Donnerstag, 22. Oktober 2020

Prognose: Absatz von Tiefkühlbackwaren wächst im LEH überproportional

Berlin. (dti) Der bundesdeutsche Tiefkühlmarkt 2020 spiegelt die Verwerfungen wider, mit denen die Covid-19-Pandemie das Verbraucherverhalten beeinflusst. Gleichwohl ist die Marktentwicklung differenziert zu betrachten, berichtet das Deutsche Tiefkühlinstitut (DTI) in Berlin: Während im Lebensmittelhandel (LEH) und bei den TK-Heimdiensten im Vergleich zum Vorjahr deutliche Zuwächse beim Tiefkühlumsatz und -absatz zu verzeichnen sind, leiden die Tiefkühlhersteller und -händler, die auf den Außer-Haus-Markt (AHM) spezialisiert sind, unter dem Nachfrageausfall in der Gastronomie.

TK boomt im Lebensmittelhandel und bei den Heimdiensten

Nach einer Prognose des Deutschen Tiefkühlinstituts für den Absatz von Tiefkühlprodukten im Lebensmittelhandel und den TK-Heimdiensten in diesem Jahr wird der Markt 2020 um 7,5 Prozent wachsen. Die Verbraucher haben besonders in der ersten Phase der Corona-Krise auf Einkaufsgänge möglichst verzichtet und sich zugleich gerne mit lang haltbaren Lebensmitteln bevorratet. Die Produktauswahl zu Hause und die Lieferung direkt bis an die Haustür sind für viele Konsumenten in der Corona-Zeit überzeugende Leistungen der TK-Heimdienste. Diese Gründe führten zunächst in allen TK-Warengruppen zu deutlich zweistelligen Wachstumsraten, die aber derzeit langsam wieder zurückgehen. Besonders positiv entwickelte sich der Absatz von TK-Kartoffelprodukten (plus 16 Prozent), TK-Gemüse/-Kräuter (plus 15 Prozent), TK-Fisch (plus 14 Prozent), TK-Gerichte (plus 10 Prozent) und TK-Backwaren (plus neun Prozent).

Beim Umsatz mit Tiefkühlprodukten im Lebensmittelhandel mit Heimdiensten in Deutschland erwartet das dti 2020 einen Zuwachs von 9 Prozent auf 9,03 Milliarden Euro (8,29 Milliarden Euro in 2019). Ein besonders starkes Umsatzwachstum verzeichneten im ersten Halbjahr 2020 die Warengruppen TK-Gemüse/Kräuter (plus 19 Prozent), TK-Fisch (plus 19 Prozent), TK-Gerichte (plus 16 Prozent), TK-Kartoffelprodukte (12 Prozent) und TK-Früchte (12 Prozent). Hervorzuheben ist, dass im ersten Halbjahr alle TK-Warengruppen im Umsatz- und Mengenplus liegen, das ist in dieser Form ein erstmalig so festzustellendes Bild. Wichtige Impulse für die TK-Sortimente kommen im LEH vor allem von den etablierten Marken, aber auch neue Produktkonzepte und neue Player geben dem Markt weiteren Auftrieb.

Aus Bäckersicht: Im ersten Halbjahr 2020 nahm der Absatz von Tiefkühlbackwaren im LEH und bei den TK-Heimdiensten um neun Prozent zu. Der Umsatz stieg ebenfalls um neun Prozent. Jeder Deutsche konsumiert nach DTI-Angaben im Schnitt 13 TK-Pizzas pro Jahr. In der Pandemie stieg der Umsatz mit TK-Pizzas in LEH und TK-Heimdienst um sieben Prozent. Ganz anders das Bild in der Gastronomie und im sonstigen Außer-Haus-Markt, wo in der Hochphase der Pandemie die Geschäfte um 50 Prozent einbrachen und sich im Schnitt auf 70 Prozent erholten – mehr nicht. Belastbare Absatz- und Umsatzzahlen werden hier erst im April 2021 verfügbar sein.

