Samstag, 5. Dezember 2020
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GAIA‑X: Basics für IT-Entscheidungen von morgen

Bremervaven. (eb) Anfang Juni flatterte den Redaktionen eine Mitteilung aus dem Bundesministerium für Wirtschaft und Energie (BMWI) auf den Tisch, die kaum jemand versteht, der sich nicht regelmäßig mit grundlegenden Belangen einer europäischen Daten-Infrastruktur und daraus resultierenden Konsequenzen befasst. Gleichwohl kommt dieser Nachricht große Bedeutung zu, denn: Schnelles Internet ist das eine. Neben einer zuverlässigen Daten-Durchleitung benötigen wir aber auch ausreichende Kapazitäten, um europäisches Wissen sicher zu lagern und nach europäischem Recht zu pflegen. Eine im technischen Sinn adäquate Daten-Infrastruktur nur in Übersee kann daher für Europäer nicht länger akzeptabel sein, denn: Informationen sind das Gold von morgen, Innovationskraft und Wettbewerbsfähigkeit entscheiden über die Arbeitsplätze der Zukunft. Wo Daten nach welchem Standard gelagert werden, entscheidet über Existenzen.

Je komplexer unsere Welt wird, desto mehr berühren Standorte und Standards auch Sicherheitsfragen auf verschiedenen Ebenen. Es ist daher zu begrüßen, dass Deutschland und Frankreich Vorreiter sein wollen beim ersten Schritt Europas in Richtung einer europäischen Dateninfrastruktur. Bundesminister Peter Altmaier (BMWI) und sein französischer Amtskollege Bruno Le Maire präsentierten Anfang Juni entsprechende Vorhaben zwecks Verwirklichung des europäischen Daten-Infrastrukturprojekts GAIA-X. Besser spät als nie, möchten wir hinzufügen.

Mit GAIA-X entwickeln Vertreter aus Politik, Wirtschaft und Wissenschaft aus Frankreich und Deutschland gemeinsam mit weiteren europäischen Partnern einen Vorschlag zur Gestaltung der nächsten Generation einer Daten-Infrastruktur für Europa. Ziel ist eine sichere und vernetzte Infrastruktur, die den höchsten Ansprüchen an digitale Souveränität genügt und Innovationen fördert. In einem offenen und transparenten digitalen Ökosystem sollen Daten und Dienste verfügbar gemacht, zusammengeführt und vertrauensvoll geteilt werden können.

Bei der Umsetzung setzt GAIA-X auf bewährte Stärken Europas. Dazu zählen unter anderem die Vielfalt der Angebote sowie starke mittelständische und dezentrale Strukturen. Auf diese Weise werden die zahlreichen über Europa verteilten Investitionen in digitale Technologien verknüpft und nach BMWI-Vorstellung eine stärkere Wirkung entfaltet.

Aus Anwenderperspektive wird GAIA-X eines Tages – perspektivisch – den Zugang zu einem breiten, relevanten und spezialisierten Produkt- und Serviceportfolio von Cloud-Anbietern und somit die Nutzung passgenauer Lösungen ermöglichen. In diesem Zusammenhang will GAIA-X volle Transparenz bieten durch Selbstbeschreibung und zertifizierten Datenschutz sowie regulatorische Kriterien der angebotenen Produkte und Services.

Das ist eigentlich alles, was man zum jetzigen Zeitpunkt über GAIA-X wissen muss – sofern der Fokus auf Informationstechnik und -technologie nicht zum Hauptgeschäft zählt. Weiterführende Details lassen sich gut bei Wikipedia recherchieren. Selbstverständlich bietet die Aussicht auf GAIA-X auch Hinweise auf Entwicklungen von morgen. Man muss den Themenkomplex sacken lassen. Früher oder später bekommt man dann eine Ahnung, wohin die Reise geht – und wohin man sein Unternehmen, gleich welcher Branche, entwickeln sollte.

Das Für und Wider des europäischen Projekts GAIA-X behandelt leicht lesbar auch ein Beitrag auf sicher-im-netz.de unter der Überschrift «GAIA‑X: Wie hilfreich ist die europäische Cloud für den Mittelstand?». Der IT-Sicherheitsblog für den Mittelstand wägt sorgfältig ab und nennt die vielfältigen Quellen seiner Recherche. Gerade diese Querverweise ermöglichen es Laien, sich ein zuverlässiges Bild zu erarbeiten für kommende Investitionsentscheidungen (Foto: pixabay.com).