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«Kraftdach»: Bäckerei Zipper erhält Deutschen Solarpreis 2018

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Gelsenkirchen. (eb) «Sankt Bonifatius wird Backstube» lautete Mitte 2016 eine Überschrift an dieser Stelle. Die Geschichte beschreibt ausführlich, wie die Bäckerei Zipper GmbH aus Gelsenkirchen-Erle auf die Idee kam, die nahegelegene Kirche Sankt Bonifatius in ihre Pläne mit einzubeziehen. Im Gedächtnis blieb uns, dass alle Beteiligten erleichtert und glücklich waren, für das ehemalige Gotteshaus eine sinnvolle Umnutzung gefunden zu haben – allen voran der frühere Messdiener und heutige Bäckerei-Unternehmer Christian Zipper.

Vor wenigen Tagen wurde in feierlichem Rahmen der «Deutsche Solarpreis 2018» verliehen. Der wird in mehreren Kategorien vergeben und in der Rubrik «Industrielle, kommerzielle oder landwirtschaftliche Betriebe/Unternehmen» wurde damit das erneuerbare «Kraftdach» der Bäckerei Zipper in Gelsenkirchen gewürdigt als nachhaltiges und technisch anspruchsvolles Energiekonzept für Strom, Wärme und Kälte. Mit anderen Worten: Zählen wir eins und eins zusammen, dann liegt Christian Zipper mit seinen (Um-) Bauabschnitten im Plan. Okay: Ursprünglich sollte die neue Filiale «Mitte 2017» öffnen. Tatsächliche Eröffnung war erst am 13. Dezember 2017.

Davon abgesehen interessiert uns natürlich, wofür genau das «Kraftdach» der Bäckerei Zipper mit dem Deutschen Solarpreis 2018 ausgezeichnet wurde. Eine Antwort gibt uns die Würdigung wie folgt:

Bei dem Neubau einer Bäckereifiliale in Gelsenkirchen-Erle setzt die Bäckerei Zipper neben einem modernen Design auf ein regeneratives und umfassendes Energiekonzept. Durch die geschickte Kombination von Solarmodulen, Solarluftkollektoren, einem Eisspeicher und einer Wärmepumpe wird die Beheizung und Kühlung der Filiale sichergestellt – und das mit ausschließlich selbst erzeugter Sonnenenergie.

Das durchdachte Anlagenkonzept wurde von der Kraftwerk Solutions GmbH geplant und errichtet. Das eigens entwickelte «Kraftdach», eine speziell konzipierte Photovoltaik-Anlage, die auf dem gesamten Flachdach elektrische wie thermische Energie bereitstellt, liefert die Antriebsenergie für die Wärmepumpe. Diese sorgt dafür, dass die im Eisspeicher eingelagerte Energie im Winter in Wärme und im Sommer in Kälte umgewandelt wird. Zudem kann der selbst produzierte Sonnenstrom im Eisspeicher zwischengespeichert werden.

Je nach Verfügbarkeit und Wirtschaftlichkeit entscheidet ein intelligentes Energiemanagement automatisch, ob geheizt, gekühlt oder gespeichert werden muss. So funktioniert die Lösung ohne konventionelle Klimatisierung und ohne fossile Brennstoffe. Das effiziente Gesamtkonzept ermöglicht eine mittelfristige Amortisierung der höheren Investitionskosten durch die niedrigen Kosten bei laufendem Betrieb.

Zur Finanzierung der anfänglichen Investitionskosten wird die gesamte Anlage über ein Contracting- Modell verpachtet. Die Bäckerei Zipper geht mit ihrem Energiekonzept mutig voran und zeigt, dass das Modell Photovoltaik-Anlage und Eisspeicher auch für kleinere Betriebe wirtschaftlich attraktiv sein kann. Die Energiewende ist im gewerblichen Mittelstand angekommen.

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Weitere Preisträger 2018

Neben dem «Kraftdach» der Bäckerei Zipper wurden folgende Preisträger für ihre Leistungen gewürdigt:

  • In der Kategorie «Städte, Gemeinden, Landkreise, Stadtwerke» der Kreis Steinfurt – energieland2050 e.V. als erfolgreiches überparteiliches Bündnis von regionalen Akteuren zur Realisierung der Energiewende- und Klimaziele des Landkreises.
  • In der Kategorie «Solare Architektur und Stadtentwicklung» die vernetzten Mehrfamilienhäuser mit Mieterstrom und Mieterwärme in Cottbus als Vorzeigeprojekt von Prof. Timo Leukefeld und der eG Wohnen 1902 für den Strukturwandel in der Lausitz und als politisches Signal für ein alternatives Mieterstrommodell zum EEG.
  • In der Kategorie «Lokale und regionale Vereine / Gemeinschaften» der Verein Solar Powers e.V. aus Berlin für das herausragende Engagement der Studierenden und die Signalwirkung für das Nutzungspotenzial von Solarstrom auf den Dächern von Bildungseinrichtungen.
  • In der Kategorie «Medien» Heinz Wraneschitz aus Wilhermsdorf für sein langjähriges und konsequentes journalistisches Engagement für die dezentrale Energiewende auf Basis 100 Prozent Erneuerbarer Energien.
  • In der Kategorie «Transportsysteme» die e.GO Mobile AG aus Aachen für ein starkes Aufbruchssignal in das Zeitalter der Elektromobilität und die Vorbildfunktion für die etablierten Automobilhersteller in Deutschland.
  • In der Kategorie «Bildung und Ausbildung» die Werner-Heisenberg-Schule in Rüsselsheim für das langjährige und fächerübergreifende Konzept zur Integration erneuerbarer Energieprojekte in den Unterricht.
  • In der Kategorie «Sonderpreis für persönliches Engagement» Dr. Aribert Peters aus Unkel für sein jahrzehntelanges authentisches Engagement und sein gesamtgesellschaftliches Wirken im Interesse der Energieverbraucher (Fotos: EuroSolar).