Donnerstag, 29. Oktober 2020

Bremerhaven. (usp) Die Zeit vergeht wie im Flug. Es gibt eine Bäcker-Generation, die wurde vor Jahren noch zu Treffen für «Beste Bäckermeister Absolventen» eingeladen – womit zweifellos die Markenbindung gefestigt werden sollte. Die selbe Generation sieht seit Jahren zu, wie ihre Backmittel, Margarinen und anderen Hilfsmittel auf ein Investment-Vehikel reduziert werden. An die nationalen und innereuropäischen Optimierungen denken wir schon gar nicht mehr. «Ulmer Spatz» oder «Meistermarken» waren tatsächlich mal eigenständige Unternehmen, deren Produkte den Grundstein legten für großen Erfolg. Heute sind «Ulmer Spatz» und «Meistermarken» nur noch Marken – die allerdings von exzellentem Marketing, Vertriebsinnendienst und vor allem dem Vertriebsaußendienst unermüdlich gepflegt werden.

Die Distanz zwischen der nationalen soliden Basisarbeit vor Ort einerseits und dem Streben nach Gewinnmaximierung an der internationalen Konzernspitze andererseits könnte kaum größer sein. Der Konzernumbau besonders seit 2013 unterscheidet sich in nichts von dem in anderen weltweit tätigen Konzernen, die Unternehmen kaufen, umbauen, verkaufen, mit ihnen fusionieren, verschmelzen, und wieder abstoßen, was ihnen nicht passt. Wieviele ehemals stolze Unternehmen sind heute nur noch Marken im Portfolio anderer Unternehmen? Konzerne werden immer größer, die Verflechtungen unübersichtlicher. Das Produkt an sich hat kaum noch einen Stellenwert sondern eindeutig die Marge, die sich mit ihm erzielen lässt. Unter diesen Bedingungen auf nationaler Ebene das Herzblut für die eine und die andere Marke warmzuhalten, dürfte fast schon an ein Kunststück grenzen.

Wenn CSM jetzt sein europäisches und internationales Backzutatengeschäft an eine britische Investmentfirma verkauft, dann ist das eine logische Entscheidung. Spätestens seit dem Umzug der Konzernzentrale 2015 von den Niederlanden in die USA war klar, dass sich damit der Fokus verschieben und die Identität ändern würde. Nach dem sich Marianne Kirkegaard nach mehrjähriger Zugehörigkeit zum Konzern bewährt hatte, wurde sie 2016 zur Chief Executive ernannt. Sie gilt als extrem effizient und hält sich bestimmt nicht an Gedöns auf. Zu einer ihrer ersten Amtshandlungen gehörte der Verkauf des BakeMark Geschäfts 2017 an Pamplona Capital. Nichts markiert das Abstreifen der europäischen und die Annahme der amerikanischen Identität mehr als die Umbenennung aller nordamerikanischen Aktivitäten 2018 in «Brill». Die Geschichte der Marke «Brill» geht zurück auf Harry C. Brill im Jahr 1928 und hat in den USA bis heute einen sehr guten Klang. Die Wachstumschancen auf dem nordamerikanischen Kontinent sind groß. Außerdem ist der Markt bei weitem nicht so fragmentiert wie der in Europa. Das mag einer der Gründe sein, die für CSM zum Abstoßen des europäischen und internationalen Backzutatengeschäfts geführt haben. Die Kleinteiligkeit ist aus nunmehr amerikanischer Sicht vermutlich viel zu kostenintensiv. Da bleibt man besser beim TK-Backwarengeschäft und pflegt darüber hinaus seine «Brill» Aktivitäten.

Mit dem Interesse der britischen Investindustrial Limited kehrt das europäische und internationale Backzutatengeschäft wieder zurück nach Europa. Zudem hat die Investmentfirma mit Hauptsitz in London Niederlassungen in China, Luxemburg, Spanien, in den Vereinigten Staaten sowie in der Schweiz. In einer ersten Stellungnahme verriet Investindustrial-Chairman Andrea C. Bonomi, dass er sich eine größere Präsenz in Italien vorstellen kann und besonders in China sehr gute Wachstumsmöglichkeiten für das Backzutatengeschäft sieht, das auch in Zukunft unter dem Markennamen CSM Bakery Solutions firmieren wird. Wie auch immer: Wir sind gespannt auf das was kommt (Foto: pikrepo.com).