Mittwoch, 4. August 2021

Oetker: Mehr Hochs als Tiefs im Geschäftsbereich Nahrungsmittel

Bielefeld. (oe) Die Oetker-Gruppe schloss das Geschäftsjahr 2020 trotz teilweise signifikanter Umsatzeinbußen in einzelnen Geschäftsbereichen insgesamt ordentlich und im Rahmen ihrer durch die Corona-Pandemie angepassten Erwartungen ab. Die Geschäftsbereiche «Nahrungsmittel», «Bier und alkoholfreie Getränke, Sekt, Wein und Spirituosen» sowie «Weitere Interessen» erreichten einen konsolidierten Nettoumsatz in Höhe von 7.330 Millionen Euro. Die vollständige Medienmitteilung zum Abschneiden aller Segmente finden Interessenten auf dem Unternehmensserver. Hier von Interesse ist ausschließlich der Geschäftsbereich Nahrungsmittel wie folgt:

Geschäftsbereich legt unter dem Strich um 6,5 Prozent zu

Der Geschäftsbereich Nahrungsmittel setzt sich aus den Unternehmensgruppen Dr. Oetker inklusive der Conditorei Coppenrath + Wiese sowie Martin Braun zusammen. Im Geschäftsjahr 2020 erwirtschaftete er insgesamt Umsatzerlöse in Höhe von 4.137 Millionen Euro und konnte somit im Berichtsjahr um 6,5 Prozent wachsen. Bereinigt um Konsolidierungskreis- und Wechselkurseffekte betrug das Umsatzwachstum 8,1 Prozent. Die Investitionen lagen bei 191 Millionen Euro (Vorjahr: 176 Millionen Euro). Bei der Mitarbeiterzahl verzeichnete der Geschäftsbereich einen Anstieg um 6,9 Prozent auf 20.040 Beschäftigte, im Wesentlichen bedingt durch die ganzjährige Berücksichtigung der im Jahr 2019 erworbenen Unternehmen. Ohne Veränderungen im Konsolidierungskreis ergab sich ein Anstieg der Personalzahlen um 3,7 Prozent.

Im Bereich der Akquisitionen lag der Fokus im Jahr 2020 primär auf der fortgesetzten Integration der in den Vorjahren erworbenen Unternehmen. Zudem wurden kleinere Unternehmen akquiriert, die das organische Wachstum ergänzten: Zum 30. Juli 2020 erfolgte die Aufstockung der Anteile an der InterNestor GmbH, einem Online-Anbieter von selbstgebackenen individualisierten Torten, von 49 auf 100 Prozent. Mit wirtschaftlicher Wirkung zum 31. Dezember 2020 erwarb Dr. Oetker die NewCakes B.V., den europäischen Marktführer im Bereich Multi-Brand-Specialty-Stores Cakes in den Niederlanden.

Nach einem soliden Jahresstart im Januar 2020 über alle Sortimente und Länder hinweg, hat ab Februar die Corona-Pandemie das Geschäft in allen Bereichen stark beeinflusst. Auf der einen Seite sind sämtliche Aktivitäten, die den Außer-Haus-Konsum bedienen, eingebrochen. Auf der anderen Seite war der Nahrungsmittelbereich der Gruppe gleichzeitig über viele Retail-Sortimente hinweg mit einer starken und unerwarteten Nachfrage im ersten Halbjahr konfrontiert. Dabei führten die zur Sicherstellung der Lieferfähigkeit notwendigen Aufwände und Hygienemaßnahmen zu einer hohen Kostenbelastung.

In der Kategorie Kuchen und Dessert erzielte Dr. Oetker gegenüber dem Vorjahr ein deutliches Nettoumsatz-Wachstum, das besonders von dem Geschäft mit Backzutaten profitierte. Backmischungen, gekühlte Desserts, Trockenfertigprodukte und tiefgekühlte Kuchen verzeichneten ebenfalls ein jeweils zweistelliges prozentuales Wachstum im Gesamtjahresverlauf. Die Kategorie Pizza partizipierte an dem gestiegenen Konsum von Pizzaprodukten für den häuslichen Verzehr. Aufgrund der Wachstumsraten hervorzuheben sind dabei die im Vorjahr eingeführte La Mia Grande und die ebenfalls im Jahr 2019 eingeführten TK-Snacks Intermezzo sowie die bereits etablierte Chicago Town Range. Entgegen diesem positiven Trend verliefen die Entwicklungen im Professional-Bereich. Nachdem das Geschäft in den ersten Monaten der Pandemie aufgrund der bekannten Lockdown-Maßnahmen und der erheblichen Einschränkungen durch Hygienevorkehrungen stark eingebrochen war, konnten im zweiten Halbjahr leichte Verbesserungen erzielt werden, die allerdings nicht zum Erreichen des Vorjahresniveaus ausreichten.

