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 Ausgabe 34/11 -- 26. August 2011

11. Jahrgang 

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Außenhandel: Slowakei importiert immer mehr Lebensmittel

 

 

Bratislava / SK. (20.08. / gtai) Die Slowakei wird immer stärker von Lebensmitteleinfuhren abhängig. 2010 wurden mehr als 60 Prozent des Bedarfs über Importe abgedeckt. Die Einfuhr von Nahrungs- und Genussmitteln erreichte mit rund 3,0 Milliarden Euro einen neuen Rekordwert. Dies entsprach einem Plus von 16 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Direkt aus Deutschland kam etwas über ein Zehntel. Chancen für teurere Markenartikel oder Nischenprodukte wie Biolebensmittel tun sich vor allem in der Westslowakei auf, in der die Kaufkraft größer ist - berichtet Germany Trade + Invest (GTAI).

 

Mit 5,4 Millionen Einwohnern ist der slowakische Lebensmittelmarkt der kleinste unter den Visegrad-Staaten (Tschechische Republik, Polen, Ungarn, Slowakei), weist aber den größten Anteil ausländischer Produkte auf. Nur noch die Hälfte der in den Geschäften angebotenen Lebensmittel stammt aus heimischer Produktion. Das stellte eine von der Slowakischen Lebensmittelkammer in Auftrag gegebene Erhebung der Marktforschungsgesellschaft GfK Slovakia fest. Sie wurde im April 2011 durchgeführt und prüfte das Angebot von 360 Geschäften. Am geringsten vertreten sind slowakische Marken unter den konservierten Lebensmitteln (27 Prozent), nichtalkoholischen Getränken (36 Prozent), Süßigkeiten außer Schokolade (37 Prozent) und Ölen (40 Prozent). Mehr als die Hälfte machte das slowakische Angebot bei Mineralwasser (67 Prozent) aus, aber auch bei Fleischwaren (62 Prozent) und Milchprodukten (57 Prozent).

 

Den Berechnungen der slowakischen Landwirtschafts- und Lebensmittelkammer SPPK zufolge ist der Wert des heimischen Anteils 2010 gar auf 32,4 Prozent abgestürzt. 2009 waren es 39,4 Prozent, 2008 noch 42,8 Prozent. Beide Institutionen warnen vor diesem Trend, da er den nationalen Agrarsektor und die Nahrungsmittelindustrie bedrohe, zu Entlassungen führe und das Außenhandelsbilanzdefizit bei Lebensmitteln von Jahr zu Jahr vergrößere. Sie versuchen die Verbraucher und den Einzelhandel stärker für slowakische Nahrungsmittel zu sensibilisieren.

 

Die Ausgaben für Lebensmittel und nichtalkoholische Getränke lagen laut Slowakischem Statistikamt (Slovstat) 2010 pro Kopf und Monat bei rund 67 Euro, knapp zwei Euro mehr als 2009. Ihr Anteil an den finanziellen Gesamtausgaben der Haushalte hat um etwa einen Prozentpunkt auf 19,3 Prozent zugenommen. Bei Haushalten mit geringeren Einkommen erreicht er ein Viertel. Geht es nach dem Bericht des Landwirtschaftsministeriums über den Agrar- und Lebensmittelsektor, der sich zur Drucklegung noch im Anmerkungsprozess befand, war der Lebensmittelverbrauch 2010 insgesamt rückläufig. Zuwächse gab es beim jährlichen Konsum pro Kopf nur bei den Milch- und Molkereiprodukten (5,6 Kilogramm auf 159,4 Kilo) sowie Fisch (0,4 Kilo auf 5,0 Kilo). Rückläufig war er unter anderem bei Fleisch (minus 2,2 Kilo auf 56,5 Kilo), Gemüse (minus 7,6 auf 94,9 Kilo), Früchten (minus 3,8 auf 51,5 Kilo). Nach wie vor liege der Verbrauch von Rindfleisch, Hülsenfrüchten, Gemüse, Kartoffeln, Obst, Milch und Milchprodukten, Mehl und Fisch unter den empfohlenen Mengen, heißt es in dem Bericht. Vor allem der Verbrauch von Fleisch und Konsummilch sei seit der politischen Wende stark zurückgegangen. Wurden 1990 pro Kopf 84 Kilo Fleisch konsumiert, waren es 2010 knapp 57 Kilo. Bei Milch war der Rückgang noch ausgeprägter - von 111 Kilo auf 53 Kilogramm.

