Sonntag, 19. September 2021

Nicht nur für Admins: So sparen Sie Zeit, Geld, Nerven und Strom

Bremerhaven. (usp) Anlagentechnisch gut ausgestattete Bäckereien können den Stromverbrauch ihrer Informations- und Kommunikationstechnik vielleicht gar nicht in Prozent beziffern sondern nur in Promille. Gleichwohl ist der Stromverbrauch nicht verschwindend gering, denn Kleinvieh macht auch Mist. Die weit überwiegende Zahl der Betriebe setzt auf Microsoft-Produkte und ist heilfroh, dass sie das firmeninterne Netzwerk einigermaßen im Griff hat – mit Server und Desktop-Clients. Aktuell sind die Clients überwiegend ausgestattet mit dem Betriebssystem Windows 10. Der Support für Windows 10 Home und Professional endet im Oktober 2025. Damit haben Anwender ausreichend Zeit, grundsätzlich darüber nachzudenken, ob sie weiterhin Microsoft-Kunden sein wollen oder nicht. Denn jetzt kommt Windows 11 und das wirkt schon vor der Markteinführung wie ein Dinosaurier.

Windows 11 steht vor der Tür mit ungeahnten Konsequenzen

Nicht, dass Windows 11 nicht »schön« wäre und uns nicht mit etlichen neuen Funktionen bezirzen könnte, die kein Mensch braucht. Doch damit das alles flüssig läuft, muss die Hardware, auf der das neue Betriebssystem zum Einsatz kommt, höhere Anforderungen erfüllen und verbraucht entsprechend mehr Strom. Können Server und Clients die Ansprüche nicht erfüllen, die Microsoft mit Windows 11 stellt, müssen neue Geräte angeschafft werden. Soweit das aus der einschlägigen Presse zu entnehmen ist, sollen die Vorgaben aus Redmond ziemlich strikt gehandhabt werden. Das heißt: Firmeneigene Rechner, die Unternehmen vielleicht noch mit Windows XP Lizenz erwarben und kostengünstig auf Windows 7 und dann Windows 10 aktualisierten, haben ausgedient. Auch wer kürzlich erst neue PCs mit dem Betriebssystem Windows 10 anschaffte kann nicht sicher sein, dass sich die Hardware für Windows 11 noch eignet.

Der Ressourcenhunger wirkt unbedacht und aus der Zeit gefallen

Andererseits lehrt der zunehmende Klimawandel und das EEG-Gesetz, dass Strom nicht einfach nur aus der Steckdose kommt. Hinzu kommen Störungen in den globalen Lieferketten. Die äußern sich zum Beispiel auch in einem Chipmangel, was Endgeräte ziemlich verteuert. Die bundesdeutsche Chipproduktion steht noch in den Sternen, weil sich Deutschland – wie viele andere Nationen auch – auf globale Lieferketten verlassen hat, die auf einmal brüchig sind. Es bedarf keiner weiteren Pandemie und keines weiteren quer liegenden Containerschiffs im Suezkanal um zu erkennen, dass Lieferketten verkürzt und Abhängigkeiten aufgelöst werden müssen. Das braucht Zeit. Nicht nur, aber auch in diesem Sinn ist überhaupt nicht einzusehen, weshalb Millionen Firmenserver, Workstations, Desktop-Clients und Außendienst-Notebooks früher auf dem Elektroschrott landen sollen als unbedingt nötig. Schonender Umgang mit den Ressourcen ist das Gebot unserer Zeit. Neue Endgeräte können nicht dann einfach »fällig« werden, nur weil zufällig ein neues Betriebssystem auf den Markt kommt. Hardware sollte und muss so lange genutzt werden, wie sie die ihr zugedachten Aufgaben flüssig erledigt. Danach lässt sie sich immer noch einer Zweitnutzung zuführen oder der Wiederverwertung.

Apropos Ressourcen: Es sind nicht nur Hardware- und Softwarefragen, in denen Microsoft von seinen Kunden ziemlich viel verlangt. Die Update-Politik und zuweilen quälend langsame Patches kosten viel Zeit und Aufmerksamkeit. Zeit ist Geld. Hinzu kommt, dass die Architektur von Windows-Software selbst nach Jahrzehnten noch immer nicht soweit abgesichert ist, dass sie Nutzern eine schöne Anwendungserfahrung bieten könnte bei gleichzeitiger strikter Trennung von Nutzerdaten und Dateisystem. Selbst nach vielen Jahren sind Druckertreiber (!) immer noch eines der größten Einfallstore für Hackerangriffe. Nicht umsonst heißt es, dass der beste Patch gegen Sicherheitslücken in Windows ein Wechsel des Betriebssystems sei.