Auch bei der regionalen Betrachtung spiegeln sich im Wesentlichen die Auswirkungen der Corona-Pandemie wider: Die Retail-Sortimente konnten zulegen, der Out-of-Home-Konsum und die Professional-Märkte brachen ein. Die Regionen Deutschland und Westeuropa profitierten bei schwachen Professional-Umsätzen von soliden Absätzen in den Retail-Sortimenten. Diese erfreuliche Entwicklung war stark getrieben durch die beiden strategischen Kategorien Pizza sowie Kuchen und Dessert, wobei besonders die pulverbasierten Sortimente zur Umsatzsteigerung beigetragen haben.

Auch in der Region Osteuropa verzeichnete Dr. Oetker währungsbereinigt ein Wachstum gegenüber dem Vorjahr. Allerdings wurde diese organische Umsatzsteigerung geschwächt durch negative Effekte aus der teilweise massiven Abwertung osteuropäischer Währungen.

In der Region Amerika haben sich die Folgen der Pandemie stärker gezeigt als in Europa. Der Umsatz lag in Euro leicht über dem Vorjahresniveau, konnte aber währungsbereinigt gegenüber dem Jahr 2019 deutlich gesteigert werden. Die Landesgesellschaft in Kanada erreichte vor allem aufgrund ihres erfolgreichen Pizzasortiments in lokaler Währung zweistellige Wachstumsraten. Auch Dr. Oetker Brasilien zeigte 2020 eine sehr gute Entwicklung im Sortiment Kuchen und Dessert. Dagegen waren die Gesellschaften Mavalério und Wilton stark negativ betroffen: Der Lockdown und damit die Schließung der wichtigen Craft-Stores in den USA sowie der Party-Stores in Brasilien führten zu Absatzeinbrüchen.

Die Geschäftsentwicklung in Asien, Afrika und Australien war wesentlich durch das Wachstum der Kategorie Kuchen und Dessert geprägt. Hervorzuheben ist die starke Entwicklung der Landesgesellschaften in Ägypten, Tunesien, Marokko, Australien und Indien.

Coppenrath + Wiese: Blechkuchen und Brötchen gehen immer

Die Conditorei Coppenrath + Wiese konnte im Jahr 2020 ihre Umsatzerlöse um 5,7 Prozent steigern. Die Umsatzerhöhung resultierte vorrangig aus dem erfreulichen Verlauf im Markengeschäft in Deutschland, vor allem infolge der starken Entwicklung der strategischen Segmente Blechkuchen und Brötchen sowie der kleinen Kuchen, Rollen und Strudel. Das Tortengeschäft schwächelte aufgrund der Corona-bedingten Kontaktbeschränkungen und des damit verbundenen Ausbleibens von Verzehranlässen. Im Geschäft mit Großbritannien konnten Belastungen aus dem weiterhin ungünstigen Wechselkurs des britischen Pfunds zum Euro durch positive Abweichungen bei den Rohstoffkosten und eine aktive Sortimentspolitik zum Teil kompensiert werden.

Mit zusammengefasst 156 Millionen Euro lagen die Investitionen aller Unternehmen von Dr. Oetker und der Conditorei Coppenrath + Wiese im Jahr 2020 über Vorjahresniveau (149 Millionen Euro). Damit haben die Unternehmen die Grundlagen für zusätzliches Wachstum in den kommenden Jahren geschaffen und gewährleisten den aktuellen Stand der Technik sowie hochqualitative Prozesse innerhalb der gesamten Supply Chain. In diesem Kontext erfolgten beispielsweise an den Dr. Oetker Produktionsstandorten in Deutschland, Polen, Südafrika und Brasilien Großinvestitionen in neue Produktionslinien oder Lagererweiterungen. Die Conditorei Coppenrath + Wiese hat zur Fortsetzung des Kapazitätsausbaus ebenfalls im abgelaufenen Geschäftsjahr Investitionen in weitere Produktionslinien für Brötchen und Cheesecake sowie in eine neue Fertigungstechnik für Kuchen getätigt.

Martin Braun-Gruppe muss erheblichen Umsatzrückgang hinnehmen

Die Martin Braun-Gruppe hat im Geschäftsjahr 2020 den über viele Jahre hinweg stattfindenden Wachstumsprozess nicht fortsetzen können und musste einen erheblichen Umsatzrückgang um 13,1 Prozent ausweisen. Zudem belasteten zum Teil negative Währungseffekte, allen voran die Abwertung der türkischen Lira, die Entwicklung der Umsatzerlöse. Bereinigt um Währungseinflüsse belief sich die organische Umsatzveränderung auf minus 11,4 Prozent. In den ersten drei Monaten der Corona-Krise waren die Bäckereien und der Food-Service weltweit stark betroffen, in zahlreichen Ländern hatten viele Kunden komplett geschlossen. Mit der zweiten Corona-Welle im Herbst kam es erneut zu zahlreichen lokalen und nationalen Lockdowns in den Zielmärkten. Mit Hilfe eines umfassenden Maßnahmenpakets hat die Gruppe auf die schwierigen Marktbedingungen reagiert und konnte auf diese Weise einen Teil des Umsatzrückgangs abmildern (Foto: Oetker).