Montag, 15. Juli 2024
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IHM: «Bakery Vehicle 1» soll andere Branchen inspirieren

Düsseldorf. (hwk) Bundeskanzlerin Angela Merkel wird bei ihrem Besuch der Internationalen Handwerksmesse (IHM 2018) am Freitag in München in der Sonderschau «Land des Handwerks» einem innovativen Handwerksunternehmen aus Hilden begegnen und Anlass zur Freude haben, denn «Ihr Bäcker Schüren» leistet einen hocheffizienten, bundesweit bedeutsamen Beitrag zum betrieblichen Klimaschutz: Eine erfolgreiche Mobilitäts-Initiative von Inhaber Roland Schüren könnte – Nachahmer vorausgesetzt – zur Senkung schädlicher Dieselabgase in den Städten beitragen.

Der Inhaber des 250 Mitarbeiter zählenden Lebensmittelbetriebs stellt auf der großen Ausstellung des deutschen Handwerks nicht etwa seine hochgeschätzten Sesambrötchen, Streuselkuchen oder Spritzgebackenes zur Schau, sondern den ersten nach dem Bedarf des Handwerks gebauten Elektro-Transporter «BV1» (Bakery Vehicle 1) – auf Basis eines Fahrzeugs der StreetScooter GmbH, Tochterunternehmen der Deutschen Post DHL Group. Die Bäckerei Schüren ist in diesem Jahr Referenzunternehmen der Handwerkskammer Düsseldorf für die Leistungsfähigkeit des Handwerks an Rhein, Ruhr und Wupper.

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Das «Bakery Vehicle One» basiert auf einem Fahrzeug-Grundgerüst der Post-Tochter «Streetscooter». Roland Schüren hatte vor zwei Jahren eine E-Transporter-(Facebook-) Selbsthilfegruppe gegründet, um auf das fehlende Angebot an strombetriebenen Nutzfahrzeugen der 3,5 Tonnen (sogenannte «Sprinter»-)Klasse zu reagieren. Der ökologiebewusste Lebensmittelhandwerker konnte bundesweit zahlreiche progressive Mitstreiter aus seiner und weiteren Handwerksbranchen hinter die Idee scharen und Fahrzeughersteller zum Schließen der Marktlücke veranlassen. In einem Konfigurations-Workshop hatten die Aktivisten gemeinsam die gewünschten Eigenschaften eines verbrennungsfreien Lieferfahrzeugs definiert und – angereichert um 70 angezahlte Fahrzeug-Reservierungen – die angestrebte Transporter-Neuentwicklung bei allen infrage kommenden Produzenten ausgeschrieben.

«Das BV1 ist zum Symbol für die Erneuerungs- und Impulskraft des Handwerks und für gelebte Verantwortungskultur im nachhaltigen Wirtschaftssektor Handwerk geworden», freut sich Kammerpräsident Andreas Ehlert auf einen Standbesuch in Messehalle C1 (Stand C1.262) und den kurz nach dem Leipziger Diesel-Urteil zeitlich gut abgestimmten Auftritt des Vorreiterbetriebs auf der IHM. Roland Schüren informiert dort am Samstag zwischen 10:00 und 12:00 Uhr auch als Referent bei einer Konferenz des Bayrischen Handwerkskammertags in Messe-Saal 5 teilnehmende Praktiker über die E-Transporter-Selbsthilfeinitiative.

Mittlerweile ist in Schürens Firma übrigens der komplette, 23 Fahrzeuge umfassende Fuhrpark auf alternative Antriebe umgestellt: 15 Fahrzeuge laufen elektrisch, acht (noch) mit Erdgas. Den Strom für die E-Flotte produziert Schüren größtenteils photovoltaisch selbst: «Unser Unternehmen ist zu 100 Prozent CO2-neutral aufgestellt.» Ein Umsatteln auf weitestgehend regenerative Betriebsenergie ist nach Schürens Erfahrung allerdings auch wirtschaftlich hoch attraktiv. So verursachten ihm kleine Kastenfahrzeuge des Herstellers Nissan in der Elektro-Variante nur Kosten in Höhe von zwei Euro je 100 Kilometer; im Dieselmodus waren es zuvor noch 7,50 Euro gewesen. «Alle von mir getätigten Invests in klimaneutrale Energiegewinnung und –Verbräuche amortisieren sich binnen zwei bis acht Jahren», hat der umtriebige Handwerksunternehmer errechnet, der auf der IHM mit starkem Interesse rechnet. Schürens erster «BV1», dessen Leichtbau-Konstruktion bis zu 150 Kilogramm mehr Zuladung als ein vergleichbarer Diesel erlaubt, könnte zu den meistfotografierten Objekten der Schau avancieren.

Auch angestellte Handwerker unter den Messebesuchern dürfte ein Aspekt von Schürens Initiative gefallen. Denn an den Ladesäulen der Bäckerei im Rheinland tanken auch die E-Autos seiner Mitarbeiter kostenlos. Schüren hat sich bei der Bundesregierung in einem weiteren – diesmal politischen – Vorstoß gemeinsam mit anderen Unternehmern zudem für eine steuerfreie Nutzung von vom Arbeitgeber bezogenen Ladestrom eingesetzt. Ob von ihm mit erwirkt oder nicht, ist nicht auszumachen – jedenfalls enthält die seit 01. Januar 2018 gültige Elektromobilitäts-Verordnung des Bunds exakt diese steuerliche Vergünstigung. «Alle suchen nach Wegen, die nationalen Klimaziele und einen besseren Gesundheitsschutz im Straßenumfeld zu erreichen. Schüren kriegt es gebacken», zollt Ehlert dem dynamischen Unternehmer Anerkennung (Foto Titel: dpdhl / Foto Text: Roland Schüren).