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 Ausgabe 06/11 -- 11. Februar 2011

11. Jahrgang 

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Ukraine: Kostendruck zwingt viele Betriebe zur Aufgabe

 

 

Kiew / UA. (07.02. / gtai) Schwierige Zeiten macht die Brot- und Backwarenindustrie der Ukraine seit Mitte 2010 durch. Im Gefolge der Preissteigerungen bei Getreide und Mehl sowie bei Erdgas setzte im 2. Halbjahr 2010 ab etwa September unter den staatlichen, kommunalen und privaten Bäckereien und Brotfabriken ein Betriebssterben ein. Viele Kleinbetriebe gaben auf. Großunternehmen wie die Holdinggesellschaften TiS und Khlebnye Investitsii nutzen diese Situation aus, steigern ihre Produktion und erhöhen ihre Marktanteile - berichtet Germany Trade + Invest (Bonn / Berlin).

 

Die größten Produzenten von Brot und Gebäck

Die größten Mitspieler im Markt sind in der Ukraine KyivKhlib (Marktanteil 2009: 13 Prozent) und DonetskKhlib (neun Prozent). Zu den übrigen Großunternehmen der Branche zählen die Holding TiS (7,5 Prozent), KhliboDar (sieben Prozent), die Konzerne UkrZernoProm und KhlibProm, die Firmen Formula Smaku und Khlebnye Investitsii (alle fünf Prozent) sowie Korovai (drei Prozent). Alle übrigen Betriebe der ukrainischen Brot- und Backwarenindustrie kamen auf einen Marktanteil von zusammen 40,5 Prozent. Zu den erfolgreichsten Unternehmen der Brot- und Backwarenindustrie dürfte die Holding TiS in Kiew zählen. Sie konnte ihren Marktanteil von sechs Prozent (2006) auf 7,5 Prozent (2009) steigern.

 

Nach Angaben von Volodymyr Slabovsky, Präsident von TiS, bearbeitet sein Unternehmen seit 2009 auch verstärkt Exportmärkte. Man liefere neuerdings Feingebäck nach Russland und nach Weißrussland. Die jüngsten Umsatzsteigerungen bei TiS resultieren Slabovsky zufolge aus der Umrüstung der Produktion mit moderner, effizienter und energiesparender Technik, aus der Entwicklung des firmeneigenen Einzelhandels- und nationalen Distributionsnetzes, aus dem Gang auf Außenmärkte sowie aus sortimentspolitischen Maßnahmen, verbunden mit der Herausnahme margenschwacher Produkte aus dem Angebot.

 

Was wird aus Khlib Ukrainy?

Der staatliche Konzern Khlib Ukrainy, Kiew, ist im September 2010 vom Kiewer Wirtschaftsgericht für zahlungsunfähig erklärt worden. Pressemeldungen zufolge geht die Insolvenz des Betreibers von annähernd 80 Getreidemühlen und -speichern auf einen Antrag der Raiffeisenbank Aval zurück, der ukrainischen Tochtergesellschaft der österreichischen Raiffeisenbank. Das Unternehmen habe seine Verbindlichkeiten gegenüber dem Kreditinstitut in einer Gesamthöhe von zirka neun Millionen Griwna (860.000 Euro) nicht termingerecht tilgen können. Die Betriebe von Khlib Ukrainy sollen nun teils in eine neu gegründete staatliche Auffanggesellschaft eingebracht und teils privatisiert werden. Einige ukrainische private Agrar-Holdings haben bereits ihr Interesse am Erwerb von Getreidesilos und Mühlen bekundet. Möglicherweise werden die Reste von Khlib Ukrainy mit dem staatlichen Agrarfonds verschmolzen.

 

Ausländische Investoren sind willkommen

Der Tycoon Vitali Antonov, Eigentümer der Investmentgesellschaft Universalnaya Investitsionnaya Grupa (UIG) und Mehrheitsgesellschafter beim Brot- und Backwarenkonzern KhlibProm in Lviv, ging im Oktober 2010 mit dem Plan an die Öffentlichkeit, ein Aktienpaket von 25 Prozent an einen strategischen Investor zu verkaufen. Antonov wünscht dem Vernehmen nach den Kapitaleinstieg eines großen westeuropäischen Unternehmens in den Konzern, der als der zweit- oder drittgrößte Produzent der Brot- und Backwarenindustrie der Ukraine gilt.

 

Branchenexperten beziffern den derzeitigen Marktwert von KhlibProm auf 70 Millionen bis 75 Millionen US-Dollar. Betriebe des Konzerns stellen unter anderem tiefgekühltes Gebäck für Einzelhandelsketten und das konzerneigene Ladennetz her. Letzteres umfasst derzeit zirka 115 Verkaufsstellen in fünf Regionen der West- und Zentral-Ukraine. KhlibProm verfügt Presseberichten zufolge über zwölf Brot- und Backwarenfabriken sowie über vier Getreidespeicher und -mühlen.

