Samstag, 22. Juni 2024

Österreich: Bäcker warnen vor «aufgewärmten Versprechen»

Wien / AT. (ots) Österreichs Bäcker reagieren skeptisch auf Presseberichte, wonach der Discounter Hofer (Aldi Süd) künftig in seinen mehr als 440 Filialen Aufback-Stationen für Gebäck plant. Von Backautomaten wie bei Aldi Süd ist dabei die Rede. «Österreichs Handwerksbäcker stellen sich der neuen Konkurrenz», sagt Josef Schrott, Bundesinnungsmeister der Bäcker Österreichs. In einigen Berichten sei die Rede davon gewesen, dass Hofer sein Automatengebäck mit Attributen wie «Handwerksqualität» und «Regionalität» bewerben wolle. «Wir werden die Markteinführung bei Hofer genau beobachten. Automatengebäck mit Handwerk in Verbindung zu setzen, empfinden wir als Häme gegenüber den echten Handwerksbäckern und den Konsumenten. Wir werden in diesem Fall alle rechtlichen Möglichkeiten ausschöpfen, um eine solche Irreführung zu verhindern», kündigt Schrott in einer Mitteilung an. «Sollten wirklich deutsche Backfabriken die Teiglinge liefern, werden wir dies aufzeigen. Regionalität bewerben, aber global einkaufen – das darf es nicht geben». Den in der Presse angekündigten 1.000 neuen Arbeitsplätzen bei Hofer stünden bis zu 3.000 Arbeitsplätze gegenüber, die bei Österreichs Bäckern voraussichtlich verloren gingen. Die 1.597 österreichischen Innungsbäcker beschäftigen 21.082 Mitarbeiter und erwirtschafteten 2012 nach eigenen Angaben einen Umsatz von 1,54 Milliarden Euro.

Kommentar: Gehen wir von einem «hoch qualifizierten Annäherungswert» aus, den uns 2010 die Vereinigung der Backbranche Österreich gemeinsam mit der HTL Wels lieferte, dann kommt das Land auf einen Backwarenkonsum von 225 Gramm pro Kopf und Tag. Bei 8.488.511 Einwohnern Ende 2012 wären das knapp 1.910 Tonnen pro Tag – 697.119 Tonnen pro Jahr. Nehmen wir an, dass der Durchschnittspreis je Kilogramm Gebäck (2,50 Euro) sich analog zu 2010 nicht groß verändert hat, dann entsprechen 697.119 Tonnen einem wertmäßigen Umsatz von 1,743 Milliarden Euro. Stimmen die Zahlen der Innungsbäcker, dann würden sie weit über 80 Prozent der Umsätze für sich reklamieren. Was so ja nicht stimmt, weil das Portfolio der Innungsbäcker sicher nicht identisch ist mit dem reinen Backwarenumsatz – bei allen statistischen Unschärfen und Fragen der Definition, die wir nur zu gut aus Deutschland kennen. Wie auch immer: Eine ähnliche Milchmädchenrechnung wird der Discounter Hofer aufgemacht und festgestellt haben, dass da «was geht». Da kann der Bundesinnungsmeister noch so viel auf «Automatengebäck aus deutschen Backfabriken» schimpfen und an Österreichs Verbraucher appellieren, dem regionalen Handwerksbäcker die Treue zu halten. In Deutschland ist dem offiziellen Handwerk über Jahre leider auch nicht mehr eingefallen, als auf «Teiglingen aus Osteuropa» herumzureiten. Österreich sollte nicht den gleichen Fehler machen sondern sich trauen, das Übel bei der Wurzel zu packen und vom Handwerk retten, was zu retten ist – meint Ihre Ute Speer.