 

Die zunehmende Importabhängigkeit bei der Lebensmittelversorgung schlägt sich in einem wachsenden Defizit des slowakischen Außenhandels mit Nahrungsmitteln nieder. Laut Eurostat betrug es 2010 rund 993,9 Millionen Euro. Den größten Negativposten bildeten Gemüse und Früchte (minus 380,2 Millionen Euro) sowie Fleisch und Fleischerzeugnisse (minus 254,7 Millionen Euro), aber auch Molkereiprodukte (minus 61,8 Millionen Euro). Positiv schneidet die Slowakei im Handel mit Getreide- und Getreideerzeugnissen ab (55,7 Millionen Euro), aber auch Zucker, Zuckerwaren, Honig (54,0 Millionen Euro) sowie Ölen und Fetten (83,5 Millionen Euro). 2010 wurden laut Eurostat Nahrungsmittel, Getränke und Tabak im Wert von 3,0 Milliarden Euro importiert (darunter Nahrungsmittel im Wert von 2,4 Milliarden Euro). Das entsprach einem Zuwachs von 16,3 Prozent gegenüber dem Vorjahr.

 

Deutschland steht als Lieferland in der Statistik an vierter Stelle mit einem Anteil an den Nahrungsmittelimporten von 13 Prozent und überdurchschnittlicher Wachstumsdynamik (27 Prozent). Wichtigstes Lieferland ist Nachbar Tschechien mit einem Anteil von 41 Prozent (910,1 Millionen Euro). Dahinter stehen gemeinsame Geschmacks-, Marken- und Unternehmenstraditionen. Auch können ausländische Produkte darunter sein, da manche Handelsgesellschaften von Tschechien aus die Slowakei beliefern. An zweiter Stelle folgt Ungarn mit Lieferungen im Wert von 429,1 Millionen Euro, Polen (344,5 Millionen Euro), Deutschland (334,2 Millionen Euro) und Österreich (100,5 Millionen Euro).

 

Entsprechend ist das Lebensmittelangebot in den Supermärkten von ausländischen, darunter vielen mittelosteuropäischen Marken geprägt. Deutschen Anbietern kommt entgegen, dass unter den sechs umsatzstärksten Handelsketten vier aus Deutschland stammen (Kaufland, Billa, Metro Cash+Carry Slovakia und Lidl). Für den Vertrieb von Biolebensmitteln aus Deutschland spielen auch die DM-Drogerie-Märkte eine wichtige Rolle. Die meisten slowakischen Produkte im Sortiment hat traditionell das slowakische Handelsgenossenschaftsnetz Coop Jednota Slovensko. Bei der Markterschließung ist das Kaufkraftgefälle zu berücksichtigen, das zwischen dem vergleichsweise gutsituierten Westen der Slowakei und dem ärmeren Osten besteht. Die meisten Einkaufszentren und Supermärkte sind im westlichen Landesteil, vor allem in der Hauptstadt Bratislava, angesiedelt.

 

Der Verbrauch 2011 wird bestimmt durch die hohe Arbeitslosigkeit und die allgemeine Teuerung, die die Lohnzuwächse entwertet. Lebensmittel und nichtalkoholische Getränke haben sich nach Angaben von Slovstat im 1. Halbjahr auf Vorjahresbasis um 6,8 Prozent verteuert. Unter anderem ist die Mehrwertsteuer zum 01. Januar 2011 um einen Prozentpunkt auf 20 Prozent angehoben worden. Die Slowaken, deren Löhne in der EU zu den niedrigstenen gehören, zahlen mit die höchste Mehrwertsteuer auf Lebensmittel. Preistreibend wirkt nach Informationen der SPPK auch die Abschaffung der Steuervergünstigungen auf Dieseltreibstoff, der in der Landwirtschaft zum Einsatz kommt. Zwar kann der Grundbedarf an Lebensmitteln kaum weiter reduziert werden, doch müssen die meisten Menschen extrem preisbewusst einkaufen. Aus dem Einzelhandel ist zu hören, dass die Kunden zum Beispiel den Fleischkonsum weiter zurückfahren. Eine allgemeine Reduzierung der Mehrwertsteuer auf Lebensmittel steht wegen des strikten Sparkurses nicht zur Diskussion. Allein für den Hof-Verkauf galt zwischenzeitlich als konjunkturstützende Maßnahme ein ermäßigter Satz, der inzwischen wieder dem vollen Satz gewichen ist.

