Freitag, 7. Oktober 2022

GIC: Bühler investiert in ein neues Grain Innovation Center

Uzwil / CH. (bg) Die Bühler AG investiert einen zweistelligen Millionenbetrag in Schweizer Franken in ein neues Grain Innovation Center (GIC) an seinem Standort in Uzwil. Das GIC wird das alte Technologiezentrum ersetzen, das in den 1950er Jahren gebaut wurde und nicht mehr den Anforderungen an ein modernes Innovationszentrum entspricht. Im neuen GIC wird Bühler zusammen mit seinen Kunden und Partnern nachhaltige und effiziente Lösungen für die Getreide- und Futtermittelverarbeitung entwickeln, testen und skalieren. Ziel ist es, den Ertrag, die Qualität, die Energieeffizienz und die Flexibilität der Anlagen sowie nahrhafte und wohlschmeckende Rezepte auf der Basis einer breiten Palette von Getreide und Hülsenfrüchten zu verbessern. Eingebettet in das bestehende Ökosystem der Application + Training Center von Bühler Uzwil, das die Bereiche Bäckerei, Pasta, Proteine und Schokolade umfasst, wird das GIC die Entwicklung innovativer Lösungen entlang der gesamten Wertschöpfungskette ermöglichen, von den Rohstoffen bis zu den fertigen Produkten. Die Inbetriebnahme des GIC ist für Ende 2024 geplant.

Seit rund 10 000 Jahren verarbeitet der Mensch Getreide – doch nie war die Müllerei innovativer als heute. Umweltauflagen, Lebensmittelsicherheit, Kundenbedürfnisse, Rohstoffbeschaffung: Die immer höheren Anforderungen erfordern neue Prozesse und Anlagentechnik. Vor 70 Jahren baute Bühler ein erstes Anwendungszentrum am Standort Uzwil gebaut. Es ist jedoch in die Jahre gekommen und kann künftigen Anforderungen nicht mehr gerecht werden.

Als das heutige Anwendungszentrum 1951 gebaut wurde, wurden die Rohstoffe noch in Säcken zu 100 Kilogramm angeliefert, man setzte für Transport und Verteilung neben der damals modernsten Technologie auch auf viel menschliche Muskelkraft. Heute, wo die Rohstoffe in Säcken zu einer Tonne angeliefert werden oder gleich als Schüttgut im Tanklastwagen ankommen, ist das nicht mehr realistisch. Das Gebäude stösst mit der Infrastruktur an seine Grenzen.

Stetig steigende Anforderungen

Auch der Inhalt der angelieferten Säcke unterscheidet sich deutlich von dem von 1951: Heute kommen immer mehr und immer vielfältigere Rohstoffe in die Verarbeitung, von der neu entdeckten alten Getreidesorte über Hülsenfrüchte bis hin zum recycelten Kunststoffgranulat PET. «Alles, was man vermahlen, sieben, sortieren kann, ist hier am richtigen Ort», sagt Rudolf Hofer, Head of Grain Innovation Center. Anderseits werden immer mehr Endprodukte entwickelt, etwa von Start-ups, die Produkte mit lokalem Bezug entwickeln, um den aktuellen Kundengeschmack zu treffen. Das alles wiederum stellt immer höhere Anforderungen an Nachhaltigkeit, Energieeffizienz, Lebensmittelsicherheit, Nachverfolgbarkeit. Immer wichtiger wird auch die Kreislaufwirtschaft, was neue Lösungen und Anwendungen für Neben- und Abfallprodukte wie Schalen, Spelzen oder Kleie erfordert.

Das Gebäude, das nun teilweise abgerissen, neu erstellt, aber in Teilen auch in seiner Struktur belassen und renoviert wird, ist ein Ort mit grosser Tradition. Einer Tradition der Innovation: «Die meisten Maschinen, die im Bereich Müllerei während der vergangenen 70 Jahre entwickelt wurden, sind hier im Anwendungszentrum zumindest teilweise getestet worden», erzählt Stefan Birrer, Head of Business Area Milling Solutions. «Darunter finden sich absolute Erfolgsgeschichten wie der Walzenstuhl Airtronic (MDDK) dem ersten kraftschlüssigen Walzenpaket, das es ermöglicht hat, die Anzahl der Walzenstühle in einer Mühle stark zu verringern, oder der erste Doppelwalzenstuhl (MDDL), der die Mühlengestaltung betreffend Diagrammauslegung und Platzbedarf massgebend beeinflusst hat», fügt er an.

Enormer Schub für innovative Müllerei

Heute erfüllt das Application + Trainings Center nicht mehr die Anforderungen an ein zukunftsorientiertes und sicheres Umfeld für die Kundinnen und Kunden von Bühler sowie für eigene Versuche und Entwicklungen. Darum baut Bühler auf dem Areal des heutigen Anwendungs- und Trainingszentrums eine komplett neue Infrastruktur, die der Forschung und Entwicklung im Bereich Müllerei einen enormen Schub verleihen wird. Hier wird auch daran getüftelt, wie die Maschinen und Prozessschritte mit der digitalen Revolution verschmolzen werden können. Das Gebäude wird wie sein Vorgänger ein Hort der Innovation sein. «Alle Neuentwicklungen werden aus dem neuen Grain Innovation Center kommen. Bühler behält diesen wichtigen Teil seiner Forschung weiter in Uzwil», sagt Peter Striegl, Head of Innovation Milling Solutions.

Was aber erwartet die Kunden hier? Das neue Anwendungsgebäude bietet unter anderem einen vollständig integrierten Reinigungs- und Mahlprozess für alle Getreidesorten, ein komplettes Futtermahlverfahren für alle Arten von Mischfutter sowie eine Forschungs- und Entwicklungsabteilung.

Lernumgebung der Zukunft

Auch für die so wichtige Aus- und Weiterbildung ist gesorgt: Die dafür notwendigen Maschinen, Prozesse und hochmoderne Unterrichtsinfrastruktur sind ein wichtiger Bestandteil des Projektes. Besucher gelangen über einen Gehweg zum neuen Kleinlabor und der Werkstatt. Der Rundgang führt immer auch durch die Milling Academy, wo grosse Fenster interessante Einblicke in verschiedene angrenzende Anwendungszentren gewähren.

Um Synergien nutzen zu können, wird das Schulungszentrum in das bestehende Ökosystem mit allen bestehenden Application + Training Center, dem CUBIC, dem neuen Bühler Energy Center und dem an den Networking Days angekündigten Protein Application Center integriert. Das Trainingscenter bietet den Kunden natürlich auch neue Wege des Lernens – Stichwort hybrides Lernen, das den Besuch vor Ort und das Lernen online verbindet. Die Kundinnen und Kunden können selbst wählen, wie viele Leute sie persönlich in das Center schicken wollen und wie sie den Lernprozess und das Training gestalten wollen. Die Milling Academy wird zudem einen neuen Lehrplan entwickeln, innovative und neue Wege des Lernens beschreiten und viel enger mit der African Milling School und allen anderen Akademien bei Bühler zusammenarbeiten. Denn aus Zusammenarbeit entsteht Innovation, auch für die nächsten 70 Jahre (Foto: buhlergroup.com).

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