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Omnichannel in der Bäckerei: Wo anfangen?

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Hamburg. (eb) Gewissheiten werden weniger, Umbrüche kommen näher. Für den sich hierzulande gestählt wähnenden und selbstbewusst auftretenden Lebensmittel- Einzelhandel (LEH) kann es eng werden, integriert er nicht in absehbarer Zeit ein ernstzunehmendes Online Food Retailing (OFR). Was für den LEH gilt, gilt auch für Bäckereien. Technik und Technologie beim Backwarenverkauf und in der Bäckergastronomie gewinnen zunehmend an Bedeutung. Ebenfalls immer wichtiger: Der Bäcker als Marke. Vielleicht lassen Sie im kommenden Jahr die eine oder andere Hausmesse aus und planen dafür zum Beispiel einen Besuch bei der EuroShop 2017.

Die gute Nachricht: Groß- und Kleinbäcker, Handwerk wie Industrie einerseits, LEH und die klassische Systemgastronomie andererseits sprechen beim Stichwort Digitalisierung in etwa die gleiche Sprache. Sie stehen vor ähnlichen Herausforderungen und müssen Grundlagen für das erfolgreiche Bestehen in Entwicklungen legen, deren Konturen immer deutlicher werden. Mit Blick auf die Digitalisierung gibt es derzeit noch so etwas wie Gleichstand. Klein- und mittelständische Betriebe (KMU) können die sich daraus ergebenden Chancen flexibler nutzen, agieren und reagieren. Komplexe Systeme wie der große LEH oder die klassische Systemgastronomie sind vielleicht schwerfälliger, in der Umsetzung dafür aber oft «durchschlagend».

Die schlechte Nachricht: Aus dem globalen Blickwinkel sendet man nicht mehr nur begehrliche Blicke nach Deutschland, sondern hat den äußerst attraktiven Absatzmarkt mittlerweile bis ins Detail seziert und analysiert. Ein zweites «WalMart-Desaster» wird es nicht mehr geben. Das schwache Bild, das der bundesdeutsche LEH beim Online Food Retailing (OFR) derzeit noch abgibt, kann das Einfallstor sein.

Natürlich ist es möglich, dass Sie das alles nichts angeht auf Ihrer lokalen Ebene. Doch selbst wenn Sie mit Youtube, WhatsApp, Facebook + Co. nichts am Hut haben werden Sie zugeben müssen, dass sich Ihre Welt immer schneller dreht – sich Ihr Sortiment und Ihre Dienstleistungen in den letzten Jahren doch gewandelt haben. Falls nicht, sind Sie ein echter Glückspilz. Wie lange noch?

Es wird eng auf Deutschlands Datenautobahnen

Einerseits: Deutschland rüstet auf. Nach Angaben des Digitalverbands Bitkom wollen sich in diesem Jahr zu Weihnachten 71 Prozent der Deutschen selbst digitale Technik anschaffen und 50 Prozent solche Geräte an Freunde und Verwandte verschenken. Ganz oben auf der Liste stehen Smartphone und Tablet.

Andererseits: Deutschland fällt zurück. Gerade in der Weihnachtszeit stehen Internetverbindungen auf dem Prüfstand: Verbraucher aktivieren zahlreiche internetfähige Geräte gleichzeitig, und viele Familien reizen zu Hause die Kapazitäten ihrer Breitbandverbindungen aus – wenn sie denn überhaupt welche haben. Mit dem sogenannten «Vectoring» soll hierzulande jetzt behelfsmäßig ausgeglichen werden, was bis heute beim Breitbandausbau versäumt wurde. Industrie und Verbände fordern den Ausbau seit Jahren vergeblich. Nicht zuletzt deshalb ist Deutschland im weltweiten Vergleich auf Platz 26 zurückgefallen. Auch innerhalb Europas verschlechterte sich das bundesdeutsche Ranking auf den 17. Platz.

Fazit: Wunsch und Wirklichkeit prallen aufeinander. Regionen, die nach wie vor auf dem Klingeldraht mit sechs Megabit pro Sekunde im Internet unterwegs sind und in denen es auch kein LTE-Netz gibt, werden zunehmend abgehängt. Wachstum und Entwicklung werden dabei in mehr Regionen ausgebremst, als man auf den ersten Blick meinen möchte. Auch das so genannte «Vectoring» wird hier kaum Hilfe sein. Denn wer am Ende des Kupferdrahts wohnt oder arbeitet, ist immer abhängig davon, wie viele Nutzer entlang des Drahts gerade on Line sind oder nicht. Kurzum: Grundsatzfragen zur digitalen Infrastruktur werden uns sicher noch öfter beschäftigen – in Zeiten, in denen fast schon jede neue Anlage, jedes neue Gerät oder Lieferfahrzeug ab Werk eine eigene Internetadresse hat.

Integrative Konzepte werden zunehmend wichtig

Ungeachtet des Zustands der digitalen Infrastruktur in den Regionen erhält das Thema Digitalisierung zunehmend noch eine andere Dimension. «Omnichannel in der Bäckerei» ist ein Thema, das derzeit viele Betriebe umtreibt. Die Bäckerei Junge aus Lübeck ist unseres Wissens nach deutschlandweit der erste Backbetrieb, der – mit seiner Filiale in Berlin – eine Interpretation der «dritten Dimension» erlebbar gemacht hat. Auch wenn Sie das an anderer Stelle vielleicht schon gelesen haben: Die digitale Dimension sattelt nicht drauf und hängt nicht dran, sondern ist integraler Bestandteil. Endverbraucher verbinden schon lange die On- und Offline-Welt in ihrem Konsumverhalten. Bäckerei-Cafés, Verkaufsgeschäfte + Co. werden darauf zunehmend Antworten finden müssen. Wobei es nicht um hübsche Filialen geht, in die man zufällig noch ein paar Bildschirme hängt und WLAN anbietet. Es geht um strategisch durchdachte, vielschichtige Kommunikationsmodelle quer durch alle Kanäle bis hin zur realen Verknüpfung der Verkaufsstätten mit der Online-Welt.

Europaweit liegt Deutschland noch weit zurück

Bei Thema Omnichannel geht es nicht um digitales Wettrüsten sondern darum, die Präsenz Ihrer Bäckerei als Marke entlang der Erlebnis-Möglichkeiten Ihrer Kunden zu verbessern (Website und E-Commerce, digitales Marketing, Soziale Netzwerke, Mobilgeräte). «Integration» ist in diesem Zusammenhang ein beliebtes Stichwort, um Kunden harmonische, konsistente Erfahrungen machen zu lassen. Einerseits ist weniger mehr und Sie tun gut daran, sich Vorreiter-Beispiele aus anderen Branchen anzusehen.

Andererseits werden die Marktbedingungen auch im kommenden Jahr nicht einfacher. Zumal der Lebensmittel- Einzelhandel, wie eingangs erwähnt, hierzulande im digitalen Bereich noch die wenigsten Möglichkeiten bietet – und in gewisser Weise auch Bäckereien davon abhängig sind. Auf die derzeit noch vorhandenen unzähligen Schwächen zielt der amerikanische Online- Versandhändler Amazon mit «Prime Now» und seinen «Dash Buttons» ab. Spätestens wenn zudem «Amazon Fresh» in den deutschen Markt eintritt, wird es zu deutlichen Umverteilungen kommen. In welchem Maß das zusätzlich die backenden Branchen in Deutschland beeinflusst, lässt sich noch nicht gesichert prognostizieren. Allerdings gibt Ihnen das jetzt die Zeit, sich strategisch darauf einzustellen (Foto: pixabay.com).