Montag, 17. Juni 2024

Produktion einer Tasse Kaffee kostet 140 Liter Frischwasser

Amsterdam / NL. (utz) Zum achten Mal ruft der Deutsche Kaffeeverband den «Tag des Kaffees» aus. In diesem Jahr findet er am 06. September statt. Zu diesem Anlass stellt das Nachhaltigkeitssiegel UTZ Certified nach vier Jahren Laufzeit die Ergebnisse eines Pilot-Projektes in Lateinamerika vor. Dabei zeigt sich, dass die Aufbereitung von Abwasser aus Kaffeemühlen mithilft, die natürlichen Wasserreservoirs zu schonen und sich das Abwasser darüber hinaus zur Energiegewinnung eignet.

Kein sauberes Wasser, kein Kaffee
Lateinamerika ist mit einem Anteil von 70 Prozent der größte Kaffeeproduzent der Welt. Gleichzeitig finden sich vom Rio Grande bis Feuerland rund ein Drittel aller Frischwasserreserven der Erde. Ein Zusammenhang, der sich schnell erschließt: Die Produktion einer Tasse Kaffee verbraucht 140 Liter Frischwasser. Durch den Einsatz von Nassschrotmühlen, in denen die Kaffeebohnen vor dem Verkauf gewaschen werden, fallen große Mengen Abwasser an. Dieses Abwasser wird oftmals ungefiltert in Flüsse und Seen abgeleitet – in Lateinamerika liegt der Anteil bei 70 Prozent. Es beinhaltet organische Abfälle und Gifte, die zu gesundheitlichen Risiken und Umweltschäden führen. Von den Auswirkungen sind neben dem Menschen auch die Pflanzenwelt, die Böden sowie die unter Wasser lebenden Artengemeinschaften betroffen. Außerdem setzt das Kaffee-Abwasser Methan frei.

Nachhaltigkeit heißt Wasseraufbereitung
«Die Produktion von Kaffee ist nur dann ökologisch nachhaltig, wenn die Ressource Wasser effizient genutzt wird. Dazu gehört, dass das Abwasser aufbereitet wird», sagt Han de Groot, Geschäftsführer von UTZ Certified. «Das Ökosystem schafft es nicht, die großen Mengen an verunreinigtem Wasser aus eigener Kraft zu reinigen». Aus diesem Grund initiierte UTZ Certified 2010 in Lateinamerika ein Pilot-Projekt zur Wiederaufbereitung von Kaffee-Abwasser. Insgesamt 19 Farmen in Nicaragua, Honduras und Guatemala, vom Kleinbauern bis zur Kaffeeplantage oder Kooperative, nahmen am Projekt teil. Sie installierten mit Unterstützung von UTZ eine Wasser-Aufbereitungsanlage, die den Wasserverbrauch um die Hälfte senkte. Das System beinhaltet zudem einen Bio-Reaktor, mit dessen Hilfe Methan in Biogas umgewandelt wird und so für den Betrieb der Nassschrotmühlen oder von Haushaltsgeräten wiederverwendet werden kann. Die Drosslung der Frischwassermenge sowie die Reinigung und Umwandlung des Abwassers in nützliche Energie führen außerdem zur Reduzierung des umweltschädlichen Methans und sind damit ein wichtiger Schritt zur Eindämmung des Klimawandels.

Schulterschluss mit den wichtigsten Anbauländern
Auf lange Sicht wird das Problem der Abwasser-Aufbereitung nicht lokal begrenzt bleiben. Die steigende Nachfrage nach Kaffee zieht eine immer größere Menge an unbehandeltem Kaffee-Abwasser nach sich. Gleichzeitig steigt durch die wachsende Weltbevölkerung der Bedarf an sauberem Wasser. UTZ Certified tritt darum dafür ein, dass der Schutz der natürlichen Wasserreserven zwingend Bestandteil des nachhaltigen Kaffeeanbaus ist. Im Moment wird das Projekt zur Aufbereitung des Kaffee-Abwassers in Peru und Brasilien implementiert. UTZ hofft, in Kürze über die nötigen Gelder zu verfügen, um das Projekt auch in Afrika und Asien umzusetzen.