Mittwoch, 3. März 2021

Ichigo Daifuku: Wenn Rezepte mehr als nur »gesund« sein sollen

Bremerhaven. (eb) Der internationale Tag der Hülsenfrüchte hat es in Deutschland schwer. Das liegt vielleicht an der Sprache, mit der Leguminosen hierzulande beworben werden. Um es vorsichtig zu formulieren: Das Land der Fleisch-Exporteure kommt über Beschreibungen, die Erbsen, Bohnen und Linsen gerne als Ersatz für irgendwas darstellen, kaum hinaus. Drängte sich schon in der Vergangenheit der Verdacht auf, dass hier ein wenig Pep fehlt, preist in diesem Jahr eine BMEL-Initiative die »wertvollen Nährstoffe« und die »optimalen Eigenschaften für eine nachhaltige Resteverwertung«. Ob das die Neugierde und den Appetit auf die große Vielfalt fördert, die Leguminosen zu bieten haben?

Ganze Datenbanken lassen sich füllen mit traditionsreichen Rezepten und neuen Ideen. Rund um den Globus verfügt die Küche mit Hülsenfrüchten über eine so reichhaltige Tradition, dass sie locker ein eigenes Segment füllen kann neben anderen Mainstreams dieser Zeit. Das Kochen, Backen und Braten mit Leguminosen eignet sich hervorragend sowohl für flexitarische, vegetarische als auch vegane Menüs. Vor allem lassen diese Kreationen nicht sofort an »wertvolle Nährstoffe« denken (… die zweifellos in ihnen stecken). Sie sind hoch entwickelt, stehen in erster Linie für Genuss und hätten sich rund um den Globus kaum durchgesetzt, besäßen sie nicht ein Mindestmaß an Attraktivität.

Das sprichwörtliche I-Tüpfelchen auf diese vielfältige und lebendige Kultur kommt aus Japan. Was allein die traditionell japanische Konditorei aus Hülsenfrüchten entstehen lässt, ist eine besondere Erwähnung wert. Sie zeigt Erzeugnisse, auf die wir in Europa gar nicht kommen. Oder noch nicht gekommen sind. Dabei kennt auch Deutschland die Kunst des Modellierens. Nur mal angenommen, die hiesige Konditorei würde (a) Bohnenpaste statt Marzipan verwenden und (b) ihr Weihnachtssortiment in ein Ganzjahressortiment umbauen – dann könnten sich daraus schnell zusätzliche Umsätze generieren lassen. Also nicht nur Marzipankonfekt für die Weihnachtszeit, sondern Frühlingskonfekt im Mai, Valentinskonfekt für Februar, Herbstkonfekt zu Erntedank. Kreative Vorbilder gibt es viele – und Anlässe auch: Allein der japanische Kalender kennt 14 Anlässe über das Jahr verteilt, an denen sich die Menschen gegenseitig mit kleinen Kostbarkeiten beschenken auf Basis von Hülsenfrüchten.

Das Foto, das hier die hohe Kunst der Konditorei mit Bohnen illustriert, ist der Seite pulses.org entnommen, einem Angebot der Global Pulse Confederation (GPC). Dort finden Interessenten nicht nur die Rezepte für «Ichigo Daifuku» und «An + Wagashi», sondern die gesamte Vielfalt aus den Küchen und Backstuben dieser Welt – inklusive vieler schöner Rezepte und Anregungen (Foto: GPC – pulses.org).