Sonntag, 7. März 2021

Mestemacher Gruppe: kann 2020 um 16,7 Prozent zulegen

Gütersloh. (eb) Mit einem Netto-Umsatz von 147,4 Millionen Euro kann die Mestemacher Gruppe im Geschäftsjahr 2020 gegenüber dem Vorjahr um stolze 16,7 Prozent zulegen (2019: 126,3 Millionen). Ein großer Teil dieses Sprungs wird Covid-19 zuzuschreiben sein – aber nicht nur. Seit Jahren schon bewirbt Mestemacher Eigenschaften und spricht Ernährungsthemen an, die in der Pandemie nun mehr denn je öffentlich reflektiert werden. Die Großbäcker haben in der Vergangenheit zwar nicht jede der aktuell diskutierten Facetten gestreift. Doch das bekannte Engagement muss soweit hängen geblieben sein, dass es in besonderen Zeiten besondere Glaubwürdigkeit verleiht. Kurzum: Für die Gruppe fügte sich in 2020 Einiges glücklich zusammen. Doch die Grundlagen dafür hat Mestemacher früher gelegt.

Besonders freuen dürfte die Eigentümer-Familien um Albert und Prof. Dr. Ulrike Detmers einerseits sowie Fritz und Helma Detmers andererseits, dass der eingangs erwähnte Umsatzsprung mit dem 150-jährigen Bestehen des Unternehmens zusammenfällt. Gegründet 1871 in Gütersloh, übernahmen die Familien die Mestemacher GmbH 1985 zu gleichen Teilen und bauen sie seither kontinuierlich aus.

Noch bevor die Welt 2020 SARS-Cov-2 kennen lernte, zählte das Thema Hygiene schon zu den aufsteigenden Trends in dem Sinn, dass Verbrauchende zunehmend wissen wollen, wer ihre Lebensmittel unter welchen Bedingungen wie herstellt. Durch die Pandemie hat sich das Thema verselbständigt und lässt viele Konsumierende heute einen anderen Blick auf verpackte Lebensmittel werfen. Im Tagesgeschäft beobachtete die Großbäckerei diesen Trend – logisch! – als stark gewachsene Nachfrage nach SB-verpackten Broten und Backwaren mit ungeöffnet langer Haltbarkeit. Ganz nebenbei ein Beleg für überdurchschnittliches One-Stop-Shopping sowie ein Indiz für das instinktive Anlegen von Vorräten, was bei unklaren Wetterlagen und empfänglichen Seelen zur Beruhigung beitragen kann. Andererseits erlebte Mestemacher 2020 eine deutliche Nachfrage nach ballaststoffreichen Bio Broten, Ethnic Food und Eiweiß-Broten, womit die Gruppe wiederum Stömungen voll umfänglich bedienen konnte, die sich aus den bekannten und eingangs erwähnten gesellschaftlichen Diskursen ergeben.

Davon unabhängig hat die Statistik einen dritten großen Trend nachgewiesen, zusammenhängend mit erhöhtem Verzehr von Fertiggerichten und dem auffallenden Minus bei frischem Obst und Gemüse. In diesem Strom vermutet die Marktforschung junge Familien, Kurzarbeitende und andere finanziell eher schwach ausgestattete Haushalte. Also nicht unbedingt das Klientel der «Lifestyle-Bakery» aus dem LEH-Regal, die andere Schwerpunkte setzt, auch wenn sie neuerdings «Mein Wohlfühlbrot» betont.

Erfolgsgaranten (von rechts) Helma Detmers, Gesellschafterin, und Fritz Detmers, geschäftsführender Gesellschafter, sowie Albert und Prof. Dr. Ulrike Detmers, beide geschäftsführende Gesellschafter (Foto: FOTOsession).

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2020 hat das Familienunternehmen 3,9 Millionen Euro langfristig investiert (2019: 6,6 Millionen). Die Investitionen bringen weitere Vorteile für Produktqualitäten, Automatisierung, Rationalisierung, Kapazitätserweiterung sowie Humanisierung der Arbeit. 2021 rechnet Mestemacher mit einer Investitionssumme von 8,2 Millionen Euro. Der Exportanteil beträgt rund 34 Prozent (2019: 29). Die Brot- und Backwaren-Gruppe beschäftigt insgesamt 649 Mitarbeitende (2019: 616). Mit Sonderschichten, Mehrarbeit und Neueinstellungen hat die Gruppe die gestiegene Nachfrage im Pandemie-Jahr 2020 bewältigt. Außer über Zuschläge für die Mehrarbeit konnte Mestemacher die Belastungen der Mitarbeitenden zudem über zwei steuerfreie Corona-Prämien ausgleichen.

Ausblick 2021

Auch das aktuelle Geschäftsjahr 2021 wird so lange ein Ausnahmejahr sein, bis SARS-Cov-2 inklusive Mutanten erfolgreich verdrängt sind. Die bekannten Einflussgrößen bestärken die Brot- und Backwaren-Gruppe in der Annahme, dass Mestemacher weiter vom Trend zur Bevorratung von Lebensmitteln mit ungeöffnet langer Genussfrische profitieren kann. Umsatzsteigerungen erwartet das Unternehmen auch von einer sich ausdehnenden naturgemäßen Lebensführung. Dieser Lebensstil unterstützt laut Prognose aus Gütersloh nachhaltig die Nachfrage nach Lebensmitteln, die vegan, vegetarisch und salzarm sind und eine positive Nährwertbilanz kennzeichnen. Positiv wirke sich zudem aus, dass Mestemacher Pionier der Gleichstellung der Geschlechter (m/w/d) sowie der Vereinbarkeit von Beruf und Familie ist. Die Mestemacher-Gruppe plant für 2021 einen Netto-Umsatz von 152 Millionen Euro – plus 3,1 Prozent.

Kalenderjahr Netto-Umsatz(*) in TEUR Veränderung in Prozent Bemerkung
2021 152.000 3,1% nach Plan
2020 147.398 16,7%
2019 126.303 1,8%
2018 124.073 1,8%
2017 121.849 1,1%
2016 120.570 7,4%
2015 112.234 37,3%
2010 81.765 34,9%
2005 60.595 106,0%
2000 29.793 104,0%
1995 14.596 82,0%
1990 8.038 179,0%
1985 2.883 Differenz

(*)Netto-Umsätze entsprechen dem konsolidierten Umsatz ohne interne Umsätze und ohne Erlösschmälerungen.

(TitelFoto: pixabay.com – TextFoto: Mestemacher FOTOsession).