 

Beschränkungen im Getreideexport

Die Regierung ist darum bemüht, den Anstieg der Getreidepreise auf dem Binnenmarkt durch Ausfuhrbeschränkungen zu dämpfen. Nachdem es bereits im August und September wachsende Behinderungen der Getreideausfuhr durch den Zoll und andere Behörden gegeben hatte, veröffentlichte das Ministerkabinett am 19. Oktober 2010 die Verordnung Nr. 938, mit welcher die Getreideexporte bis Ende 2010 durch die Einführung einer Quote auf 2,7 Millionen Tonnen beschränkt wurden; davon 2,0 Millionen Tonnen Mais, 0,5 Millionen Tonnen Weizen und Weizen-Roggen-Gemische, 0,2 Millionen Tonnen Gerste sowie geringe Mengen Roggen und Buchweizen (jeweils 1.000 Tonnen).

 

Das Wirtschaftsministerium rechtfertigte die Quote mit den Ernteausfällen, hervorgerufen durch das heiße und trockene Wetter im Juli und August 2010. Mit 39,1 Millionen Tonnen in 2010 - nach 46,0 Millionen Tonnen in 2009 und einer Rekordernte von 53,3 Millionen Tonnen in 2008 - lag die Getreideernte trotz der Dürre bedingten Verluste immer noch über den Durchschnittserträgen der letzten zehn Jahre und ist die fünfhöchste seit 1991. In Russland hatten ungünstige Witterungsbedingungen zusammen mit Waldbränden zu einem noch stärkeren Rückgang der Getreideerträge als in der Ukraine und zu einem vollständigen Exportverbot geführt.

 

Ausfuhrbeschränkungen stehen in der Kritik

An den Ausfuhrbeschränkungen üben in- und ausländische Vertreter von Wirtschaft und Politik deutliche Kritik. Ihr Tenor: Der mit dieser Maßnahme bezweckte Schutz der Konsumenten, vor allem der sozial schwachen unter ihnen, sei ineffizient. Von den niedrigeren Getreidepreisen auf dem Binnenmarkt - das Gefälle zu den Weltmarktpreisen machte Ende 2010 bei Weizen zirka 50 US-Dollar je Tonne aus - profitierten nicht nur die Bedürftigen, sondern auch diejenigen, die höhere Preise verkraften könnten. Außerdem hänge der Brotpreis nicht so sehr von den Getreidepreisen als vielmehr von den Vereinbarungen über administrierte Preise für Brot und Mehl ab, welche die Regierung mit den großenteils staatlichen oder kommunalen Betrieben der Brot- und Backwarenindustrie abschließt.

 

Der große Nachteil der Exportquote besteht, so die Kritik, in reduzierten Erlösen der Landwirtschaft. Schätzungen der Umsatzeinbußen allein im 4. Quartal 2010 gehen bis 1,9 Milliarden US-Dollar. Getreide ist hinter Stahlerzeugnissen der größte Posten der Exportwirtschaft.

 

Das Landwirtschaftsministerium begann im November 2010 mit einer chaotischen, nicht transparenten Zuteilung von Exportquoten für Weizen, Mais und Gerste an in- und ausländische Getreidehandelsfirmen. Wie stets bei derartigen Vorgängen in der Ukraine, erhoben nicht berücksichtigte Firmen Vorwürfe, es seien Korruption und Manipulation im Spiel gewesen. Wie das Ministerium Ende November 2010 mitteilte, plant die Regierung, mit der Quotierung der Getreideausfuhr bis zum 01. Juli 2011 fortzufahren. Das WTO-Mitgliedsland setzt sich damit der Gefahr von Sanktionen anderer Mitglieder der Welthandelsorganisation aus.

 

Getreideausfuhr wird weiter zurückgehen

Ersten Experten-Prognosen zufolge wird die Getreideausfuhr von 24,9 Millionen Tonnen (Ist-Zahl für das Marktjahr 2008/2009) über 21,5 Millionen Tonnen (Ist-Zahl Marktjahr 2009/2010) auf 14 Millionen bis höchstens 15 Millionen Tonnen (Marktjahr 2010/2011) zurückgehen. Die Ukraine hatte sich in der Zeit ihrer staatlichen Unabhängigkeit zu einem wichtigen Getreideexporteur entwickelt. Ihr Anteil am Weltgetreidemarkt stieg von nahe null Prozent Anfang der 90er Jahre auf knapp zehn Prozent im Marketing-Jahr 2008/2009. Dieser Anteil markiert den bisherigen Höchststand. In den Marktjahren 2008/2009 und 2009/2010 war die Ukraine der weltweit größte Exporteur von Gerste und (nach den USA, der EU und Kanada) der viertgrößte von Weizen. Das Land rangierte damit vor traditionellen Exportländern wie Australien und Argentinien (Quelle: Germany Trade + Invest).

 

 

 

 

DIESER BEITRAG GEHÖRT ZUM WEBBAECKER INFODIENST FÜR DIE 06. KALENDERWOCHE 2011

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