Freitag, 2. Dezember 2022

PwC: Höhere Preise lassen Konsumenten den Cent zweimal umdrehen

Düsseldorf. (pwc) Seit dem Einmarsch der russischen Truppen in der Ukraine Ende Februar sind die ohnehin hohen Preise für Benzin, Strom, Gas und Heizöl stark gestiegen. Auch Lebensmittel wie Getreide, Fleisch oder Pflanzenöl werden immer teurer. Die Mehrkosten für einen durchschnittlichen deutschen Haushalt belaufen sich laut Szenario-Berechnungen der Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsgesellschaft PricewaterhouseCoopers (PwC) Deutschland auf Basis von aktuellen Zahlen des Statistischen Bundesamts und des ifo-Instituts auf bis zu 242 Euro im Monat.

Die Verbraucher reagieren auf Preissteigerungen, indem sie verstärkt auf Sonderangebote zurückgreifen (58 Prozent) und günstigere Eigenmarken wählen (39 Prozent). Gut jeder Vierte (27 Prozent) geht für bestimmte Produkte zum Discounter. Fast ebenso viele (24 Prozent) üben Verzicht – und kaufen weniger von bestimmten Produkten, etwa Fleisch und Wurst. Zu diesen Ergebnissen kommt eine Befragung von PwC Deutschland in Kooperation mit dem Crowdsourcing-Marktforschungsunternehmen POSpulse, an der 1.001 Personen ab 18 Jahren in Deutschland teilgenommen haben. Die Umfrage fand im Januar 2022 statt und somit noch vor Beginn der russischen Invasion. Die seitdem beschleunigte Inflation dürfte die Änderungen des Konsumverhaltens verstärken.

Einschnitte gehen über Lebensmittel hinaus

«In der aktuellen Situation sehen die Verbraucher notgedrungen wieder verstärkt auf das Preisschild: Sie greifen zu Sonderangeboten und günstigen Eigenmarken, während verzichtbare Genussmittel und teure Bio-Lebensmittel vermehrt im Regal bleiben», sagt Dr. Christian Wulff, Leiter des Geschäftsbereichs Handel und Konsumgüter bei PwC Deutschland und EMEA.

Die Auswirkungen des Preisanstiegs bei Lebensmitteln beeinträchtigen auch weitere Konsumbereiche, erklärt Andreas Späne, Partner Retail + Consumer Practice bei Strategy+, der globalen Strategieberatung von PwC: «Haushalte werden zugunsten des Lebensmittelkaufs an anderen Stellen sparen und zum Beispiel ihre Ausgaben für Mode, Gastronomie und Reisen drastisch reduzieren. Somit drohen diese Marktsegmente einen möglichen Aufschwung zu verpassen, der mit der Rücknahme der Corona-Maßnahmen zu erwarten gewesen wäre.»

2.904 Euro Mehrkosten für einen durchschnittlichen Haushalt

Laut Statistischem Bundesamt betrug die Preissteigerung für Lebensmittel im Februar 2022 schon gut fünf Prozent gegenüber dem Februar des Vorjahrs. Das ifo-Institut rechnet damit, dass die Preise für Lebensmittel 2022 um insgesamt sieben Prozent im Vergleich zum Vorjahr zulegen werden. Die PwC-Experten rechnen dabei mit deutlich stärken Preissteigerungen in bestimmten Produktgruppen. Preise für Fleisch und Fleischwaren könnten im Worst-Case-Szenario möglicherweise um bis zu 50 Prozent steigen, etwa aufgrund höherer Preise für Futtermittel (zum Beispiel Mais), Transport und Kühlung. Für einen durchschnittlichen deutschen Haushalt bedeuten die Preissteigerungen monatliche Mehrkosten von insgesamt rund 242 Euro- das sind 2.904 Euro im Jahr. Davon entfallen 65 Euro auf Lebensmittel. 89 Euro resultieren aus den steigenden Energiekosten im Haushalt wie Strom, Gas und Heizöl. 40 Euro werden für steigende Verkehrsausgaben fällig. Die weiteren Mehrkosten ergeben sich aus den Auswirkungen der insgesamt steigenden Inflation auf die übrigen Warengruppen.

