Sonntag, 29. November 2020

Österreich: Die modernste Handwerksbäckerei steht im Weinviertel

Strasshof an der Nordbahn / AT. (gdb) Vor wenigen Wochen konnte die Bäckerei Geier trotz Pandemie ihr neues Produktions- und Verwaltungsgebäude ohne Verzögerung beziehen. Wir ahnen, wie viel Planung, Organisationstalent und Enthusiasmus allein beim Umzug gewirkt haben müssen, damit alles und jeder im Zeitplan bleibt. Um so größer sind die Freude und Erleichterung, dass der große und kritische Schritt nun erfolgreich bewältigt ist. Für einen Moment gestattet sich die Weinviertler Geier. Die Bäckerei GmbH, die letzten Wochen Revue passieren zu lassen – und teilt ihre Eindrücke mit uns wie folgt:

Geier. Die Bäckerei verbindet jetzt traditionelles Handwerk mit modernster Technik

Es ist ein bisschen wie bei Kindern, die im Laufe der Jahre schließlich ihren Kleidern entwachsen. Auch die Weinviertler Traditionsbäckerei Geier hatte in ihrer vor über hundert Jahren gebauten Backstube in Strasshof längst den verfügbaren Raum gesprengt. Gegründet 1902, hat das Unternehmen seit 1909 seinen Sitz in der Marktgemeinde im Bezirk Gänserndorf.

Geier. Die Bäckerei: Details auf einen Blick

Geier. Die Bäckerei GmbH ist vor wenigen Wochen in die derzeit modernste Handwerksbackstube Österreichs übersiedelt. Die Weinviertler Traditionsbäckerei hatte in ihrer vor über hundert Jahren gebauten Backstube in Strasshof längst den verfügbaren Raum gesprengt, eine Betriebserweiterung im Ortsgebiet war nicht mehr möglich. 15.000 Quadratmeter Grundstücksfläche im nahegelegenen Gewerbegebiet hatte man sich schon vor Jahren gesichert, um zukunftsfähig zu bleiben.

Der Neubau mit einer Betriebsfläche von 4’500 Quadratmetern für Backstube, Verwaltung und Schulungsräumen konnte trotz Pandemie ohne Verzögerung in Betrieb genommen werden. Eine Ausbaufläche für Laden und Café ist vor Ort vorbereitet.

Investiert wurde unter anderen in neue Silos, eine Kleinkomponentenverwiegung, eigene Getreidemühle, Gär- und Kühltechnik, Backöfen samt vollautomatischer Beschickung sowie Photovoltaik und Wärmerückgewinnung.

Die Gesamtinvestition liegt im zweistelligen Millionenbereich, 50 Prozent davon finanzierte der Familienbetrieb aus Eigenmitteln.

Umso größer war die Freude der gesamten Mannschaft, als sie kürzlich ins neuerrichtete Backstubengebäude im Gewerbepark zwischen Strasshof und Deutsch-Wagram übersiedelte, das trotz Pandemie-Erschwernis rechtzeitig fertiggestellt werden konnte. Bäckerei, Büros, Schulungs- und Ausbildungsräume, eigene Getreidemühle und vor allem Raum für Teigreifung und die Entwicklung neuer Backwaren – alles hat hier jetzt genug Platz und macht ein reibungsloses ökonomisches Arbeiten möglich.

Der Neubau ist aktuell die modernste Handwerksbäckerei Österreichs, wobei das Augenmerk nach wie vor auf Handarbeit liegt, wo sie qualitätsentscheidend ist. «Wir setzten Maschinen nur dort ein, wo es die Hand nicht besser kann,» erklärt Bäckermeister Gerald Geier, der gemeinsam mit seiner Frau Erika Geier-Tschernig den Familienbetrieb seit 2000 in vierter Generation führt.

Geier: «Unsere Brote werden auch weiterhin von Hand gewirkt und geformt. Wir arbeiten mit sehr weichen lang gereiften Teigen, einzig mit dem Gefühl der menschlichen Hand können die verarbeitet werden.» Wichtig für Geier ist vor allem der Platz, der es jetzt ermöglicht, noch mehr Augenmerk auf lange Teigreifung zu legen. Das beansprucht viel Zeit und ist eine der wichtigsten Zutaten in der Bäckerei, sodass keine oder kaum Hefe nötig ist und sich das Aroma im Brot und Gebäck optimal und voll entwickeln kann.