TK-Branche erinnert an »50 Jahre Tiefkühlpizza«

Ein absoluter Liebling aus der Tiefkühltruhe feiert in diesem Jahr 50. Geburtstag: die Tiefkühlpizza, die in Deutschland 1970 erstmals im Lebensmittelhandel zu kaufen war. Seitdem reißt die Erfolgsgeschichte der TK-Pizza nicht ab, ganz im Gegenteil: Die Warengruppe erfreut sich eines steten Wachstums Jahr für Jahr und ist im Lebensmittelhandel die beliebteste Tiefkühl-Kategorie gefolgt von TK-Gerichten und TK-Gemüse. Am beliebtesten bei den Verbrauchern ist die Pizza Salami, die unangefochten auf Platz 1 der Beliebtheitsskala der Pizzasorten liegt. Jeder Deutsche konsumiert im Durchschnitt 13 TK-Pizzas pro Jahr. Im ersten Halbjahr 2020 stieg der Umsatz mit TK-Pizza um 7 Prozent.

Gastronomieumsätze leiden unter Corona-Beschränkungen

Für den Absatz von Tiefkühlprodukten im Außer-Haus-Markt, der einen Anteil von über 50 Prozent am Gesamtmarkt hat, ist eine seriöse Prognose für 2020 nur schwer möglich, da zurzeit nicht absehbar ist, wie sich das Pandemiegeschehen auf die Gastronomie im Herbst auswirken wird. Nach Angaben des Branchenverbands Dehoga und der Marktforscher der npd group liegt die derzeitige Auslastung der Gastronomie im Durchschnitt bei 70 Prozent – nach einem Einbruch auf 50 Prozent zu Beginn des Lockdowns – und erholt sich derzeit nicht weiter. Im Gegenteil, in der kalten Jahreszeit ist eher wieder mit einem Rückgang der Gästezahlen und der Ausgaben zu rechnen.

TK-Produkte können vielen Gastronomiebetrieben helfen, die Corona-Phase wirtschaftlich zu überstehen, denn sie können je nach aktuellem Bedarf eingesetzt werden, schaffen also Flexibilität und Wirtschaftlichkeit. Dennoch dürfte 2020 wohl als das Jahr in die Geschichte eingehen, in dem der TK-Absatz im Außer-Haus-Markt erstmals eingebrochen ist. Ein klares Bild über die Entwicklung des TK-Gesamtmarktes wird erst im Jahr 2021 vorliegen, wenn die Daten der dti-Absatzstatistik 2020 im April veröffentlicht werden, die auf einer eigenen Branchenerhebung bei den Unternehmen basieren.

Tiefkühltrends 2020: Haltbarkeit gewinnt als Kaufmotiv an Bedeutung, Fleischalternativen immer beliebter
Das dti beobachtet die Entwicklung der Trends im TK-Sortiment genau und befragt seine Mitgliedsunternehmen dazu. Die wichtigsten Trends für das TK-Sortiment sind aktuell – durch die Corona-Pandemie geprägt – die Haltbarkeit und der Vorratskauf. Hinzu kommt der Wunsch der Verbraucher nach Arbeits- und Zeitersparnis beim Einkauf und beim Kochen. Gerade Menschen, die derzeit im Homeoffice arbeiten und sich sowie weitere Haushaltsmitglieder versorgen müssen, benötigen schnelle, leckere und einfache Lösungen für ihre tägliche Ernährung.

Die dti-Trendbefragung 2020 zeigt im Vergleich zum Vorjahr, dass Veggie und Vegan im TK-Sortiment weiter an Bedeutung gewinnen werden. Auch Regionalität spielt eine wichtige Rolle.

Wünsche der Absatzpartner 2020

In Gesprächen mit dem Handel ist und bleibt die Nachhaltigkeit weiterhin ein Top-Thema für die Weiterentwicklung der TK-Sortimente, das bestätigen 82 Prozent der dti-Mitglieder in einer Verbandsumfrage. Der Wunsch nach weniger Verpackung und dem Einsatz von recyclingfähigem Verpackungsmaterial (35 Prozent) ist ebenfalls sehr wichtig. Aber auch die Reformulierung von Rezepturen (26 Prozent) und veränderte Portionsgrößen (43 Prozent) sind Themen in den Lieferanten-Kunden-Gesprächen. Im Gastronomiebereich ist der Wunsch nach einer handwerklichen Optik der TK-Produkte weiter von hoher Bedeutung (56 Prozent) (Foto: pixabay.com).