie Lebensmittelabfälle zu beschränken. «Das Problem von Plastikrückständen im Kompost und in Biogasanlagen anzugehen, war richtig. Es ist allerdings unverständlich, warum hingenommen wird, dass Plastik ins Tierfutter und damit nicht nur in unsere Umwelt, sondern direkt in die menschliche Nahrungskette gelangen kann», sagt Studienkoordinatorin Tanja Dräger de Teran vom WWF Deutschland. «Die Herstellung von Tierfuttermittel aus Backwaren muss dringend in Augenschein genommen werden. Die Praxis, Verpackungen erst im Herstellungsprozess zu entfernen, erscheint mir äußerst fragwürdig» (Foto: pixabay.com).