Großzügig, freundlich und hell. So sieht Österreichs modernste Handwerksbackstube von innen aus.
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In neue Technik investierte das Unternehmen vor allem dort, wo es um Arbeitserleichterung für die Mitarbeitenden und die Nachhaltigkeit geht. Sei es die automatische Verwiegung von 25 verschiedenen Zutaten oder bei der automatischen Ofenbeschickung, die die Bäcker bei der einst schweren Ofenarbeit jetzt unterstützt. «Wir sind stolz darauf, unseren fleißigen Handwerkern diese schwere körperliche Arbeit abnehmen zu können», sagt Gerald Geier, der in der neuen Bäckerei eine ganze Reihe mechanischer sowie computerunterstützter Arbeitsgänge zum Wohl der Mitarbeiter und der Qualität einführen konnte.

Doch nicht nur in der Bäckerei, im Konditorbereich, der separierten Snackküche und der Eis-Abteilung sind die neuesten technischen Finessen zu finden, auch der Büro- und Schulungstrakt spielt alle Stückerln: Lichtdurchflutete Büros mit Ausblick in die Backstube und die fruchtbaren Felder des Marchfelds, geräumige modernst ausgestattete Arbeitsplätze, selbst für jene, die nur sporadisch ins Büro kommen – und Pausenraum für die Mitarbeitenden vom Feinsten. Besonders beeindruckend ist der Schulungsraum, in dem Brotregal, Kaffeemaschine und Tresen mit Kassenbereich auf die Auszubildenden warten – ein Kinderspiel hier unter authentischen Bedingungen alles für den Einsatz vor Kunden zu lernen.

In einer so vielseitigen Lebensmittelproduktion ist Hygiene natürlich ein ganz besonders wichtiges Thema – nicht nur in Zeiten wie diesen. Neben den ohnehin üblichen Maßnahmen trennt eine ausgefeilte Hygieneschleuse die Bäckerei vom Außenbereich und sorgt so für absolute Sauberkeit. Masken werden hier auch ohne gesetzliche Vorschrift getragen, das ist für Geiers selbstverständlich.

Gerald und Erika Geier, hier gemeinsam mit den Kindern Moritz und Axel, sind stolz auf das Erreichte.
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Nachhaltigkeit ist für Erika und Gerald Geier immer schon ein wichtiges Anliegen. Neben der ausladenden Photovoltaikanlage auf dem Dach der Backstube wird Energie zusätzlich durch ein höchst cleveres Wärmegewinnungssystem von den Backöfen und der umweltschonenden Kälteanlage mit CO2 Technologie in der Produktion gewonnen. Dafür musste richtig Geld in die Hand genommen werden, doch in einem zeitgemäßen Betrieb steht eben auch der Umweltgedanke hoch im Kurs und für Gerald Geier muss die Technologie am neuesten Stand sein, um verantwortungsvoll und zukunftssichernd zu arbeiten.

Der Nachhaltigkeitsgedanke schlägt sich ohnedies in der gesamten Produktion nieder, denn schon seit Jahren ist die Bäckerei Geier dafür bekannt, alle Rohstoffe, die regional zu finden sind, aus der umliegenden Landwirtschaft zu beziehen, 80 Prozent der Rohstoffe stammen aus einem Umkreis von 50 Kilometern. Das schont nicht nur die Umwelt mit kurzen Wegen, sondern sorgt für erstklassige Qualität und bringt saisonale Schmankerln auf den Tisch, wie zurzeit die beliebte Kartoffelkruste, Kürbisspezialitäten und Mehlspeisen mit Obstsorten aus den Gärten der Umgebung.

Ein echter Leitbetrieb im schönen Weinviertel in vielerlei Hinsicht, schwärmen Erika und Gerald Geier. Gemeinsam mit ihren Kindern Moritz und Axel und dem gesamten Team sind sie stolz auf das Erreichte. Besonders freut es alle Beteiligten, dass es so bravourös gelingt, traditionelles Handwerk mit modernster Technik zu verbinden (Fotos: Geier. Die Bäckerei).

Der Neubau mit einer Betriebsfläche von 4’500 Quadratmetern in der Dämmerung. Die Ausbaufläche für Laden und Café ist bereits vorbereitet.
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