Die sichersten Betriebssysteme basieren auf Unix und Linux

Unix- und Linux-basierte Betriebssysteme gehören zu den sichersten Systemen der Welt, weshalb die meisten Webserver rund um den Globus heute mit Unix oder Linux laufen. Am ehesten wahrscheinlich mit Debian Linux oder einem seiner Derivate. Doch auch Mac OS basiert auf Linux. Nicht zu vergessen Android für Smartphones. Allen gemeinsam ist, dass sie hinsichtlich Stromverbrauch und Hardwareanforderungen längst nicht so rücksichtslos und unökologisch vorgehen wie der Weltkonzern aus Redmond.

Linux-Distributionen wie zum Beispiel MX Linux (aus Griechenland), EndeavourOS (Niederlande), Manjaro Linux (Frankreich), Linux Mint (Irland), Ubuntu (Isle of Man), openSUSE (Deutschland), Zorin OS (Irland), KDE neon (Großbritannien), Kali Linux (Schweiz) oder FreeBSD (USA) sind heute mindestens so leicht zu installieren wie die Erzeugnisse aus Redmond. Zudem bringen sie eine große Softwareauswahl mit, so dass zum Beispiel ein teures Officepaket nicht extra hinzugekauft werden muss. Es ist alles schon an Bord.

Updates sind ein Klacks. Während sich Microsoft-Server abmühen müssen, um Patches weltweit einigermaßen zeitnah bewältigen zu können, ist die Aktualisierungsverwaltung bei Linux auf unzähligen Servern rund um den Globus verteilt. In Deutschland sind es oft Universitäten und Software-Provider, die Opensource unterstützen und Update-Server bereithalten. Alleine für Linux Mint über 20 Quellserver hierzulande. Das bedeutet, dass Aktualisierungen flink und flott ganz nebenbei vonstatten gehen.

Unix und Linux lassen Nutzer konzentriert arbeiten

Nicht zuletzt: Linux-Betriebssysteme laufen deutlich ruhiger als Windows-Betriebssysteme. Linux schont durch diesen ruhigen Lauf die Hardware. Es gibt nicht diese Maläse mit den nach wie vor fragmentierenden Dateien wie bei Windows. Es muss also nicht regelmäßig defragmentiert werden. Es muss nicht alle drei Stunden der Virenschutz aktualisiert werden – weil Betriebssystem, Nutzer und Dateien auf drei Partitionen und mehr verteilt werden können. Es gibt keinen »Defender«, der die Produktivität mindert. Es gibt keine Hilfsdateien, die Windows überall und nirgends ablegt und damit sukzessive das Betriebssystem vermüllt und verlangsamt. Natürlich hat Linux ein Virenprogramm und eine Firewall an Bord, doch die arbeiten leichtfüßig im Hintergrund. Ein weiterer Pluspunkt, der nicht zu unterschätzen ist: Unix und Linux telefonieren nicht nach hause und lassen Nutzer konzentriert arbeiten.

Linux-Betriebssysteme sind trotz ihrer Vielfalt, mit der sie sich manchmal gegenseitig behindern, auf einem guten Weg. Die neueste Entwicklung lässt sich an den Stichworten «DockerImages», «SnapImages» und «AppImages» gut beschreiben. Das sind Datei-Container (keine Emulatoren), mit denen sich Anwendungen unabhängig vom installierten Betriebssystem auf die eigene Festplatte holen lassen. Ähnlich den Smartphone-Apps erlauben diese Container eine ungeahnte Vielfalt weit über die Grenzen von Betriebssystemen hinaus. Beispiel: Wer von Windows auf Linux umsteigt und auf seinen Notepad++ nicht verzichten kann, installiert den Editor auf Linux via SnapImage. Wer lieber mit Photoshop als mit Gimp arbeitet, installiert die Windows-Software mit Hilfe von PlayOnLinux innerhalb weniger Minuten. Wer mit einem KDE-Desktop unter Gnome arbeiten will, installiert ihn via AppImage. Viele Wege führen nach Rom und es wundert nicht, dass sich nun auch Microsoft langsam für Linux öffnet. Umgekehrt sorgt VMWare schon längst dafür, dass Windows-Betriebssysteme auch innerhalb von Linux laufen können.

Unix und Linux haben heute mehr Potenzial als Windows

Lange Rede, kurzer Sinn: Wer vor der Entscheidung steht, für viel Geld auf die neueste Hardware- und Software-Generation umrüsten zu müssen, der sollte sich Linux genau ansehen. Die in den backenden Branchen tätigen Software-Unternehmen bieten ihre Produkte und Dienstleistungen bestimmt auch im Linux-Format an – wenigstens via DockerImage oder ähnlich. Auf jeden Fall machen sich einige Linux-Distributionen gerade Mechanismen aus dem Smartphone-Bereich zu eigen, die ihre Attraktivität langfristig deutlich steigern wird. Wer damit kalkuliert, kann künftig viel Zeit, Geld, Nerven und Strom sparen – versichert Ihnen Ihre Ute Speer (Foto: pixabay.com).