Donnerstag, 30. Mai 2024
20180115-BAGUETTE

Führt das «Décret n°93-1074» das Baguette zu noch höheren Weihen?

Paris / FR. (eb) Einer der wichtigsten Tage im Terminkalender des französischen Bäcker-Präsidenten ist der Tag im Januar, an dem er gemeinsam mit einer Entourage von rund 130 Handwerksbäckern, die in der «Confédération Nationale de la Boulangerie-Pâtisserie Française» (CNBPF) organisiert sind, vom französischen Staatspräsidenten persönlich im Elysée-Palast empfangen wird. Der wichtigste Tag war in diesem Jahr der 12. Januar und CNBPF-Präsident Dominique Anract, Inhaber der Pariser Bäckerei La Pompadour, brachte nicht nur einen Frangipane-Kuchen von Joël Piquenard, Bäcker in Vaucresson (Department Hauts-de-Seine), mit einem Durchmesser von 1,20 Metern mit. Er bat zudem um die Unterstützung von Staatspräsident Emmanuel Macron zwecks Registrierung des traditionell französischen Baguettes in der Liste des immateriellen Weltkulturerbes bei der Unesco. «Atabula» und «Le Parisien» berichteten zuerst darüber und viele andere Medien schlossen sich an.

Wie die Kunst des neapolitanischen «Pizzaiuolo» in Italien

Das Baguette ist ein Symbol Frankreichs – ähnlich wie die Pizza ein Symbol Italiens ist. Seit Dezember 2017 gehört die Kunst des neapolitanischen Pizzabäckers, Keimzelle der weltweiten Verbreitung der Pizza und des Pizza-Backens, zur Unesco-Liste des Immateriellen Kulturerbes. Auch ein Baguette ist nicht einfach nur ein Baguette, sondern ein Gemeingut, das seit 1993 noch dazu strikten Auflagen unterliegt. Das handwerklich erzeugte Baguette ist nicht nur ein Lebensmittel, sondern ein Symbol Frankreichs. Dafür stehen bei unseren Nachbarn rund 33.000 Handwerksbäckereien mit insgesamt gut 180.000 Mitarbeitenden. Täglich gehen etwa zwölf Millionen Menschen durch die Türen dieser Bäckereien. Ein Kulturgut, das die Franzosen gemeinsam mit ihren Familien und Freunden brechen und im übertragenen Sinn längst auch mit der Welt.

Weshalb sollte man die Initiative nicht unterstützen?

Das Baguette, heute weit mehr als nur Mehl, Wasser, Salz, Hefe und Know-how, hat es verdient, geschützt zu werden und Eingang in die Liste des Weltkulturerbes zu finden. Oder um es mit den Worten von CNBPF-Präsident Dominique Anract zu sagen, der in seiner Mission von Laurent Stéfanini (Botschafter Frankreichs bei der Unesco) Ende Dezember bereits empfangen wurde: «Abgesehen vom Eiffelturm: Ist das Baguette nicht das stärkste Symbol Frankreichs?». Okay, uns käme aus Konsumentensicht vielleicht noch das Croissant in den Sinn. Doch aus Produktionssicht und bei allen Auflagen, die das «Décret n°93-1074» von 1993 mit sich bringt, ist das Baguette der geeignete Kandidat, um in die Liste des immateriellen Weltkulturerbes aufgenommen zu werden. Für den Vorschlag findet CNBPF-Präsident Dominique Anract breite Unterstützung und natürlich auch die seines Präsidenten Emmanuel Macron (Foto: pixabay.com).