Samstag, 1. Oktober 2022

Ifo-Studie: bestätigt Dezentralisierung der Einkaufsstätten

München. (ifo) Covid-19 hat den Konsum mit andauernder Wirkung vom Zentrum an den Stadtrand verlagert. Der Umsatz in fünf deutschen Konsumzentren in den Innenstädten lag Ende Mai 2022 weiterhin 10 Prozent unter dem Vorkrisenniveau, während er in Wohngebieten in Vororten bis zu 20 Prozent zunahm. Das ist das Ergebnis der Studie des ifo Instituts auf Basis von aggregierten und anonymisierten Daten zu Einzelhandelsumsätzen, die Mastercard zur Verfügung gestellt hat. Die Studie analysiert Umsätze im Einzelhandel sowie Daten zur Homeoffice-Nutzung in Berlin, München, Hamburg, Stuttgart, Dresden und deren Umland. «Auch nach Auslaufen fast aller Corona-Maßnahmen kehren die Menschen nicht zu ihren Vorkrisen-Einkaufsgewohnheiten zurück», sagt Mitautorin Carla Krolage vom ifo Institut.

Anm.d.Red.: Damit bestätigt die Untersuchung des Münchner ifo Instituts Studien im Auftrag des Deutschen Städtetags, von Handelsverbänden und so weiter, die auf Basis ihrer Forschungsergebnisse schon begonnen haben, Antworten für die Zukunft zu planen und zu projektieren (Anm.Ende).

Weniger Konsum im Zentrum, mehr Konsum in Wohngebieten und Vororten, dieses Phänomen wird «Donut-Effekt» genannt. Er ist in der ifo-Analyse vor allem in den deutschen Millionenstädten Berlin, München und Hamburg zu beobachten – an Wochentagen stärker als am Wochenende. Zwar sei an Samstagen kein Konsumrückgang in Innenstädten im Vergleich zur Zeit vor der Pandemie zu erkennen, dennoch gleiche dies nicht den Umsatzverlust an Wochentagen aus, sagen die Autoren Jean-Victor Alipour, Oliver Falck, Simon Krause, Carla Krolage und Sebastian Wichert.

Weiteres Ergebnis: (Wohn-) Gebiete, in denen traditionell früher wenig im Homeoffice gearbeitet wurde und die seit der Pandemie einen hohen Zuwachs an Homeoffice-Beschäftigten hatten, 20 Prozent mehr Konsum als vor der Pandemie verzeichnen. «Die Menschen haben sich ans Online-Shopping gewöhnt und sie arbeiten mehr von zuhause als vor der Pandemie», sagt Mitautor Jean-Victor Alipour. «Wohngebiete und Vororte werden zu eigenständigen Konsumzentren, in denen vor Ort deutlich mehr Geld ausgegeben wird.»

«Dauerhaft mehr Homeoffice, mehr Online-Shopping und die resultierenden regionalen Konsumverschiebungen stellen das Konzept von deutschen Innenstädten als reine Einkaufs- und Arbeitsorte stark in Frage. Das kann erhebliche Folgen für den Einzelhandel, Bürokomplexe und Gastronomie haben sowie für die Verkehrs- und die Stadtplanung», erläutert Mitautor Simon Krause.

Die Studie analysiert anonymisierte und aggregierte inländische Kartenzahlungen aus der «Mastercard Retail Location Insights»-Datenbank. Diese enthält tagesgenaue Informationen zu Ausgabemustern an Kassenterminals für alle Postleitzahlengebiete der fünf Metropolregionen und wurde dem ifo Institut für dieses Projekt von Mastercard zur Verfügung gestellt. Zusätzlich nutzt die Studie repräsentative, mikrogeographische Umfragedaten zur Homeoffice-Nutzung, die durch infas 360 erhoben wurden.

Anm.d.Red. Fortsetzung: Insofern ist die Überschrift «Die Innenstadt als Konsumzentrum: Ein Opfer von Corona und Homeoffice?» (Download) nicht zutreffend. Diverse Einflussfaktoren, die schon vor Covid-19 in bestimmte Richtungen zeigten, bleiben unberücksichtigt. Die Innenstadt als Konsumzentrum ist weder ein Opfer von Corona noch Homeoffice. Sie ist überhaupt kein «Opfer». Sie ist ein lebendiger Organismus, der unter vielschichtigen politischen (Fehl-) Entscheidungen der Vergangenheit gelitten hat. Corona und Homeoffice sind allenfalls Katalysatoren, die städtebauliche Erkenntnisse, Pläne und Projekte beschleunigen. Ein Prozess der Revitalisierung kommt in Gang, der ganz bestimmt nicht auf ein paar Kartenzahlungen zu reduzieren geht. Ein vielschichtiger Prozess, der in den angesprochenen Metropolen Berlin, München, Hamburg, Stuttgart und Dresden ganz unterschiedliche Wurzeln hat, die kaum miteinander zu vergleichen sind. Doch sind die Bürger vereint in dem Wunsch, wieder in einem freundlichen Umfeld wohnen zu wollen, einem abwechslungsreichen Viertel und damit in einer lebenswerten Stadt – für Menschen gemacht (Anm.Ende).

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