Samstag, 10. April 2021

Handwerk und Industrie: Wenn Salz, dann bitte Jodsalz

Bonn. (bzfe) Deutschland ist nach wie vor ein Jodmangelland. Jod gilt als ein wichtiges Spurenelement, das zum Aufbau der Schilddrüsenhormone benötig wird. Mit natürlichen jodhaltigen Lebensmitteln wie Seefisch, Milch oder Eiern nehmen die Menschen jedoch nicht ausreichend Jod zu sich. Deshalb werden der Lebensmittelindustrie, dem Lebensmittelhandwerk sowie privaten Haushalten seit vielen Jahren empfohlen, jodiertes Speisesalz zu verwenden – weiß das Bundeszentrum für Ernährung (BZfE).

Wie das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) in einer aktuellen Stellungnahme feststellt, ist die Bevölkerung hierzulande immer noch nicht optimal mit diesem Spurenelement versorgt. Im Gegenteil: Die Jodversorgung weist sogar eine rückläufige Tendenz auf. Eine mögliche Ursache dafür sah die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) bereits 2013 darin, dass Lebensmittelhersteller weniger Jodsalz als herkömmliches Salz verwenden.

Hinzu kommt: Da die Menschen in Deutschland vor allem mit verarbeiteten Lebensmitteln zu viel Salz zu sich nehmen, wurden Lebensmittelhersteller im Rahmen der Nationalen Reduktions- und Innovationsstrategie der Bundesregierung dazu aufgerufen, den Salzgehalt in verarbeiteten Lebensmitteln schrittweise zu reduzieren. Das könnte jedoch dazu führen, dass die Bevölkerung gleichzeitig weniger Jod durch jodiertes Speisesalz zu sich nimmt.

Das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) wollte deshalb in einer Modellrechnung herausfinden, ob man diesem Szenario entgegenwirken kann, indem die gesetzliche Höchstmenge von Jod im Speisesalz von 15 bis 25 Milligramm pro Kilogramm auf maximal 30 Milligramm pro Kilogramm erhöht wird. Die tolerierbare tägliche maximale Jodaufnahme werde laut BfR damit nicht überschritten.

Das Ergebnis dieser Schätzung: Wenn die Menschen zehn Prozent weniger Salz zu sich nehmen und der Jodgehalt im Salz auf bis zu 30 Milligramm pro Kilogramm erhöht wird, kann die durchschnittliche Jodzufuhr in Deutschland insgesamt etwas erhöht werden. Da Frauen im gebärfähigen Alter einen höheren Jodbedarf haben, würde diese Maßnahme das Risiko für eine unzureichende Jodaufnahme jedoch nur in geringem Maße senken.

Fazit des BfR: «Eine alleinige Erhöhung des Jodgehaltes im Salz um 5 Milligramm pro Kilogramm ist ohne Steigerung des Verwendungsgrades von Jodsalz zur Herstellung industriell und handwerklich hergestellter Lebensmittel daher nicht sachgerecht.» Aus Sicht des BfR sollten deshalb mehr Lebensmittelhersteller in Industrie und Handwerk anstelle von herkömmlichem Speisesalz jodiertes Speisesalz verwenden, fasst das Bundeszentrum für Ernährung (BZfE) die Schlussfolgerungen zusammen.