Einkommensschwache Haushalte besonders betroffen

Menschen mit geringem Einkommen leider unter der aktuellen Situation besonders: So müssen Haushalte mit einem Nettoeinkommen unter 1.300 Euro – das sind rund 14 Prozent aller deutschen Haushalte – mit einer monatlichen Mehrbelastung von 115 Euro rechnen. Wer zwischen 1.300 und 1.700 Euro monatlich zur Verfügung hat – knapp zehn Prozent aller deutschen Haushalte – muss mit 151 Euro an Mehrkosten kalkulieren.

«Knapp ein Viertel aller deutschen Haushalte muss mit weniger als 1.700 Euro netto auskommen und hat kaum Puffer, um die zusätzlichen Kosten zu stemmen. Menschen mit geringem Einkommen treffen die Preissteigerungen also besonders hart – auch wenn die Regierung mit dem kürzlich beschlossenen Maßnahmenpaket teilweise Entlastungen schafft. Schlussendlich geht es auch um den sozialen Frieden», sagt Andreas Späne.

Die Preissteigerungen verändern das Konsumverhalten

Die Konsumenten werden ihr Einkaufsverhalten anpassen (müssen). Bei steigenden Preisen setzen die Verbraucher besonders auf aktuelle Angebote (58 Prozent). 39 Prozent kaufen öfter Eigenmarken, um die steigenden Kosten für den Einkauf zu kompensieren. In der Krise schlägt zudem die Stunde der Discounter: Gut ein Viertel der Verbraucher (27 Prozent) gibt an, bestimmte Produkte eher beim Discounter zu kaufen.

«Während viele Verbraucher während der Corona-Pandemie den Vollsortimenter für ein One-Stop-Shopping-Erlebnis aufgesucht haben, steht nun die Kehrtwende an. Aufgrund der steigenden Preise werden die Discounter Marktanteile von rund einem bis zwei Prozent zurückgewinnen», lautet die Prognose von PwC-Experte Christian Wulff.

Fast ein Viertel reagiert mit Verzicht

Rund jeder vierte Verbraucher reagiert auf die Preisspirale mit Verzicht beim Essen und kauft weniger Produkte ein. Vor allem verzichtbare Lebensmittel wie Fleisch und Wurst oder auch Süßwaren landen seltener im Einkaufskorb. Bei Nahrungsmitteln, auf die viele Menschen weniger leicht verzichten können – etwa Milch und Molkereiprodukte – greifen die Käufer verstärkt zu günstigeren Eigenmarken und Sonderangeboten, um den Geldbeutel zu schonen.

Sparstrategien funktionieren nicht für alle gleich gut

«Diese Sparstrategien funktionieren jedoch nicht für alle Menschen gleich gut: Haushalte, die bereits vor den Preissteigerungen wenig Geld zur Verfügung hatten und beim Einkauf von Lebensmitteln längst auf Discounter, günstige Eigenmarken und Sonderangebote gesetzt haben, können kaum weiter sparen. Haushalte, denen mehr Budget zur Verfügung steht und die bislang regelmäßig teurere Marken- und Bio-Produkte gekauft haben, können durch günstigere Substitute Geld sparen», weiß Christian Wulff.

Unternehmen der Branche empfiehlt der PwC-Experte vor diesem Hintergrund, ihre Eigenmarken zu stärken und die Kunden mit attraktiven Angeboten zu binden: «Für Verbraucher sind in der aktuellen Lage Sonderangebote im Einzelhandel hoch relevant – ebenso wie Eigenmarken als Ersatz für klassische Herstellermarken», lautet das Fazit (Foto: pixabay.com).

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