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Fake Use: Wie viele Ihrer Kundenkarten dienen dem Missbrauch?

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Kronau. (goe) Kriminelle Energie ist wie Wasser: sie fließt in jeden Winkel und findet überall einen Weg. Man muss nur wissen «wie’s geht», und schon sind selbst die neuesten Registierkassen, die jede gesetzliche Anforderung erfüllen, nicht mehr sicher vor dem Einfallsreichtum der Betrüger in Ihrer Belegschaft, die ohnehin nur auf die nächste Gelegenheit warten.

Eine Kundenkarte ist ein erfolgreiches Instrument der Kundenbindung und weit verbreitet. Die Karte ermöglicht nicht nur den bargeldlosen Einkauf, sondern erstattet auch Prozente oder Boni zurück auf den Einzelpreis. Wer Brot und Gebäck nur bei seinem Bäcker kauft, der blickt am Monatsende auf ein hübsches kleines Sümmchen, für das er zusätzlich einkaufen kann – oder die zur Auszahlung kommt.

Haben Sie eine Kundenkarte? Dann lassen Sie die zuhause und gehen ohne Karte, dafür «Undercover» in einer der Filialen einkaufen, von denen Sie denken, dass dort die Kassen spinnen oder Ihr Systemspezialist Ihnen irgendeinen Mist angedreht hat. Jedenfalls stimmen die Zahlen nicht und Sie schütten deutlich mehr Boni aus als noch zu analogen Zeiten. Andererseits ist die elektronische Kundenkarte nicht überall ein Minusgeschäft. Nur in dieser und jener Filiale. Wie kann das sein?

Machen Sie den Praxistest

Genau deshalb gehen Sie unerkannt und ohne Kundenkarte in einer beanstandeten Filiale einkaufen. Beim Bezahlen fragt die Verkäuferin nach Ihrer Kundenkarte. Sie verneinen. «Macht nichts,» strahlt die Verkäuferin Sie fröhlich an und zieht ersatzweise eine andere Karte durch, die griffbereit neben der Kasse liegt.

  • Jemandem, der keine Kundenkarte besitzt und sich nicht weiter für das Thema interessiert, wird der Vorgang kaum auffallen. «Was für eine freundliche Verkäuferin,» wird er denken und zufrieden den Laden verlassen.
  • Jemand, der eine Kundenkarte besitzt, die aber nur vergessen hat, wird vielleicht stutzen. Mehr nicht.
  • Spätestens Ihr geschulter Blick sollte erkennen, dass die freundliche Verkäuferin die fälligen Boni gerade irgendwohin gebucht hat, wo sie eigentlich nicht hingehören.

Bonuspunkte für einen getätigten Einkauf werden mit dem Bezahlvorgang auf das Kundenkonto gebucht. Boni sind dazu da, um redliche Kunden zu belohnen. Nicht die unredliche Verkaufskraft. Wieviel Prozent Ihrer Kunden haben eine Kundenkarte? Wie oft ergibt sich die Gelegenheit, Boni «ersatzweise» auf eine oder mehrere andere Karten zu buchen? Der «Fake Use» oder missbräuchliche Einsatz von Kundenkarten ist im normalen Tagesgeschäft kaum zu bemerken und auch nur schwer festzustellen – führt unter dem Strich jedoch zu erheblichen unberechtigten Bonizahlungen.

Handlungsempfehlung

Nachdem Sie sich überzeugt haben, dass Kassen-Hardware und -Software okay sind, tauchen Sie zum ersten Mal tiefer in die Möglichkeiten des Controllings ein, die Ihr Kassensystem Ihnen bietet: Sie prüfen die Anzahl der Einkäufe und Umsätze nicht nur unter dem Strich, sondern je Kundenkarte. Taucht dabei eine Karte auffallend oft und mehrmals am Tage in ein und derselben Filiale auf, dann lautet der nächste Schritt, dass Sie die entsprechenden Vorgänge nach Uhrzeit und Bediener prüfen müssen.

Diese Möglichkeit der Auswertung stellt Ihnen jedes gute Kassensystem zur Verfügung. Vielleicht bietet Ihnen Ihr Systemhaus genau diese Auswertung schon als Standard an, so dass Ihnen per Mausklick sofort alle Karten und Filialen ins Auge fallen, bei denen eine missbräuchliche Nutzung vorliegen könnte. Eine wünschenswerte Funktion für alle Unternehmen, zu deren Instrumenten der Kundenbindung auch oder gerade Kundenkarten gehören. Schließen Sie die Lücke und schaffen Sie den Missbrauch ab. Viel Erfolg wünscht Ihnen das Team von Goecom (Foto: pixabay.com).