 

Auf die Zurückhaltung der Verbraucher, die am ehesten bei den Markenwaren ansetzt, reagiert der Einzelhandel mit der Ausweitung der Eigenmarken, unter denen preisgünstigere Produkte angeboten werden. Als Nische haben sich Biolebensmittel etabliert. Es gibt eine gesundheitsbewusste Käuferschicht, die in wachsendem Maße Produkte aus ökologischem Anbau nachfragt und bereit ist, für diese mehr zu bezahlen als für konventionelle Produkte. Diese Käufer finden sich vor allem in der kaufkraftstarken Hauptstadt, aber auch in Städten wie Banska Bystrica, Zilina oder Kosice. Das Volumen des Marktes für Biolebensmittel wird von der Agentur Green marketing, die Marktanalysen über den slowakischen und tschechischen Markt mit Biolebensmitteln herausgibt, auf etwa 10,0 Millionen Euro geschätzt. Der Großteil der Produkte wird über Supermärkte und die Filialen des DM-Drogeriemarktes vertrieben. Daneben gibt es Dutzende von speziellen Geschäften mit Bio-Sortiment. Auch die Gastronomie stellt sich inzwischen auf die Nachfrage nach Bio-Qualität ein.

 

Hochwertige Produkte aus heimischer Erzeugung können das slowakische Gütesiegel «Znacka kvality SK» beantragen, das sich aber nach Meinung der Landwirtschafts- und Lebensmittelkammer noch viel zu wenig durchgesetzt hat. Um in dem internationalen Angebot slowakische Produkte schnell auffindbar zu machen, schlägt die Kammer einen speziellen Auszeichnungskode 858 vor. Zugleich will sie Znacka kvality SK noch stärker bewerben und plant Kampagnen zur Verbraucheraufklärung. Wie andere Länder auch hat die Slowakei Produkte mit spezieller Tradition von Brüssel als geschützte Bezeichnungen genehmigen lassen. Dazu zählen der bekannte Schafsweichkäse Bryndza, aber auch die jüngst anerkannten Würstchen Spisske parky oder die Wurst Liptovsky salam.

 

Nach Angaben von Slovstat setzte die Lebens- und Genussmittelindustrie (NACE 10 bis 12) 2010 rund 3,8 Milliarden Euro (laufende Preise) um. In konstanten Preisen des Vorjahres war das ein Anstieg um 5,6 Prozent, der erste nach drei Jahren. Vor allem 2009 waren die Erlöse mit 13,3 Prozent stark eingebrochen. Das Erholungstempo hielt im 1. Halbjahr 2011 an. Das Wirtschaftsergebnis vor Steuern war erneut positiv, lagt aber mit 127,8 Millionen Euro unter dem Vorjahreswert von 196,2 Millionen Euro. Nach Aussagen des Landwirtschaftsministeriums für 2009 sind die umsatzstärksten Segmente die Verarbeitung und Konservierung von Fleisch und Fleischerzeugnissen (19 Prozent) gefolgt von Milcherzeugnissen (16 Prozent), Brot und Mehlwaren (zwölf Prozent) sowie Bier- und Hopfen (zehn Prozent). Der Sektor ist stark von ausländischen Investoren geprägt. Zu den größten Unternehmen gehören der Fleischverarbeiter Mecom Group Humenne (in Hand der tschechisch-slowakischen Finanzgruppe Penta), Kraft Foods Slovakia (Süßigkeiten und Schokolade), Heineken Slovensko, der zur deutschen Meggle AG gehörende Produzent von Milcherzeugnissen Rajo in Bratislava und Nestle Slovensko.

 

Geht es nach der Importstatistik, hat der Sektor verstärkt in Maschinen und Anlagen investiert. Die Einfuhren von Nahrungsmittel-, Abfüll- und Verpackungsmaschinen steigerten sich gegenüber 2009 um 9,5 Prozent auf 61,2 Millionen Euro (Quelle: GTAI).

 

 

Slowakische Einfuhren von Nahrungs- und Genussmitteln (in Millionen Euro):

 

SITC Produktgruppe 2009 2010 2010 aus DE
01 Fleisch + Fleischprodukte 383 437 54
02 Milch + Milchprodukte, Vogeleier 228 322 52
03 Fische, andere Wassertiere + Zubereitungen 48 58 8
04 Getreide + Getreideprodukte, Teig- + Backwaren 242 311 19
05 Gemüse, Früchte + Zubereitungen 468 533 74
06 Zucker, Zuckerwaren, Honig 179 220 14
07 Kaffee, Tee, Kakao, Gewürze + Waren daraus 288 280 67
09 Verschiedene Lebensmittel + Zubereitungen 221 225 24
11 Getränke 289 271 10
12 Tabakwaren 52 99 8
22,41-43 Ölsaaten, ölhaltige Früchte, Öle + Fette ... 169 217 23
Summe 2.557 2.974 353

Quelle: Eurostat (über GTAI)

 

 

 

 

DIESER BEITRAG GEHÖRT ZUM WEBBAECKER INFODIENST FÜR DIE 34. KALENDERWOCHE 2011

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