Montag, 24. Juni 2024

Preisausschreiben: «Teiglinge aus China gesucht!»

Düsseldorf. (vdg / eb) «Wunder» gibt es immer wieder und so brauchte es wohl nur den nötigen zeitlichen Abstand, bis die Mär von den «280 Millionen fertigen Teiglingen aus Fernost» wieder auftaucht. Die kommen angeblich per Anno über die Meere geschippert, um dann über hiesige «Großbäckereien, Supermärkte und Tankstellen» verkauft zu werden. Dem 2006 erdachten und 2012 erweiterten Unsinn neue Öffentlichkeit verschafft habe unlängst ein Magazin namens «Welt der Wunder», schreibt der Verband Deutscher Großbäckereien (VDG). Ein Blick auf die Kennzahlen des Magazins zeigt, dass das Heft eine Auflage von etwa 240.000 Exemplaren hat. Es wundert also nicht, dass der Verband sich ärgert, denn: Das Magazin hat zudem eine Reichweite von 1,6 Millionen Lesern. Zwar werden die nicht alle die Falschmeldung gelesen und gleich ihre Einkaufsstätte für Brot und Brötchen gewechselt haben, doch eine gewisse Unsicherheit bleibt. Oder wie der Verband schreibt: «Bei Großbäckereien häufen sich die Anfragen besorgter Verbraucher». Dabei hatte VDG-Hauptgeschäftsführer Armin Juncker schon im Oktober 2012 empfohlen, dass im Zweifelsfall ein Blick in die Datenreihen des Statistischen Bundesamts «helfen» könne. Ob der gleichlautende Hinweis die Menschen in diesem Jahr dazu bringt, selbständig Einblick zu nehmen? Welcher Welt-der-Wunder-Leser würde sich auch freiwillig auf die Homepage der Großbäcker verirren, um überhaupt auf die Idee zu kommen? Manchmal muss man die Menschen mit ihren eigenen Waffen schlagen, um nachhaltig erfolgreich zu sein. In diesem Fall böte es sich an, ganz in der Manier des gescholtenen Magazins dortselbst ein Preisausschreiben zu organisieren – frei nach dem Motto: «Teiglinge aus China gesucht!» Den Gewinnern könnte ein Arbeitseinsatz in einer chinesischen Großbäckerei versprochen werden.

Info: Das Risiko, dieses Versprechen einlösen zu müssen, ist denkbar gering. 2011 wurden aus China nur 240 Tonnen Erzeugnisse der Produktgruppe 19.05. (Mischungen und Teig zum Herstellen von Backwaren) importiert. Diese Menge reicht rein rechnerisch für knapp drei Millionen Brötchen – das schafft eine einzige deutsche Großbäckerei in wenigen Tagen, heißt es aus Düsseldorf. 2012 waren es 170 Tonnen, 2013 um die 194 Tonnen. Der bundesweite Verzehr von Brot und Gebäck liegt bei sechs Millionen Tonnen per Anno.