Montag, 24. Juni 2024

Fleischatlas Extra: über Abfall und Verschwendung

Berlin. (hbs) Mit Fleischabfall und -Verschwendung befasst sich der neue «Fleischatlas Extra» der Heinrich-Böll-Stiftung. Ein schonender Umgang mit Nahrungsmitteln ist ein Schlüsselfaktor im Kampf gegen Hunger und Umweltzerstörung. Allerdings essen und verschwenden wir zu viel: 2013 wurden in Deutschland Tiere mit einem Lebendgewicht von rund 11,2 Millionen Tonnen produziert. Doch nur die Hälfte bis ein Drittel davon wird hierzulande auch gegessen. Zum Verzehr gelangen neben Wurstwaren vor allem Filetstücke oder Koteletts. Der Rest ist industrieller Rohstoff für die Herstellung von Haustierfutter, Düngemittel, Gesichtscreme oder von «Biokraftstoff» in der Energiewirtschaft. Darüber hinaus wirft der Endverbraucher pro Jahr 4,3 Kilogramm Fleisch in die Tonne. Oder, auf ganz Deutschland hochgerechnet, per Anno 346 Millionen Kilo der «besten Stücke» der Tiere – umgerechnet über 8.500 LKW der 40-Tonnen-Klasse. «Das Problem der Verschwendung fängt allerdings nicht erst beim Endkonsumenten an», schreibt die Stiftung. Bewerbe man die industrielle Nutzung von Tieren als klimaneutralen Rohstoff für die Chemie- und Energiewirtschaft, dann sei das nur möglich, weil zahlreiche andere Faktoren der Massentierhaltung nicht eingepreist würden. Industrielle Tierproduktion belastet die Böden, das Trinkwasser und nimmt für Futtermittel riesige Agrarflächen in Anspruch, die anderswo für die Produktion von Lebensmitteln fehlten. Die industrielle Fleischproduktion trage dazu bei, dass sich die Schere zwischen denen, die Verschwenden können und denen, die die nicht genug zu essen haben, immer weiter öffne. Ein umsichtiger und wertschätzender Umgang mit Nahrung ist ein zentraler Lösungsansatz für weniger Hunger. Es ist nicht zu vertreten, dass bei einem hohen deutschen Konsum von 60 Kilo Fleisch pro Kopf und Jahr auch noch sieben Prozent direkt in den Müll wandern. Umgerechnet sind das 45 Millionen Hühnchen, vier Millionen Schweine und 200.000 Rinder, deren Mästung und Tod vermeidbar wären.

Info: «Fleischatlas Extra» der Heinrich-Böll-Stiftung. Daten, Grafiken, Fakten zu Abfall und Verschwendung. Informationen über die Tiere, die die Deutschen nicht essen. Außerdem weitere Infos zum Fleischatlas und Grafiken zum besseren Verständnis.